Die elf Ortsräte sind gewählt

Freute sich über das gute SPD-Ergebis in Elze: Ortsbürgermeisterkandidat Jürgen Benk.

Regelrecht gekippt ist nur Scherenbostel – bei 5 Ortsräten entscheiden die „Kleinen“

Wedemark (awi). Erst zu später Stunde, nach Mitternacht, standen am Sonntagabend die Ergebnisse für die Ortsräte fest. Mit besonderer Spannung warteten die Teilnehmer der Wahlpartys der beiden großen Parteien auf die Ergebnisse aus dem neuen Ortsrat Bissendorf-Wietze und dem Ortsrat mit den beiden Newcomer-Kandidaten, Scherenbostel. Letzter bot der CDU Anlass zum Jubel: Scherenbostel ist der einzige Ortsrat, wo die Mehrheiten deutlich gewechselt haben, und das – ganz gegen den Trend – für die CDU ausgeschlagen hat: Jürgen Kowahl trat nach 15 Jahren nicht wieder an. Der SPD-Ortsbürgermeister war eine Institution in Scherenbostel, hatte parteiunabhängig das Vertrauen der Einwohner besessen. Beide großen Parteien schickten mit Gerd Dolle (CDU) und Michael Wilken (SPD) absolute Newcomer ins Rennen. Allerdings ist Dolle seit über 30 Jahren im Dorf verwurzelt, Wilken wohnt erst seit eineinhalb Jahren am Husalsberg. Ob das nun der Grund für das in seiner Deutlichkeit doch recht überraschende Wahlergebnis in Scherenbostel war, wo die CDU 51,8 Prozent der Stimmen holte und damit einen Zuwachs von mehr als 21 Prozent verzeichnen konnte und die SPD sich mit 42 Prozent begnügen musste, kann niemand endgültig beantworten. Doch rettete dies einigen CDU-Mitgliedern ganz offensichtlich den Abend. So klar wie in Scherenbostel sind die Mehrheiten für CDU-Ortsbürgermeisterkandidaten nur noch in Hellendorf, wo Hartmut Pflügers CDU 60,9 Prozent gegen 39,1 Prozent für die SPD einfuhr, und in Wennebostel. Hier hat die CDU mit 52,9 Prozent drei Sitze, die SPD bei 47,1 Prozent nur zwei. Damit dürfte Achim von Einem, der bisher stellvertretender Ortsbürgermeister war, und seinen Parteilosen-Status im Frühjahr zugunsten der CDU aufgegeben hatte, im November zum Ortsbürgermeister von Wennebostel gewählt werden. Klare Mehrheiten für die SPD gibt es in den Ortsräten Elze/Meitze und Resse. In Elze/Meitze entfielen auf die SPD und ihren Ortsbürgermeisterkandidaten Jürgen Benk 51,6 Prozent, auf die CDU 30,6 Prozent. Die SPD wird mit fünf, die CDU mit drei und die Grünen mit einem Mitglied im Ortsrat Wedemark II (Elze/Meitze) vertreten sein. In Resse hat die SPD ihren Vorsprung auf insgesamt 58,8 Prozent ausbauen können, auf die CDU entfielen 41,2 Prozent, andere Parteien sind nicht mehr im Ortsrat Resse. Jörg Woldenga bleibt also Ortsbürgermeister. In den übrigen Ortsräten wird es spannend: In Abbensen/Negenborn, Bissendorf und Mellendorf sind die Grünen das Zünglein an der Waage. In allen Ortsräten haben CDU und SPD gleich viele Mandate, die Grünen je eins. In allen drei Ortsräten haben allerdings die Ortsbürgermeisterkandidaten der CDU, Wolfgang Kasten, Susanne Brakelmann und Rudi Ringe, die meisten persönlichen Stimmen. Es war mal guter Brauch, diesen Bürgerwillen zu berücksichtigen, auch bei den Grünen. Allerdings werden die Verhandlungen der Fraktionen auf Gemeinderatsebene und in den Ortsräten ergeben müssen, ob letztlich der Bürgerwille zählt oder taktische Erwägungen die Oberhand gewinnen. Im Ortsrat Mellendorf