Dorfgespräch op de Deel in Dudensen

Dorfspaziergang durch Dudensen.
 
Die kleine Dorfkirche wurde bewundert.

Thema des Dorfspaziergangs: Baukultur schafft Heimat

Region. Am letzten Freitag trafen sich Interessierte  Bürger der LEADER-Region Meer & Moor in Dudensen zum Dorfgespräch op de Deel – diesmal als Dorfspaziergang zum Thema „Baukultur schafft Heimat“. 21 Interessierte aus den drei Ortschaften Neustadt a. Rbge, Wunstorf und Wedemark versammelten sich am Freitagnachmittag in Dudensen, einem Dorf im Neustädter Norden, zum Dorfgespräch op de Deel. Es ist die inzwischen 9. Ausgabe dieser Veranstaltungsreihe, die in der LEADER-Region Meer & Moor ange- boten wird. Hier sprechen alljährlich Expertinnen und Experten zu Themen, die für den ländlichen Raum interessant sind, und Bürgerinnen und Bürger können ihre Erfahrungen dazu austauschen. Angesichts der aktuellen Umstände fand das Gespräch dieses Mal nicht auf historischer Diele, sondern unter freiem Himmel statt. Der Dorfspaziergang trug den Titel „Baukultur schafft Identität“ und hatte zum Ziel, die interessierte Bürgerschaft für baukulturelle Besonderheiten zu sensibilisieren und Beispiele ge- lungener Umnutzung zu zeigen. Das gut 500 Einwohner starke Dorf Dudensen hat auf kleiner Fläche viel zu bieten: eine ganze Reihe historischer Gebäude, ob ehemaliger Stall oder denkmalgeschütztes Wohn- wirtschaftsgebäude, wurden hier in den letzten Jahren mit Hilfe von Fördermitteln saniert und umgenutzt. Für das schöne Ortsbild sowie das große Engagement der Dorfgemeinschaft wurde Dudensen 2017 beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Viel angescho- ben werden konnte dort insbesondere dank der Dorferneuerung. Dudensen als Teil des Dorfverbunds Mühlenfelder Land erhält seit 2011 Mittel von Land und EU für die Weiterentwicklung der Dörfer, u.a. für die Sanierung und Umnutzung historischer Bausubstanz oder die Umgestaltung von Dorfplätzen und Straßen. Die Planerin, die den Dorferneuerungsprozess begleitet, führte auch den Dorfspaziergang ver- gangene Woche an: Karin Bukies, erfahrene Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin aus Hannover, lenkte das Augenmerk der Teilnehmenden auf holzverkleidete Dachgauben, liebevoll saniertes Fach- werk, ortsbildprägenden Baumbestand und die rote Dachlandschaft, die dem Dorf ein ruhiges und kom- paktes Ortsbild verleihen.
Dass es auch der Stadt Neustadt ein wichtiges Anliegen ist, den typischen Charakter der Dörfer mit Hilfe sanfter Sanierungen und regionaltypischer Gestaltung zu erhalten, bestätigte Christopher Schmidt, der als städtischer Stadtplaner die Führung ebenfalls begleitete und kommentierte. Zu diesem Zweck wurden für etliche Stadt- bzw. Ortsteile in Neustadt a. Rbge. wie auch in Wunstorf und der Wede- mark, Gestaltungssatzungen erarbeitet, in welchen die ortstypische Gestaltung von Fassaden, Dächern, Garagen, Einfrieden und vieles mehr geregelt ist.
Mit welchen praktischen Herausforderungen man beim Umgang mit historischer Bausubstanz konfrontiert wird, berichteten BauherrInnen und Architekten, die den Dorfspaziergang begleiteten. Von ihnen erfuhren die Gäste, dass es einen langen Atem braucht, um aus einem ehemaligen Kuhstall eine Arztpraxis zu machen, dass die enge Zusammenarbeit mit Architekten und zukünftigem Nutzer sehr wichtig ist und dass es ohne die alten Eichen entlang der Dorfstraße nur halb so schön wäre. Bereits vor der Dorfent- wicklung wurden in Dudensen z.B. auch die alte Dorfkirche saniert und zur multifunktionalen Nutzung umgebaut oder die vom Mühlenverein betriebene Bockwindmühle mit dazugehörigem Backhaus. So machten die Erfahrungsberichte der Dorfbewohner auch deutlich, dass es nicht nur ein Gewinn für das Ortsbild und das persönliche Wohlbefinden ist, wenn man sich für den Erhalt ortsbildprägender Struktu- ren einsetzt, sondern dass es auch viele positive Effekte auf das Gemeinschaftsgefühl im Ort hat. Die Du- denser, so erfuhren die Anwesenden, sind stolz auf ihr Dorf mit den vielen schönen Gebäuden, Plätzen und Wegen. Zum Mühlenfest, an den regelmäßigen Dorfbacktagen oder zum Jahreswechsel feiern dort Jung und Alt gemeinsam.
Neben viel Lob für die umgesetzten Vorhaben richteten die Gäste auch Nachfragen an BauherrInnen und Planerin und tauschten sich zu Isolierungsdetails und Fördermitteln aus. „Über den Ortsrand zu schauen, ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen, ist das Ziel unseres Dorfgesprächs“, so Ma- ren Krämer vom Regionalmanagement der LEADER-Region welche den Prozess koordiniert und zum Dorfspaziergang einlud. Als sich die Gruppe zum Ende der Veranstaltung an der Dudenser Mühle verab- schiedet, zeigt sich Krämer zufrieden: „Ich denke es ist gelungen, den Blick für die bauliche Besonderhei- ten unserer Dörfer zu schärfen und deutlich zu machen, wie viel historische Bausubstanz zu einem ge- sunden Heimatgefühl beitragen kann.“
Alle weiteren Infos zum Prozess sowie Kontaktdaten findet man auf der Homepage der LEADER-Region Meer & Moor https://www.neustadt-a-rbge.de unter dem Stichwort LEADER Meer & Moor.