Die Not geht auch an der Wedemark nicht vorbei

Editha Lorberg und Sieglinde Lemke präsentieren beispielhaft den Inhalt einer Tüte, wie sie am Freitagnachmittag von der Tafel ausgegeben wurde. Foto: A. Wiese

Eindrucksvolle Erfahrungen für Editha Lorberg bei der Tafel

Wennebostel (awi). Zwei Stunden lang half die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg am Freitagnachmittag bei der Wedemärker Ausgabe der Langenhagener Tafel mit, der einzigen privaten Ausgabe in der Region. Nach diesen zwei Stunden war sie beeindruckt von dem, was sie erlebt hatte und von dem was die ehrenamtlichen Helfer leisten, aber auch nachdenklich. Die Not macht auch vor der eigentlich gut situierten Wedemark nicht Halt, hat sie in der Praxis erfahren, was ihr theoretisch natürlich bewusst war. 77 kleine Tüten und acht Familientüten gibt Sieglinde Lemke in ihrem Haus an der Lindenstraße jeden Freitagnachmittag aus. Den Inhalt der Tüten haben ehrenamtliche Helfer zuvor in Supermärkten in Langenhagen und der Wedemark eingesammelt, bei der Langenhagener Tafel sortiert und gepackt und dann nach Wennebostel gefahren. Hier kommen dann die Wedemärker hin, deren Bedürftigkeit von der Kirchengemeinde Bissendorf offiziell festgestellt worden ist. Dieser Schritt ist unvermeidbar. Aber die Abholung ihrer Tüten bei Sieglinde Lemke ist wesentlich nichtöffentlicher als bei den öffentlichen Ausgabestellen in anderen Gemeinden. Und das ist wichtig für die Menschen, hat Editha Lorberg an diesem Nachmittag wieder gemerkt. Sie hatte zum einen selbst mitanfassen wollen, zum anderen wissen wollen, wie die Ausgabe in der Praxis funktioniert. Dass sie dabei auch mit den Abholern ins Gespräch kam, war selbstverständlich. „Ich habe festgestellt, dass die Reaktionen ganz unterschiedlich sind. Manche sind einfach nur zutiefst dankbar, andere auch kritisch, was zum Beispiel den Inhalt der Tüten betrifft". Auf diesen haben die Ausgabestellen selbst keinen Einfluss mehr. Aber natürlich ist es möglich, dass die Tüten geöffnet und die Dinge aussortiert werden, die ohnehin nicht gegessen würden, zum Beispiel Schweinefleisch bei Muslimen. „Das geben wir dann jemand anderem mit, der sich darüber freut", erklärt Sieglinde Lemke, die auch die übrig gebliebenen Tüten am Ende der Ausgabezeit verteilt. Aber wer zweimal unentschuldigt nicht kommt, wird von der Liste gestrichen. "Wir können es uns nicht leisten, Lebensmittel verderben zu lassen, weil sie nicht abgeholt werden", erklärt Lemke. Sie hat die Wedemärker Ausgabe der Langenhagener Tafel vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Auslöser waren 80 Kilogramm Honig, die sie nach dem Tod ihres Mannes über hatte und über die Langenhagener Tafel an Bedürftigte weitergab. Als Mitglied des Kirchenvorstandes sprach sie in Bissendorf das Thema Tafel für die Wedemark an und bot schließlich ihr eigenes Haus als Ausgabestelle an. Heute hat sie „Stammkunden", die schon zehn Jahren lang kommen, aber es gibt auch welche, die die Tafel nur wenige Male in Anspruch nehmen. „Schämen muss sich niemand", betont Sieglinde Lemke ebenso wie Editha Lorberg ausdrücklich. Die Lebensmittel, die ausgegeben sind im Handel nicht mehr verkäuflich, obwohl sie selbstverständlich noch völlig in Ordnung sind, und würden weggeworfen. Auf diese Weise erhalten Bedürftige Unterstützung und wenn sie vom Inhalt der Tüten auch nicht leben können, bekommen sie doch Dinge wie frisches Obst oder mal einen Pudding, die sie sich von ihrem knappen Budget sonst nicht kaufen würden. "Und vielleicht haben sie auf diese Weise mal den einen oder anderen Euro für etwas Schönes übrig", hofft Editha Lorberg. Sie verteilte am Freitagnachmittag fleißig fertig gepackte Tüten und zusätzliches frisches Obst und Gemüse aus den Kisten, die am Freitag von den Märkten noch kurzfristig zur Verfügung gestellt wurden. Keine Tüte ist übrigens gleich gepackt. In eine Beispieltüte haben wir fürs Foto mal reingeschaut: Da gab es zwei Überraschungseier und Bananen, Cocktailtomaten, Zaziki, Aufschnitt, Rote Grütze und Vanillesauce, Brot und Brötchen, Salat, Zitronen und Orangen. Zusätzlich konnte Editha Lorberg Ananas und Staudensellerie, Trauben und Blumenkohl verteilen. „Die Tafel ist eine tolle Sache", stellte sie nach den zwei Stunden, die wie im Flug vergangen waren, fest und vergaß auch nicht, den Geschäftsleuten und Verantwortlichen zu danken, die mit ihren Lebensmittelspenden diese Unterstützung für Bedürftige ermöglichen.