Digitale Orgel als Geburtstagsgeschenk

Organist Erich Tyburski und Pastor Thorsten Buck (im Hintergrund) freuen sich über die neue Orgel für die Christoophorus-Kirche.
 
Die John-Apple-Tree-Band mit Pastor Thorsten Buck als Verstärkung.
 
Organist Erich Tyburski neben der neuen Orgel vom Kirchenraum aus gesehen.

Beim Festgottesdienst in Christophorus das Geheimnis gelüftet

Bissendorf-Wietze (awi). Die Christophorus-Kirche in Bissendorf-Wietze hat am Sonnabend ihren 50. Geburtstag mit einem großen Festgottesdienst gefeiert, bei dem Superintendent Holger Grünjes die Predigt hielt und das Geheimnis um das ganz besondere Geschenk gelüftet wurde, das die Kirchengemeinde von der Anja-Fichte-Stiftung erhalten hat: eine digitale Kirchenorgel. Pastor Thorsten Buck berichtete: "Bei der Glockeneinweihung fragte mich Frau Fichte nach unserem nächsten Projekt. Ich erzählte ihr, dass wir dringend eine neue Orgel brauchen, für die wir die nächsten zwei bis drei Jahre Spenden sammeln wollen. Da sagte sie: ,Warum fragen Sie nicht uns? Weihnachten haben Sie eine neue Orgel.' Und so weihen wir diese heute ein. Sie hat zwischen 12.000 und 13.000 Euro gekostet und so ein wertvolles Geschenk hatten wir niemals erwartet, nachdem sich die Anja-Fichte-Stiftung bereits beim Glockenturm und der Glocke so großzügig eingebracht hat." Er bedankte sich bei "Kopf und Herz der Stiftung" ganz herzlich.
Die Beschaffung der digitalen Orgel ging auch deswegen so rasch, weil die Stiftung bereits entsprechende Kontakte hat. Sie hat nämlich vor nicht allzu langer Zeit, auch die Orgel für die Friedhofskapelle in Bissendorf gestiftet. In Bissendorf-Wietze musste es allerdings wegen der geringen Deckenhöhe ein kleineres Modell sein. Pastor Thorsten Buck und Organist Erich Tyburski sind begeistert von der neuen Orgel und ihrem Klang. "Bei der alten Orgel störte unter anderem jedes Handy, das jemand in der Kirche wenn auch ausgeschaltet in der Tasche hatte. Das ist jetzt endlich vorbei. Außerdem konnte man vieles nicht mehr einstellen und der Klang ließ zu wünschen übrig." Für entsprechende Lacher sorgte dann das Störgeräusch, das beim Festgottesdienst jedes Mal zu hören war, wenn jemand das Mikrofon benutzte.
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst außer von der neuen Orgel von der John-Appletree-Band, zu der sich beim letzten Stück dann auch Pastor Thorsten Buck im Talar mit seiner Gitarre dazu gesellte. „50 Jahre Christophorus-Kirche, das ist Erwachsenwerden, das sind die ersten grauen Haare, das sind Hochzeiten, Taufen, goldene Hochzeiten und Konfirmationen in dieser Kirche. Das sind unzählige Menschen, die in diese Kirche ihre Hoffnung gesetzt haben", so Buck. Sechs Pastoren mit wechselnden Interessen habe es in der Gemeinde in diesen 50 Jahren gegeben. Der kleine Überschuss, der vom Kirchenbau übrig geblieben sei, sei für den Bau des Raumes hinter der Kirche verwendet worden, in dem später Jugendarbeit betrieben wurde und schließlich nach dem Ausbau sogar  die Pastorenfamilien gewohnt hätten. Ein Schock sei 1991 der plötzliche Tod von Pastor Sturm am Heiligen Abend gewesen. Die Gemeindemitglieder hätten nur einen Zettel an der Kirchentür vorgefunden, auf dem sie gebeten wurden, zum Weihnachtsgottesdienst in die St.-Michaelis-Kirche nach Bissendorf zu gehen.