hat die Situation aus Sicht der CDU noch ein ganz besonderes „Gschmäckle“: Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Ortsvereinsvorsitzende Caren Marks hatte sich für viele überraschend auf der Ortsratsliste aufstellen lassen und holte 1047 Stimmen, nur wenige Stimmen weniger als CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Rudi Ringe mit 1201 Stimmen. SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin Christa Goldau hingegen vereinigte nur 387 Stimmen auf sich. In der CDU ist man nun sehr gespannt, ob die vielbeschäftigte SPD-Bundestagsabgeordnete ihr Ortsratsmandat behält und wie sich das Mitglied der Grünen bei der Ortsbürgermeisterwahl entscheiden wird.
In Brelingen muss sich Christiana Böttcher (SPD) ihre Mehrheit bei Grünen und/oder WGW suchen. Da dieser Ortsrat aber nicht nur in der Verteilung der Sitze (drei SPD; zwei CDU, einer Grüne, einer WGW), sondern auch personell identisch geblieben ist, dürfte auch hier eine Wiederwahl Böttchers realistisch sein.
Im Ortsrat Wedemark III (Berkhof, Bennemühlen, Oegenbostel) hat die FDP ihren Sitz an die WGW verloren. Dirk Görries war vor fünf Jahren für die CDU in den Ortsrat gewählt worden, dann im Zuge der Unstimmigkeiten um die Ausweisung seiner Gewerbefläche in Plumhof aus der CDU ausgetreten und zunächst parteilos, dann für die WGW im Ortsrat gewesen. Jetzt sitzt er wieder für die WGW in dem Gremium und seine Stimme ist die entscheidende bei der Wahl des Ortsbürgermeisters. Auch hier hat CDU-Kandidat Sven Sobanski mit 406 Stimmen die meisten persönlichen Stimmen. Gegenkandidatin und amtierende Ortsbürgermeisterin Rosemarie Spindler erhielt 287 Stimmen. Die konstituierenden Sitzungen der Ortsräte versprechen also auf jeden Fall spannend zu werden. Das gilt auf jeden Fall auch für den ganz neuen Ortsrat in der Wedemark, Bissendorf-Wietze. Hier war die Wählergruppierung „Bürger für die Wietze“ mit zwölf Kandidaten angetreten, CDU und SPD mit jeweils vier Kandidaten. Bürger für Wietze vereinigten auf diese Weise 42,7 Prozent der Stimmen (1306 Stimmen) auf sich und errangen drei Sitze. Zwei Sitze gehen an die CDU mit 935 Stimmen und 30,6 Prozent. Einen Sitz bekommt die SPD mit 564 Stimmen und 18,4 Prozent und
einen Sitz die Grünen mit 252 Stimmen und 8,2 Prozent. Durch den besseren Listenplatz geht der Grünen-Sitz an Hermine Rüfer mit 31 Stimmen, obwohl Angela Klingrad mit 49 mehr Stimmen hat. Doch wer wird nun Ortsbürgermeister in Bissendorf-Wietze? Die BfW hatte ganz bewusst im Vorfeld keinen Ortsbürgermeisterkandidaten benannt und erkärt, sollte sie die Mehrheit bekommen, würde sie ihren Kanddiaten mit den meisten persönlichen Stimmen nominieren. Das wäre Bernd Schützendübel mit 162 Stimmen. CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Daniel Leide hat allerdings mit 249 mit Abstand die meisten persönlichen Stimmen auf sich vereinigen können. SPD-Ortsbürgermeisterkandidat Floran Beier hat 143 Stimmen erhalten. Würden sich CDU, SPD und Grüne im Ortsrat Bissendorf-Wietze zusammentun, hätten sie eine rechnerische Mehrheit und könnten theoretisch Daniel Leide zum Ortsbürgermeister wählen, obwohl die BfW die meisten Sitze hat! Dies dürfte eine der best besuchten konstituierenden Ortsratssitzungen werden.