Dieses Duell gab es 2006 schon mal

CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Rudi Ringe bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen außer der Politik: dem Kochen. Foto: A. Wiese
 
SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin Christa Goldau bei den Vorbereitungen für das Gartenfest der Kinderküche am Haus am Teich. Foto: A. Wiese

Christa Goldau (SPD) rechnet sich bessere Chancen gegen Rudi Ringe (CDU) aus

Mellendorf/Gailhof (awi). Bereits vor fünf Jahren sind im Ortratsbereich Wedemark IV, der Mellendorf und Gailhof umfasst, Rudi Ringe für die CDU und Christa Goldau für die SPD gegeneinander angetreten. Damals hatte der CDU-Kandidat, der bereits von 1996 bis 2001 einmal Ortsbürgermeister war, das Rennen gemacht. Seine Gegenkandidatin Christa Goldau von der SPD ist seitdem stellvertretende Ortsbürgermeisterin. Diesmal ist sie zuversichtlich, dass die Wahl anders ausgeht: „Die Vorzeichen sind ganz anders. Die SPD hat für Mellendorf mit dem Bau des Rathauses und des Schulzentrums viel getan. Das honorieren die Bürger. Und ich bin durch mein Amt als stellvertretende Ortsbürgermeisterin auch viel bekannter. Herr Ringe hat mich oft losgeschickt, um Termine zu übernehmen.“
In vielen Vereinen aktiv
An Bekanntheitsgrad dürfte es dem amtierenden Ortsbürgermeis-ter Rudi Ringe (62) jedoch auch nicht mangeln. Seit 1996 ist er Ortsratsmitglied, insgesamt zehn Jahre Ortsbürgermeister, Mitglied des Gemeinderates seit 2001 und in der zu Ende gehenden Periode Ratsvorsitzender. Er ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Mellendorf-Gailhof, stellvertretender Vorsitzender des MTV Mellendorf und war sechs Jahre lang Vorsitzender des Schützenvereins Mellendorf. Er ist Vorstandsmitglied im Bürger- und Verschönerungsverein Mellendorf, förderndes Mitglied bei der Feuerwehr und gehört außerdem dem Männergesangverein und der Soldatenkameradschaft an. Doch für die Politik und für die CDU hat er sich immer ganz besonders engagiert. Und das werde sich jetzt, wo er sich beruflich als Bauingenieur und Betriebsleiter der Abwasserbeseitigung auf der Kläranlage Bissendorf vorgezogen zur Ruhe gesetzt hat, ganz bestimmt nicht ändern, schmunzelt Ringe. Seit 1981 lebt er in der Wedemark, die ersten zwei Jahre in Bissendorf, seit 1983 im Anemonenweg in Mellendorf. Seine Frau Lore lernte Ringe 1981 im Bauamt kennen, als er selbst noch in der Verwaltung tätig war. Geheiratet wurde 1984, Tochter Philine kam am 1. Januar 1986 zur Welt. Seine beiden älteren Kinder haben Rudi Ringe mittlerweile schon zum Großvater gemacht. Livia und Rasmus halten ihren Opa ganz schön auf Trab. 1990 trat Ringe in die CDU ein, Willi Stratmann hatte ihn angesprochen. Fünf Jahre später organisierte er gemeinsam mit dem Ortsrat das große Sommerfest beim R-Kauf mit einem Riesenerfolg und großem Überschuss und machte auf diese Weise Karl-Heinz Gottschalk auf der Suche nach einem Ortsbürgermeis-terkandidaten für die CDU auf sich aufmerksam. Um es abzukürzen: Ringe kam, sah und siegte. Er kandidierte erstmals für den Ortsrat, war Spitzenkandidat, wurde gewählt und Ortsbürgermeister. In der darauffolgenden Periode hatte die SPD die Nase im Ortsrat Wedemark IV vorn, seit 2006 war die Mehrheit wieder bei der CDU. „Wir haben viel für Mellendorf erreicht, insbesondere für die Vereine“, berichtet Rudi Ringe. Besonders wichtig sind ihm und seinen Mitstreitern von der CDU eine aktive Dorfgemeinschaft, die weitere Verbesserung der Betreuungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, die Unterstützung der Vereine, der Bau einer Sporthalle, preisgüns-tiges Bauland für Familen, seniorengerechte Infrastrukturmaßnahmen, weitere Park + Ride-Plätze am Bahnhof und die Reparatur von Gemeindestraßen. Und diese Reihe könnte Ringe noch um einiges erweitern. Seine Lieblings-Hobbys neben