Das Stoffelfest habe sich zum Höhepunkt des Gemeindelebens entwickelt, doch immer wieder sei es zu Irritationen gekommen, weil die Kirche früher weder Glocke noch Glockenturm oder Namensschild hatte. All das wusste Beiratsmitglied Kathrin Müsken-Graucob zu berichten. Sie sei sogar gefragt worden: "Eine Kirche ohne Turm? Dann seid ihr wohl eine Sekte?" Das sei die Christophorus-Kirchengemeinde aber nicht, sehr wohl aber schon allein durch ihre Holzkonstruktion eine ganz besondere Kirche. Da klopfte während des Gottesdienstes ein Specht, flog ein Vogel durch den Kirchenraum und wagte sich sogar eine kleine Spitzmaus während der Predigt von Pastor Thomas Hirschberg auf die Altarstufen. Auch ein Hund stattete im heißen Sommer, als die Türen aufblieben, der Kirche einen Besuch ab.
Es gab von Eltern geleitete Spielkreisgruppen, Bußtagsessen mit Referenten, Kinofilme während der Fastenzeit, Yoga-Angebote und viele Konzerte. "Ich wünsche der Kirche, dass sie wieder zum Mittelpunkt des Lebens im Ort wird", sagte Kathrin Müsken-Graucob und meinte: "Das müsste gelingen durch das Zusammengehen von Kirche, Ortsrat und Wietzegemeinschaft wie beim Weihnachtsmarkt vor der Tür zu sehen."
Superintendent Holger Grünjes sprach von einem "Tag des Innehaltens, des Rückblcks und gleichzeitig des Nach-Vorne-Sehens. 1968 hätten sich Menschen hier an der Wietze auf den Weg gemacht, Kirche Gestalt zu geben, in einem unruhigen und aufgeregten Jahr. Während der Bauzeit habe es sogar noch einen Brand gegeben. Heute könnten alle nur stolz sein auf das, was hier entstanden sei. Viele Menschen hätten sich mit Ideen, Zeit und Geld für diese Gemeinde engagiert, die dem Wandel in der Gesellschaft mit Offenheit begegne. Die Kirche stehe vor großen Herausforderungen im nächsten Jahrzehnt. "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windräder. Noch besser wären Brücken, geistige Brücken", so der Superintendent. Er dankte einem großartigen und umsichtig agierenden Kirchenvorstand. Hier seien viele gute Menschen unterwegs, die der Gemeinde Gesicht gäben. Und mit Thorsten Buck und Wibke Lonkwitz habe Christophorus auch wieder zwei Pastoren, die ihr Gepräge gäben.
Ortsbürgermeister Daniel Leide erklärte, 50 Jahre währe auch sein Leben in wenigen Monaten. Er sei sehr froh, dass in dieser Zeit, die es die Christophorus-Kirche gebe, kein Krieg auf und von deutschem Boden ausgegangen sei. Er habe alle bisherigen Stationen seines Lebens in dieser Kirche erlebt, von der eigenen Taufe über die Konfirmaton und die Hochzeit bis zur Taufe seiner Kinder. Viele Veranstaltungen habe es in der Kirche und auf dem Gelände gegeben. Zusammen mit der Kirchengemeinde und der Wietzegemeinschaft richte der Ortsrat jetzt hier bereits den vierten Weihnachtsmarkt aus. Er wünsche sich, den 100. Kirchengeburtstag als 99-Jähriger miterleben zu dürfen, so Leide.
Für den Kirchenvorstand sprach Henrike Hein von überstandenen Kinderkrankheiten der Kirche und der Freude darüber, dass man sich jetzt über die Orgel keine Sorgen mehr machen müsse und die Glocke so deutlich im Ort zu hören sei. Der beleuchtete Glockenturm sei zudem weithin zu sehen, so dass Christophorus jetzt keine versteckte Kirche im Wald mehr sei, sondern ein Lebensmittelpunkt. Zum 50. Geburtstag sei eine Eberesche gepflanzt worden, die sich in den nächsten 50 Jahren hoffentlich zu enem stattlichen Baum entwickeln werde. Elisabeth Wöbse gratulierte im Namen aller ihrer Kirchenvorstandskollegen von St. Michaelis zum 50. Kirchengeburtstag. Engagierte Menschen hätten diese Kirche an der Wietze aufgebaut und seien immer noch dabei. Sie rückte das Verbindende zwischen Christophorus und Michaelis in den Vordergrund. Trennendes werde es nie wieder geben. Das mache auch die Neugliederung der Pfarrbezirke deutlich. „Pastor Buck ist die Brücke", so Wöbse in Anspielung auf den Wunschg von Superintendent Holger Grünjes nach "Brücken". Anschließend lud die Gemeinde alle Gottesdienstbesucher zu Glühwein ein und dann konnte diese den Weihnachtsmarkt erkunden.