„Die Reichen müssen wir nicht fördern“

Die Experten haben sich zum Gedankenaustausch über das Thema „Wohnen in der Wedemark" im ABZ Mellendorf zusammen gesetzt. Foto: B. Stache

Experten bereichern Gesprächsrunde zum Wohnen in der Wedemark

Mellendorf (st). Zu einem Gedankenaustausch über das Thema „Wohnen in der Wedemark" hatte Helge Zychlinski am Donnerstag Experten aus der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie Politiker eingeladen. Im Bildungs- und Tagungszentrum der Bauwirtschaft ABZ Mellendorf begrüßte er unter anderem den ehemaligen Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau Karl Ravens, MdL Marco Brunotte, Karl Heinz Range von der KSG Hannover GmbH, Karl-Josef Conrads (IMMO-FINANZ-CENTER) sowie den Architekten Joachim Cordes. Diskussionsleiter Helge Zychlinski stellte zunächst sein Positionspapier „Wohnen in der Wedemark" vor. Mit ihren Statements lieferten anschließend die Gesprächsteilnehmer vielfache Anregungen zu dem umfangreichen Themenkomplex. Der Landtagsabgeordnete Marco Brunotte beschrieb den veränderten Wohnungsbedarf in Verbindung mit dem demografischen Wandel, einer immer älter werdenden Bevölkerung – auch in der Wedemark. Er verwies dabei auf die Aktion der Niedersächsischen Landesregierung „Pflege im Quartier“. Karl Heinz Range stellte verschiedene Wohnformen vor. Auf die Frage des Diskussionsleiters Helge Zychlinski, was die Wohnungswirtschaft benötige, antwortete Range: „Die kommunale Wohnungswirtschaft braucht vor allem eines, Geld, um den Anforderungen eines zeitgemäßen öffentlichen Wohnungsbaus gerecht zu werden.“ Karl-Josef Conrads sprach von einer hervorragenden Infrastruktur, die die Gemeinde Wedemark biete und führte weiter aus: „Es ist Geld da in der Wedemark. Hier gibt es Potential, die Interessen von Menschen und Finanzpartnern zu bündeln.“ Bundesminister a.D. Karl Ravens schlug eine Gemeindeentwicklungsgesellschaft vor: „Damit habe ich schon einmal gute Erfahrungen gemacht. Eine solche Gesellschaftsform kann dann auch Impulse geben für Pflegedienste.“ Für den Architekten Cordes fehlt es vor allem an Grundstücken: „Wir haben genügend Leute, die bauen wollen. Die passenden Grundstück haben wir aber nicht.“ Er habe gute Erfahrungen mit der sogenannten Hinterhofbebauung gemacht und forderte: „Wir sollten auch das Kleine fördern.“ Sein genereller Tipp: Die Gemeinden könnten auch einmal ihre häufig veralteten Bebauungspläne überarbeiten. Karl Heinz Range unterbreitete der Gemeinde Wedemark den Vorschlag, ein Wohnraumversorgungskonzept zu erstellen: „Sie sollten sich auf den Teil der Bevölkerung fokussieren, der bezahlbaren Wohnraum benötigt. Die Reichen müssen wir nicht fördern, die schaffen sich ihr Angebot selbst.“ Helge Zychlinski nahm die zahlreichen Anregungen auf und dankte allen, die mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen die Gesprächsrunde bereichert haben.