Die Ehrenamtskarte und der Datenschutz

Emil Weigand freut sich, dass er seine Ehrenamtskarte jetzt endlich abholen konnte. Foto: A. Wiese

Warum Emil Weigand monatelang auf seine Karte gewartet hat

Wedemark (awi). Anneke und Emil Weigand haben etwas erlebt, das sie gerne weitergeben möchten um andere Bürger darüber zu informieren. Ende letzten Jahres hat Emil Weigand aus Mellendorf bei der Gemeinde Wedemark eine Ehrenamtskarte beantragt – ein ziemlicher bürokratischer Aufwand, doch sei es nett so eine Karte zu haben, schon wegen der Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement, die damit zum Ausdruck gebracht wird. Monatelang hörte das Ehepaar Weigand nichts mehr von der Gemeinde, machte sich abrer auch nichts daraus, weil es für beide keine hohe Priorität hatte. Dann begann Anneke Weigand, die es aus ihrem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement heraus gewöhnt ist, den Dingen auf den Grund zu gehen, hier und dort nachzufragen: Bei der Freiwilligenagentur Niedersachsen, bei einer Mitarbeiterin in Langenhagen und einigen anderen Stellen. Irgendwann kam dann heraus: Die angeforderte Ehrenamts-Karte liegt schon seit dem 17. Januar im Rathaus bei einer Mitarbeiterin zur Abholung bereit. Emil Weigand griff zum Telefon und tatsächlich: schon seit Januar lag dort seine Karte. Die Begründung, dass ihm die Karte nicht zugestellt wurde – eine feierliche Übergabe war nachvollziehbarerweise nicht möglich – oder er informiert wurde, dass er die Karte abholen könne, war allerdings erstaunlich: Die Gemeinde bekommt die Ehrenamtskarten ohne Kontaktdaten von der Region zugeschickt. Als Weigand erstaunt anmerkte, er sei doch im Einwohnermelderegister zu finden, erhielt er zur Antwort, dort dürfe die Mitarbeiterin aber nicht hineinschauen, um Kontaktdaten zu ermitteln.
Fazit: Wenn man eine Ehrenamts- Karte beantragt, muss man selber immer wieder nachfragen, ob die Karte ausgestellt worden ist. „Auf diese Gedanken muss man erst mal kommen“, so Anneke und Emil Weigand: „Man will in Corona-Zeiten doch die Verwaltungsmitarbeiter auch nicht mit so etwas Unwichtigem nerven. Und die arme Mitarbeiterin hat jedoch einen ganzen Stapel Karten, die nicht abgeholt werden.“ Vielleicht liest der eine oder andere, der sich ebenfalls wundert, wo seine beantragte Karte bleibt, dies ja und marschiert in Rathaus, wünschen sich die Weigands. Gemeindepressesprecher Ewald Nagel konnte die Darstellung nur bestätigen. Das sei ein Problem mit dem Datenschutz, räumte er ein und stellte in Aussicht, die Problematik bei der Region demnächst noch einmal zur Sprache zu bringen. Denn eine Ehrenamtskarte, die den Ehrenamtlichen gewisse Vergünstigungen verschaffen soll, nützt ihnen schließlich nur was, wenn sie sie auch in Händen haben. Nur gut, dass ehrenamtliches Engagement selbst in der Regel wesentlich unbürokratischer abläuft!