Dieser Treueschwur hält bereits 60 Jahre

Gleich drei Urkunden hatte Bürgermeister Helge Zychlinski im Gepäck, als er am Montagmorgen Renate und Hans Thiele aus Elze zur diamantenen Hochzeit gratulierte. Im Hintergrund lauschten die anderen Gratulanten vom Ortsbürgermeister über den Kirchenvorstand bis zur Feuerwehr den Worten des Bürgermeisters. Foto: A. Wiese
 
Hochzeitsbild von Renate und Hans Thiele vom 10. August 1958.

Renate und Hans Thiele aus Elze feiern das Fest der diamantenen Hochzeit

Elze (awi). Gemeinsame Interessen im Beruf wie im Privatleben, Hobbys wie Radtouren und Holzarbeiten für den Hobbykreis, die Familie und ihr gemütliches Zuhause – all das verbindet Renate (79) und Hans (84) Thiele aus Elze seit 60 Jahren. Zum Fest der diamantenen Hochzeit gratulierten am Montag nicht nur die Familie und die Vertreter der zahlreichen Vereine, in denen das Ehepaar engagiert war und ist, sondern auch Bürgermeister Helge
Zychlinski. Er brachte gleich drei Urkunden mit: von der Gemeinde, vom Regionspräsidenten Hauke Ja-gau und vom Innenminister Boris Pistorius. Das Wohnzimmer in der gemütlichen Wohnung in Elze glich ohnehin schon einem Blumenmeer, da war der Präsentkorb, den Zych-linski überreichte, genau das richtige Geschenk. Renate und Hans Thiele hatten sich den Tag der standesamtlichen Trauung am 6. August 1958 als Stichtag ausgesucht, denn kirchlich hatten sie erst vier Tage später geheiratet. „Mit einer schwarzen Kutsche mit Schimmeln davor sind wir durch Hannover gefahren“, berichtet Renate Thiele stolz. Geboren in Höxter, wo sie ihren Mann 1957 kennenlernte, folgte sie ihm in seine Heimatstadt Hannover, wo das junge Paar den Tante-Emma-Laden seiner Eltern in Döhren übernahm. Als Sohn eines Kaufmanns hatte Hans Thiele nach der mittleren Reife eine Lehre als Einzelhandelskaufmann von 1948 bis 1951 in Osterwald absolviert, später sammelte er Berufserfahrung in Hannover in verschiedenen Geschäften, 1957 riet man ihm, einmal über den Tellerrand zu gucken und so ging er für eine Weile in ein Geschäft nach Höxter. Schicksal, denn genau hier lernte er seine spätere Frau Renate kennen. Die gebürtige Breslauerin lebte seit Februar 1945 in der niedersächsischen Kleinstadt. Mit der Mutter und der jüngeren Schwester war sie im Januar 1945 zu Fuß und im offenen Güterwagen aus Schlesien geflohen. Der Vater war in Russland. Die Flüchtlinge strandeten zunächst in Dresden und blieben dort für ein paar Wochen. In der Nacht des großen Bombenangriffs in Dresden nahmen sie zwei Stunden vor der Bombenexplosion den Zug nach Höxter, keine Minute zu spät. Hierher kam später auch der Vater und Renate ging zur Schule und arbeitete später im Lebensmitteleinzelhandel. Von ihrer Filiale wurde sie am Rosenmontag 1957 ins Hauptgeschäft geschickt, wo sie Hans Thiele das erste Mal sah. „Er schrieb Angebote mit Kreide auf die Scheibe“, weiß Renate Thiele noch heute. Zu gerne wollte die damals 17-Jährige der Einladung einer Kollegin zum Rosenmontagsball am Abend folgen. Doch die Eltern erlaubten es nicht. Renate jedoch bat und bettelte solange, bis die Eltern schließlich mit ihr dort hingingen. Es dauerte nicht lange, bis Hans Thiele sie zum Tanz holte und seine Renate danach nicht wieder aus den Armen ließ. Die vier Wochen, bis er zurück nach Hannover musste, verbrachten sie jede Mittagspause miteinander, später gingen Liebesbriefe zwischen Hannover und Höxter hin und her und mit dem Motorroller machte er sich an den Wochenenden auf den Weg von Hannover nach Höxter, wo ihm Renates Eltern aber nur ein Plätzchen auf der Wohnzimmercouch gewährten. Im März 1958 verlobte sich das junge Paar, im August wurde geheiratet, denn beide wollten das Geschäft seiner Eltern in Döhren übernehmen. 1959 komplettierte Tochter Sabine die kleine Familie. 1970 gaben sie das Geschäft auf und Hans Thiele wechselte zunächst zu Harry-Brot, dann als Bezirksleiter zur Firma Nur Die, wo auch seine Frau einen Job bekam. Nach einem leichten Schlaganfall 1994 setzte sich Hans Thiele mit 63 Jahren zur verdienten Ruhe und auch seine Frau schied aus dem aktiven Arbeitsleben aus.
Bis 1980 wohnte das Paar in Laatzen, dann sahen sie sich in der Wedemark nach einem passenden Haus um. Hier hatten sie nämlich schon seit 1973 ein kleines Wochenendhaus in Hohenheide und hier gefiel es ihnen. In Elze wurden sie fündig und heimisch. Als das Haus an der Alten Trift nach 20 Jahren zu groß und arbeitsaufwendig für die beiden wurde, verkauften sie es und bauten sich auf dem selben Grundstück ein kleineres Haus. Vor acht Jahren entschieden sie sich noch einmal zum Umzug vom Haus in eine Mietwohnung nur wenige Häuser weiter. Hier haben sie jetzt nur noch eine große Terrasse, um die sie sich kümmern müssen und Renate Thiele ist stolz darauf, ihren kompletten Haushalt völlig autark im Griff zu haben. Sie bekocht ihren Mann, fährt mittlerweile das Auto und sie ist auch darüberhinaus sehr aktiv: Mehr als zehn Jahre lang waren beide im Hobbykreis engagiert. Hans Thiele hatte sich als Rentner dem Hobby Holzarbeiten zugewandt, beide waren auf Weihnachtsmärkten und Ausstellungen unterwegs, um seine Osterhasen, Weihnachtsmänner und Holztiere für den Garten an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch mit dem Umzug ins kleinere Haus war der Platz für die Werkstatt nicht mehr da. Heute hat Renate Thiele noch ihr DRK und den Blutspendedienst, den Frauentreff, die LandFrauen, das Mittwochscafé der Kirche, für das sie backt. Beide sind im Schützenverein, er auch Mitglied der Feuerwehr. Es ist also immer was los. Nach der eigenen Feier steht am 31. August die Hochzeit des Enkels an, auf die sich beide schon sehr freuen. Sie erzählen noch von den Pudeln, die sie früher hatten, und den ausgedehnten Fahrradtouren, die sie unternommen haben, richtige Reisen mit Gepäck: ins Ammerland, rund um den Bodensee und von Passau nach Wien. Es gibt viele Erinnerungen, von denen sie zehren und erzählen. Mit der Diamantenen Hochzeit ist eine weitere dazugekommen.