„Dörfer im Norden attraktiv halten“

SPD-Ortsbürgermeisterkandidatin Rosemarie Spindler entspannt sich beim Handarbeiten. Foto: A. Wiese
 
CDU-Ortsbürgermeisterkandidat Sven Sobanski schaltet beim Wandern ab. Foto: A. Wiese

Rosemarie Spindler (SPD) und Sven Sobanski (CDU) wollen „am Ball bleiben“

Berkhof (awi). Mit dem Ortsratsbereich Wedemark III (Berkhof, Plumhof, Sprockhof, Bennemühlen, Oegenbostel, Ibsingen) endet heute die Serie des ECHO über die Orsbürgermeisterkandidaten in den elf zu wählenden Ortsräten der Wedemark. Wie bereits mehrfach berichtet, werden die Ortsbürgermeister später von den Ortsratsmitgliedern gewählt. Im letzten Teil der Serie stellt das ECHO heute die amtierende Ortsbürgermeisterin im Ortsratsbereich III, Rosemarie Spindler als Kandidatin für die SPD, und Herausforderer Sven Sobanski von der CDU vor.
Rosemarie Spindler (63) aus Oegenbostel meint, „dass man entweder hier geboren sein oder hier lange gelebt haben muss, um das Amt des Ortsbürgermeisters und die Hintergründe zu verstehen. Denn jedes Dorf tickt hier anders.“ Auf die SPD-Politikerin trifft Letzteres zu. Aufgewachsen in Bergneustadt in Nord-rhein Westfalen studierte Rosemarie Spindler auf dem zweiten Bildungsweg Sozialpädagogik und legte 1967 ihre Prüfung als Erzieherin ab. In einer Kindertagesstätte in Derschlag bei Gummersbach kam sie das erste Mal mit der Integration behinderter Kinder in Kontakt, ein Thema, das sie nicht losließ. Nach ihrer Heirat kam sie nach Hannover, pausierte zwei Jahre und stieg dann in der Lebenshilfe in Langenhagen wieder in den Beruf ein. 1974 bewarb sie sich um die Leitung der Kindertagesstätte Schulenburg und arbeitet seitdem in dieser – ebenfalls integrativen – Einrichtung. Weil es nur eine kleine KiTa ist, hat Rosemarie Spindler auch als Leiterin eine eigene Gruppe.
Leben auf dem Land
1983 zog die Familie von Langenhagen nach Oegenbostel. „Mit mittlerweile vier Kindern bekamen wir in Langenhagen keine Wohnung mehr und unsere Kinder sollten auf dem Land und mit Tieren aufwachsen“, erzählt Spindler. Ihr Vater hatte ein Landschaftsbild im Büro hängen, das einen Feldweg in Oegenbostel zeigt. Ein Fingerzeig? Auf jeden Fall fand die Familie ein Baugrundstück in
Bestenbostel, An der Königseiche, wo Rosemarie Spindler heute noch wohnt, obwohl die Kinder lange aus dem Haus sind und sie mehrfache Oma ist. „Aber die Beziehung zu Tieren, die die Kinder hier aufbauen konnten, ist geblieben“, freut sie sich. Das reichte von Meerschweinchen über mit der Hand aufgezogene Dohlen bis zu Pferden. In die SPD ist Rosemarie Spindler bereits vor 25 Jahren eingetreten. „Es bringt ja nichts, wenn man nur meckert und sich selbst nicht engagiert“, meint sie, gesteht aber, dass sie, die aus einem „SPD-Haus“ kommt, sich eigentlich geschworen hatte, „so einen Blödsinn ihr ganzes Leben nicht zu machen“. Doch sie trat ein, kandidierte und zog nach der Kommunalwahl 1991 als Nachrückerin in den Ortsrat ein. Seitdem gehörte sie dem Gremium ununterbrochen an, war stellvertretende Ortsbürgermeisterin und seit 2006 Ortsbürgermeisterin. Mit der abgelaufenen Wahlperiode ist sie zufrieden: „Wo wir konnten, haben wir Veränderungen hingekriegt, auch wenn es manchmal ein langer Prozess ist. Nach einem unglücklichen Anfang sei der Umgang im Ortsrat jetzt sachlich und harmonisch. Spindler findet es wichtig, dass jedes kleine Dorf sich vertreten fühlt. „Die ausgewogene Mischung der Mitglieder hat unserem Ortsrat immer gut getan“, findet sie. Gewerbeansiedlung und Radwegesanierung, vor allem zwischen
Berkhof und Sprockhof, hat sie sich vor allem für die nächste Periode auf die Fahne geschrieben. Spindler unterstützt passiv die örtlichen Vereine, ist Mitglied im Kinderschutzbund und hat als Hobby das Patchworken von Quilts und Taschen. Aber auch beim Batiken mit Freundinnen und bei Radtouren kann sie gut entspannen. Und dann sind da ja auch noch sechs Enkel, die ab und zu etwas von der vielbeschäftigten Großmutter haben möchten.
Jüngster Kandidat
