Differenzen um Grüngutsammelstelle

Hätten sich den Standort am Moorheestern als Grüngutsammelplatz gewünscht: Till Reichenbach (von links, Alexandra Backhaus und Frank Riebesehl von der CDU-Fraktion sowie Jost und Jörg Hemme. Foto: CDU Elze

CDU hat kein Verständnis für Entscheidung von SPD und Grünen

Elze (awi). In Elze brodelt die Diskussion um eine neue Grüngutsammelstelle im Ort. Ein Standort, den die CDU-Ortsratsfraktion gut fande, haben SPD und Grüne mit ihrer Mehrheit abgelehnt und sind damit dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung gefolgt, die die Fläche des Landwirts Hemme am Ende der Straße Moorheestern nach Auskunft von Bürgermeister Helge Zychlinski als „planungsrechtlich nicht genehmigungsfähig“ eingestuft hat.
„Nachdem Familie Willers im Frühjahr den Betrieb der Grüngut-Sammelstelle im Ort nach vielen Jahren aufgegeben hat, warten viele Elzer sowie Bürger der umliegenden Ortschaften dringend auf Ersatz. Die Hoffnung, dass der Landwirt Jörg Hemme in Elze eine neue Grüngut-Sammelstelle betreiben wird, ist jedoch geplatzt“, schreibt Till Reichenbach für die CDU-Ortsratsfraktion Elze/Meitze in einer Pressemitteilung.
Zuwegung problematisch
Der Ortsrat Elze/Meitze habe sich in einer internen Sitzung mit dem Bauantrag und einer von der Gemeindeverwaltung erstellten Bewertung befasst. Mit knapper Mehrheit von SPD und Grünen sei das Vorhaben durch den Ortsrat abgelehnt und damit der Bewertung der Gemeindeverwaltung gefolgt worden. Die CDU-Fraktion im Ortsrat bedauert diese Entscheidung außerordentlich. Die CDU-Vertreter hätten sich gewünscht, dass der Ortsrat gemeinsam mit allen Beteiligten versucht hätte, Lösungen für die Umsetzung einer Grüngut-Sammelstelle im Moorheestern zu erörtern.
Zwar sei die Zuwegung zu einer Grüngut-Sammelstelle auf der beantragten Fläche durch die verminderte Straßenbreite im Außenbereich von Elze sicherlich nicht unproblematisch. Überlegungen, für die Öffnungszeiten der Grüngut-Sammelstelle einen Einbahnverkehr einzurichten, der eine Anlieferung über die Straße „Moorheestern“ und die Rückfahrt über den Realverbandsweg an der Beeke entlang auf die Plumhofer Straße vorsieht, wurden von der politischen Mehrheit jedoch nicht als Option gewertet“, beklagt sich Reicenbach. Dabei wäre dadurch der Verkehr durch die Straße „Moorheestern“ um 50 Prozent verringert worden. Die Straße Zum Hellbruch sei gar nicht als Zuwegung zur Grüngut-Sammelstelle vorgesehen gewesen. Die wöchentliche Öffnungszeit der Grüngut-Sammelstelle hätte nur fünf Stunden betragen. Dennoch würden Ängs-te geschürt, dass Autos im Zwei-Minuten-Takt durch die Straßen rollen würden. Ob die Lösungsvorschläge der CDU-Fraktion umzusetzen wären, werde durch den Mehrheitsbeschluss im Ortsrat nicht mehr geprüft. Damit habe sich für Landwirt Jörg Hemme das Anliegen, eine Grüngut-Sammelstelle in Elze zu betreiben, erledigt. Andere Eigentumsflächen, die er in seine Überlegungen einbezogen hatte, mussten aus verschiedenen Gründen verworfen werden. So ist eine Zuwegung zu einer Grüngut-Sammelstelle nicht über eine Kreisstraße möglich und auch nicht im Wasserschutzgebiet Zone 2 zulässig. Andere Interessenten eine Grüngut-Sammelstelle zu betreiben, gibt es unter den Elzer Landwirten nach Wissen der örtlichen CDU nicht. Über Facebook habe SPD-Ortsratsmitglied Walter Zychlinski jedoch den Maschinenring aufgerufen, geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende und Ortsbürgermeisterkandidat Frank Riebesehl bittet alle Elzer, ihr Grüngut auf den Annahmestellen in Mellendorf und Brelingen oder in Bissendorf und Abbensen zu entsorgen. Die Annahmestellen dort haben mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonanbends von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Es sei erschreckend zu beobachten, dass seit der Schließung der Grüngut-Sammelstelle vermehrt an vielen Stellen in der Elzer Feldmark und im Wald Grüngut und weiterer Müll illegal entsorgt werde, so die CDU Elze/Meitze.