Familie und Vereinen: Das Kochen und das Essen. Er ist ein begeisterter Hobbykoch. Die Grundlagen dafür wurden schon in der Kindheit gelegt: „Bereits als Achtjähriger hat meine Mutter mich den Biskuitboden backen lassen, weil ich das besser konnte als sie. Ihre Spezialität war Hefeteig.“ Als Ruheständler hat er jetzt für seine Frau mittags das Essen fertig, wenn sie von der Arbeit kommt. Seine Lieblingsküche ist die mediterrane. Beim CDU-Ball sind die als Preise ausgesetzten Essen bei Rudi Ringe immer besonders begehrt! Ringes politische Philosophie: Verlässlich sein und auf keinen Fall nachtragend. „Ein Streit kann auch mal lauter ausgetragen werden, aber dann muss man ihn auch wieder vergessen!“
Das Kochen ist auch das Steckenpferd von Ringes Herausforderin Christa Goldau (63), die ebenfalls mittlerweile als Geschäftsführerin eines Betreuungsvereins im Ruhestand ist und sich daher noch mehr in der Politik engagieren möchte. Zurzeit nutzt sie die gewonnene Freizeit, um im Haus am Teich Deutschkurse für Migranten zu geben und einmal im Monat die Kinderküche anzubieten. Auftakt für diese ehrenamtlichen Aktivitäten war im Februar 2010 eine Anfrage, ob sie Förderunterricht in der Hauptschule geben könnte. Das habe ihr viel Spaß gemacht, berichtet Christa Goldau, und als sich dann die Möglichkeit bot, Deutschkurse für Migranten zu geben, habe sie dies gerne getan. Die Kinderküche hingegen hatte als Ferienaktion begonnen, doch alle Beteiligten hatten so viel Freude daran, dass die Aktion jetzt einmal im Monat mit acht Kindern zwischen fünf und elf Jahren läuft. Heute feiert die Kinderküche ihr großes Gartenfest, bei dem es unter anderem Quarkspeise mit gerösteten Marshmallows und Froschbowle gibt. Auch Ostereierkurse habe sie schon gegeben, fügt Christa Goldau hinzu. Was die Politik betrifft, legt sie Wert darauf, „dass wir von der SPD ein Team sind“. Nicht Christa Goldau entscheide, sondern alle gemeinsam. Die SPD-Abteilung habe als wichtige Punkte für ihr Wahlprogramm beispielsweise formuliert, dass das Bauland an der Stargarder Straße und an der Hermann-Löns-Straße so schnell wie möglich Baureife erlangen müsse, um Senioren und jungen Familien Angebote in Mellendorf unterbreiten zu können.
Gehweg für Neubaugebiet
Seniorengerechte Wohnungen plane die SPD an der Stargarder Straße. Es sei sehr wichtig, im Alter lange selbstbestimmt wohnen zu können, betont Goldau. „Und für das Neubaugebiet auf dem Sportplatz brauchen wir unbedingt einen Fußweg an der Hermann-Löns-Straße. Die Kinder müssen sicher zur Schule kommen!“ Genauso wichtig sei eine Ampel in Höhe Hartmannshof, damit die L 190 gefahrlos überquert werden könne. Am Bahnhof Mellendorf möchte die SPD zusätzliche Stellplätze für Autos und Fahrräder schaffen und das Haus am Teich soll als Anlaufpunkt für alle Generationen um- und ausgebaut werden. Wichtig ist ihr auch, dass die
Bücherei in Mellendorf da ist, wo das Schulzentrum ist, wo genau, müsse man sehen, wenn der Umzug abgeschlossen sein. Christa Goldau ist in Thüringen geboren, kam 1959 nach Stöcken und später durch ihre Heirat nach Gemünden bei Marburg. 1978 zog die Mutter zweier Söhne nach Mellendorf, Am Sande, wo sie heute noch lebt. Bereits 1983 trat sie in die SPD ein, kandidierte aber erst 2006 zum ersten Mal für Orts- und Gemeinderat. Bei der Kommunalwahl am 11. September tritt sie nicht nur für diese beiden Gremien, sondern auch als Kandidatin für die Regionsversammlung an. „Ich bin seit eineinhalb Jahren in Altersteilzeit und ich bin nicht eine, die zu Hause sitzt“, erklärt sie energisch. Und zur Großmutter haben ihre beiden erwachsenen Söhne die kinderliebe Pädagogin auch noch nicht gemacht. Neben Politik und ehrenamtlichem Engagement im Haus am Teich liest Christa Goldau gerne und „outet“ sich als „Geschichtsfanatikerin“ mit einem besonderen Fable für griechische Mythologie. An der Volkshochschule hat sie auch schon ein Seminar über griechische Philosophie belegt und sich im vergangenen Jahr zwei Semester für ein Seniorenstudium an der Uni eingetragen, verrät die agile SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin, die sich schon darauf freut, in ihrem neuen Amt im Falle einer Wahl bei den zahlreichen Repräsentationsaufgaben noch mehr mit den Menschen in Gailhof und Mellendorf zu tun zu haben.