Die Faszination von Rostbildern

Etwa 60 Gäste besuchten die Vernissage der Fotoausstellung von Heinz-Werner Reichenbach in der Pension Chez Meinen in Elze. Weitere Ausstellungen dort werden f0lgen, kündigte Fotograf Heinz-Werner Reichenbach an.
 
„Die Resonanz war sehr positiv, einige möchten meine Bilder in ihrer Wohnung aufhängen“, freute sich Heinz-Werner Reichenbach. Fotos: A. Mikonauschke

Elzer Fotograf überzeugt mit ungewöhnlichen Aufnahmen

Elze (awi). „Nicht gesucht, sondern gefunden“ hat Fotograf Heinz-Werner Reichenbach aus Elze den Rost auf Metallplatten, Türen und vielen anderen Objekten in der freien Natur. Und daher hat er diesen Titel auch für seine Ausstellung dieser ganz besonderen Aufnahmen gewählt, die er in der Pension Chez Meinen in Elze mit 60 Gästen eröffnete. Es ist nicht Reichenbachs erste Ausstellung, aber – so seine Vermutung – wahrscheinlich die erste Fotoausstellung in Elze, zumindest in der Pension Chez Meinen. Aber es soll nicht die letzte sein. Denn der Fundus von Fotos bei Heinz-Werner Reichenbach ist groß. Eigentlich sind die Rostfotos ein Nebenprodukt. Sein Herz gehört der Fotografie, bei der Menschen im Fokus seines Objkektivs stehen. Und zwar am liebsten Menschen von der Insel Kuba, dem Lieblingsurlaubsziel der Reichenbachs seit vielen Jahren. 72 Jahre alt ist Heinz-Werner Reichenbach, der auf dem Gut Hedwigsruh in Bennemühlen geboren wurde, auf dem seit vielen Generationen in der Familie geführten landwirtschaftlichen Betrieb in Elze aufwuchs, den er 1980 übernahm und gerade zu Monatsbeginn an seinen Sohn Till übergab. Der wird ihn allerdings genau wie bereits sein Vater im Nebenerwerb führen. Heinz-Werner Reichenbach hat Landwirtschaft gelernt und studiert und im Hauptberuf als landwirtschaftlicher Berater gearbeitet, zunächst bei der Genossenschaft, dann bei der Landwirtschaftskammer. Seine erste Kamera bekam er als 14-Jähriger und lernte bereits im Schullabor Filme selbst zu entwickeln und Fotos zu vergrößern. Als Motiv habe ihn früher vor allem die Architektur interessiert, erzählt er. Doch dann nahm er 2007 seine neue Digitalkamera von Panasonic, die FZ 50, mit in den Urlaub nach Kuba. „Und da ist mir aufgefallen, dass es mir besonders gut gelingt, Menschen zu fotografieren“, sagt Reichenbach ohne falsche Bescheidenheit. Die Fotos, die in diesem Urlaub von den Kubanern entstanden, präsentierte er zwei Jahre später bei einer Ausstellung in Santiago de Cuba. Zuvor aber ging er zu allen Menschen, die er fotografiert hatte, wieder hin und zeigte ihnen die Fotos. Weitere Fotoserien von Menschen auf Kuba entstanden und die nächsten Ausstellungen folgten. Bei einer Vernissage 2014 präsentierte er nicht nur 51 Originalfotos, sondern auch ein Video, das er mit Unterstützung von Dieter Hartmann aus Mellendorf und Werner Beinlich aus Negenborn von weiteren 200 Foto angefertigt hatte. „Mir war wichtig, die Fotos dort zu zeigen, wo sie entstanden sind“, erklärt Reichenbach. Zur Vernissage in Santiago de Cuba 2014 kamen 140 Gäste, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Die achte Ausstellung auf Kuba ist in Vorbereitung. „Die Menschen dort lassen sich gern fotografieren, sind ausgesprochen gastfreundlich. Und ich zeige meine Bilder gerne dort, wo sie entstanden sind“, so Reichenbach. Und daher entschied er sich, für die erste Fotoausstellung in seinem Wohnort Elze die Rostbilder zu zeigen. „Mein erstes Rostmotiv entdeckte ich auf einer Brandschutztür eines Pavillons. Die Bilder, die entstanden, wenn man nah genug rangeht, waren äußerst interessant. Da habe ich weiterhin Rost gefunden, nicht gesucht. Ich bin ohnehin der Meinung, das Wichtigste an der Kamera ist das Zoom“, verrät Heinz-Werner Reichenbach. Das Zoom bedient er grundsätzlich per Hand, bei der Belichtung verlässt er sich in der Regel auf die ausgeklügelte Automatik seiner Kamera.
Und Martin Schröder schloss seine Einführungsrede bei der Vernissage mit den Worten: „Heinz-Werner Reichenbach geht mit stets offenen Augen suchend durch die Welt und darum möchte ich mit Robert Walser schließen, vom dem der wunderbare Satz stammt: In starkem Grad besitzt einer nur, was ihm fehlt, da er’s suchen muss. Im Suchen lebt er. Alle suchen etwas.“