SPD ist erleichtert
Walter Zychlinski von der SPD bewertet die Ablehnung des Standorts am Moorheestern allerdings ganz anders. Es sei für alle Betroffenen sehr erfreulich, dass dieser ungeeignete Standort für die Grünmüllsammelstelle kein Thema mehr sei und es weitere Optionen gbe, die derzeit geprüft würden. Somit sei der von ihm vorgeschlagene „Runde Tisch“ für eine Lösung im Interessenausgleich zunächst zurückgestellt worden.
Als Gründe für die Ablehnung des Standortes nennt Walter Zychlinski unter anderem den Erhalt der Wohnqualität für die Elzerim Moorhestern und dem angrenzenden Wohnquartier, den Schutz der vielen Vorschulkinder in der Spielstraße „Zum Hellbruch“ und den Naherholungswert an der Großen Beeke. Ziel müsse es sein, einen geeigneten Standort für eine Grüngutsammelstelle zu finden.
Wäre die Straße Moorheestern eine Durchfahrtsstraße, könnte man mehr Durchfahrten möglicherweise akzeptieren. Allerdings handelt es sich um eine dicht bebaute Wohnstraße mit etwa 30 Häusern und Bebauung auf beiden Seiten, die ein ganzes Wohnquartier erschließe. Der starke Grüngutverkehr stört hier die Wohnqualität erheblich.
Alle zwei Minuten eine Anfahrt
Aha gebe 7.000 bis 8.600 Anlieferfahrten pro Jahr an und während der Öffnungszeiten alle zwei Minuten eine Anfahrt. Auch wäre hier wegen parkender Fahrzeuge mit Zufahrts-engpässen zu rechnen gewesen. Bei der Straße „Zum Hellbruch“ handele es sich sogar um eine verkehrsberuhigte „Spielstraße“. Die Verlängerung des Moorhestern besitze einen erheblichen Naherholungswert für die Elzer. Sie führe zu einer Ruhebank am Stukenberg und an der Beeke-Brücke und an der Großen Beeke entlang. Der Stukenberg selbst ist zu einem Abenteuerspielplatz für Kinder und Ziel für KiTa-Gruppen geworden geworden. Der Weg stelle außerdem eine Alltags-Route im Radwegenetz der Gemeinde Wedemark in Richtung Mellendorf, Bissendorf und zurück dar. Viele Freizeitfahrten gehen hier entlang. Ein Anwohner des Moorhestern zählte 76 Radfahrer in einer Stunde während einer geplanten Anlieferzeit. Da zusätzliche Fahrten außerhalb der Öffnungszeiten zu den Wertstoffsbehältern hinzugekommen wären, bestünde außerdem die Gefahr, dass der angrenzende Stukenberg zur schwarzen Deponie werde. Insgesamt hätte auch mit einem hohen Verschmutzungsgrad der Fahrrad- und Spazierstrecke gerechnet werden müssen, meint Zychlinski, der weiß, „dass mit guter Aussicht an einer allgemein akzeptablen Lösung gearbeitet wird“.
Christine Heins vom Maschinenring Hannover-Land erklärte auf Anfrage: „Um eine Annahmestelle einrichten zu können, bedarf es der Erfüllung mehrerer Kriterien. Zum einen muss ein Landwirt gefunden werden, der grundsätzlich bereit ist eine Annahmestelle zu betreiben und der sie in seinen Betriebsablauf integrieren kann. Zum anderen muss er über ausreichend landwirtschaftliche Flächen verfügen, um das Material ausschließlich im eigenen Betrieb verwerten zu können. Des Weiteren darf der Platz nicht in einem Landschafts- oder Naturschutzgebiet liegen. Die Lage mitten im Dorf, nahe an Wohngebieten, oder an nicht geschwindigkeitsbeschränkten Landes- oder Kreisstraßen ist ebenfalls keine Option.
Genehmigung braucht Zeit
Auch eine genehmigte Zuwegung zur Annahmestelle mit Möglichkeit zum Begegnungsverkehr muss gegeben sein oder eingerichtet werden können. Es wird ersichtlich, dass einige Kriterien erfüllt sein müssen, um eine Annahmestelle einrichten zu können. Seit über einem Jahr sind wir als Maschinenring aktiv auf der Suche und haben bereits viele Landwirte angesprochen sowie Standorte geprüft. Der Genehmigungsprozess benötigt ebenfalls Zeit, sodass wir davon ausgehen müssen, dass die Elzer nun noch einige Monate auf die anderen Annahmestellen ausweichen müssen. Da es in unserem Interesse liegt, den Elzern auch zukünftig die Möglichkeit der Grüngutanlieferung ortsnah zu bieten, sind wir für weitere konstruktive Vorschläge dankbar und weiterhin sehr aktiv bei der Suche nach Lösungsansätzen.