Sven Sobanski (33) aus Bennemühlen ist der jüngste Ortsbürgermeisterkandidat unter den 22 Bewerbern. Doch da er die Politik genauso zielstrebig angeht wie seine berufliche Laufbahn, dürfte sein für einen Ortsbürgermeisterkandidaten jugendliches Alter kein Hindernis sein. In der abgelaufenen Wahlperiode ist Sobanski bereits Orts- und Gemeinderatsmitglied. Jetzt tritt er als Spitzenkandidat der Wedemark für die Regionsversammlung sowie für den Gemeinderat an und möchte gerne Ortsbürgermeister werden. In Bennemühlen aufgewachsen und fest verwurzelt, besuchte Sobanski die Grundschule Elze, OS und Gymnasium in Mellendorf, machte 1997 sein Abitur, ging danach für ein Jahr zur Bundeswehr und begann dann zeitgleich eine Ausbildung beim Finanzamt und ein Studium an der damaligen Fachhochschule (heute Steuer-akdademie). Nach Abschluss dieser dualen Ausbildung übernahm ihn das Finanzamt Burgdorf und parallel stieg Sobanski 2001 in das Jura-Studium in Hannover ein. 2006 legte er sein erstes, 2009 sein zweites Staatsexamen ab. 2007 wechselte er vom Finanzamt ins Referendariat. Parallel begann er 2007 mit seiner Promotion, die er voraussichtlich 2012 abschließen wird. Sein Steuerberaterexamen legte er 2010/2011 ab und ist mittlerweile als Rechtsanwalt und Steuerberater in einer Kanzlei in Hannover angestellt. Sein Studium verschlug ihn nach Rinteln, Berlin und Speyer, doch seinen Lebensmittelpunkt hat der agile CDU-Mann immer in Bennemühlen gehabt. Bereits mit 19 Jahren trat er – motiviert durch den Gemeinschaftskunde-Leistungskurs – in die CDU ein, ein Jahr später dann auch in die Junge Union. In der Partei bekleidete Sobanski diverse Vorstandsämter und ist seit 2005 Vorsitzender der CDU Nord in der Wedemark. In den Ortsrat wurde er 2006 auf Anhieb direkt gewählt, in den Gemeinderat rückte er 2007 nach dem Mandatsverzicht von Stefan Gudehus nach und ist dort heute der finanzpolitische Sprecher der CDU. Doch wer jetzt glaubt, Sobanski könne eigentlich gar keine Zeit mehr für den Ortsrat oder das Amt des Ortsbürgermeis-ters haben, der liegt falsch. Die Arbeit an der Basis, in seinem Wohnort Bennemühlen und den umliegenden Ortschaften liegt ihm ganz besonders am Herzen. Im Ortsrat arbeiten die Mitglieder für die Belange ihrer Dörfer eng zusammen. Und diese ruhige und sachliche Zusammenarbeit ist Sobanski auch besonders wichtig. „Auf diese Weise haben wir Ampel und Gewerbeansiedlung für Berkhof erreicht. Uns im Ortsrat ist aufgefallen, dass der Vorschlag der Gemeindeverwaltung zum Thema Änderung der Landschaftsschutzgebiete am Brelinger Berg und Blankes Moor von dem mit den Landwirten und der Region ausgehandelten Kompromiss abgewichen ist und der Ortsrat hat erreicht, dass es schließlich doch bei diesem Kompromiss geblieben ist“, betont Sobanski. Der Ortsrat habe die Einrichtung des Geologischen Pfads am Brelinger Berg initiiert und unterstützt und der Ortsratsbereich habe in den letzten fünf Jahren zwei mal von der „guten Tat“ der Firma Heinrich Depping profitiert: am Ehrenmal Bennemühlen in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und im Orts-eingangsbereich von Berkhof.
Zusammenarbeit der Vereine
Für die nächste Wahlperiode strebt Sven Sobanski mit der CDU vor allem an, „die Zusammenarbeit mit Vereinen und Feuerwehr auf neue Füße zu stellen“. „Wir sollten uns mindestens ein Mal im Jahr treffen und Termine abstimmen. Unsere Vereine prägen die Dörfer hier im Norden ganz wesentlich. Ohne sie wären es bald wirklich nur noch Schlafdörfer und wir als verantwortliche Politiker müssen darauf achten, dass unsere Dörfer am nördlichen Rand der Wedemark sich mit den angrenzenden aus den Kreisen Celle und Heidekreis messen können“, so Sobanski, der selbst seit seinem 17. Lebensjahr bei der Feuerwehr Bennemühlen aktiv ist und daher den Stellenwert der Vereine aus beiden Perpektiven erlebt. „Dazu gehört auch die Ausweisung von kleinen Baugebieten, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass es hier im nächs-ten Jahrzehnt einen Generationenumbruch geben wird und auch für bereits vorhandene Immobilien Käufer gefunden werden müssen. Und wir müssen auch darauf achten, der Landwirtschaft das Überleben zu sichern, denn die Landwirte, die wir haben, wollen wir gerne behalten.“ Politik und Feuerwehr – das sind sicherlich zwei ganz entscheidende Hobbys im Leben von Sven Sobanski, der in einer eigenen Wohnung im Obergeschoss seines Elternhauses wohnt. Außerdem spielt er Fußball bei Blau-Gelb Elze in der Alt-Herrenmannschaft („da helfe ich aber nur aus“) und erholt sich auf Trekking- und Wandertouren. In Nepal und Sibirien ist er bereits gewesen, hat den zugefrorenen Baikalsee überquert, aber auch Deutschlands Wanderwege erkundet Sven Sobanski gerne. Und schließlich liest der CDU-Ortsbürgermeisterkandidat auch gerne, mit Vorliebe Heiteres, aber auch Klassiker. „Ich lese immer mehrere Bücher parallel, je nach Stimmungslage“, verrät er schmunzelnd.