Diamantene Hochzeit in Abbensen

Stellvertretende Bürgermeisterin Daniela Mühleis (links) und Pastor Jens Rake (rechts) überbrachten dem Diamantenen Hochzeitspaar Irmgard und Kuno Mattern Urkunden und Glückwünsche. Nicht auf dem Bild: Ortsbürgermeister Peter Reuter Foto: E. Rodenbostel
 
Hochzeit vor 60 Jahren in Abbensen: Irmgard und Kuno Mattern Foto: E. Rodenbostel

Australien war eine tolle Zeit

Abbensen (er). Als der Hobby-Radrennfahrer Kuno Mattern 1956 über eine Brücke seines Heimatortes Karlsruhe fuhr und dort die 15 jährige Irmgard mit zwei kleinen Kindern sah, auf die sie aufpasste, wunderte er sich selbst, dass er anhielt. Normalerweise wäre er vorbei gefahren. Nicht so an diesem Nachmittag und damit begann die gemeinsame Geschichte der beiden inzwischen 60 Jahre verheirateten Abbensener. Nach zunächst zwei Jahren des Briefe Schreibens trafen sie sich öfter und heirateten am 19. Februar in Negenborn auf dem Standesamt, das extra eine Stunde länger geöffnet hatte um 19.00 Uhr. Der Bräutigam kam mit seiner Verwandtschaft mit dem Zug erst um 18.00 Uhr an und war zehn Stunden unterwegs gewesen. Kuno Mattern arbeitete zunächst fünf Jahre bei der Bahn, fand dann aber eine Anzeige, die das junge Ehepaar nach Australien brachte. Eine Aluminiumfirma bei Perth hatte den Maschinenschlosser eingestellt und der von ihnen bewohnte Bungalow lag nur 70 Meter vom Meer entfernt. Der Flug wurde 1962 von dem Arbeitgeber gezahlt und kostete 7000 DM. Trotz der sehr netten Menschen dort bekam Irmgard Mattern Heimweh. Besonders, als ihr Bruder mit 25 Jahren verunglückte, sie von einer roten Spinne gestochen wurde und neben dem Laufstall ihres Sohnes eine Schlange sah, trieb es sie nach fünf Jahren Australien zurück nach Deutschland. Dieses Mal zu ihren Eltern nach Abbensen. Die Rückfahrt wurde mit dem Schiff und dem 15 Monatigen Sohn über sechs Wochen gemacht, wobei sie viele Städte besichtigen konnten.
In Abbensen zog die junge Familie zunächst bei den Eltern ein, bis im Laufe der Jahre ein eigenes Haus gefunden wurde. Die nächsten 27 Jahre arbeitete Kuno Mattern bei der Firma Benecke, auch oft an den Wochenenden. Ingrid Mattern war vor ihrer Ehe dort auch beschäftigt und durfte in großen Städten auf Messen. In Australien arbeitete sie zunächst als Köchin in einem Behindertenheim. In Abbensen kümmerte sie sich um den Haushalt und bald auch um ihre Eltern, einschließlich deren Garten und pflegebedürftige Nachbarn.
Im Laufe des Lebens musste Herr Mattern verschiedene Unfälle verkraften. So stürzte er mit 27 Jahren, noch in Australien, zur Zeit der Schwangerschaft seiner Frau, aus 18 m Höhe auf eine umgekippte Sackkarre, die ihm den Unterkiefer zerschnitt. Sonst verlief der Sturz aber sehr glimpflich im Gegensatz zu dem mit 72 Jahren, als er aus etwa einem Meter Höhe fiel und sich unverständlicherweise zwei Lendenwirbel brach, was ihn an die schlimmste Woche seines Lebens erinnert. Auch seine Frau kann von insgesamt 3 Hüftoperationen und einer zweimaligen Transplantation der Hornhaut im Auge berichten, wobei die erste Transplantation etwa 22 Jahre keine Probleme machte. Auch heute steht sie täglich um 5.45 Uhr auf, damit sie die Stützstrümpfe pünktlich um 6.15 Uhr angezogen bekommen kann. Dies macht der Pflegedienst, da es nach den Hüftoperationen selbst nicht mehr möglich ist.
Viele Reisen unternahmen die Beiden und haben viel gesehen von der Welt. Das kleine Häuschen in Abbensen wurde mehrfach erweitert. Besonders Wert legen beide Eheleute auf großes Einvernehmen. Abends den Kuss und morgens die Umarmung gehören zu den Ritualen. „Es gibt manchmal ein Kurzgewitter, aber dann dreht man sich um und es geht wieder“, schmunzelt Kuno Mattern. Er durfte sich über 35 Jahre an seinem Graupapageien freuen und übernimmt nun die tägliche Betreuung und Versorgung der zwei Wellensittiche.
Sicher trägt auch der individuelle Fernsehkonsum zum persönlichen Freiraum und gegenseitigem Einvernehmen bei. Das Ehepaar sitzt zwar in einem Raum, habt aber jeder seinen eigenen Fernseher mit dazugehörenden Kopfhörern und blickt in unterschiedliche Richtungen, um den anderen nicht zu stören oder von ihm gestört zu werden. Eine gute Lösung für den häuslichen Frieden.
"Wir freuen uns, dass wir so ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern und der Enkeltochter haben. Das ist nicht selbstverständlich", bekräfitgen Beide.Zur Feier der diamantenen Hochzeit werden sie von den Kindern in ein Australisches Restaurant eingeladen, wo sicher noch die ein oder andere Geschichte aus dem bewegten Leben erzählt wird.