Dorfläden sind wieder im Kommen

Professor Dr. Axel Priebs (links) traf sich mit Delegationen von Dorfladeninitiativen zum Gedankenaustausch im Resser Mooriz. Foto: B. Stache

Reger Erfahrungsaustausch zum Thema Nahversorgung im Ort

Resse (st). Auf Einladung der Region Hannover trafen sich am Freitagnachmittag im Moorinformationszentrum (Mooriz) in Resse fünf Dorfladeninitiativen zum Erfahrungsaustausch und zur Vorstellung ihrer Projekte. Professor Dr. Axel Priebs, Dezernent für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover, begrüßte die Gäste im Beisein von Sonja Beuning, kommissarische Leiterin Fachbereich Planung und Raumordnung. Priebs gab zu Beginn die zentrale Botschaft des Treffens aus: „Die Nahversorgung, der Laden, ist die Seele des Dorfes“. Eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf sei ein wichtiger Faktor, um dieses am Leben zu erhalten, machte der Dezernent deutlich. Er verwies auf den hohen Stellenwert eines Dorfladens, beispielsweise als Treffpunkt und Nachrichtenbörse für die Kommunikation innerhalb des Ortes. Die Region Hannover habe sich immer wieder mit diesem Thema beschäftigt. So habe es im Sommer 2013 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Nahversorgung gegeben. Dabei habe sich herausgestellt, dass die großen Handelsketten Probleme damit hätten, Läden mit einer Grundfläche von weniger als 1200 Quadratmetern zu beliefern oder selbst zu betreiben. Mit der Veranstaltung in Resse gab die Region Hannover den unterschiedlichen Dorfladeninitiativen die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Für Resse und den Frischmarkt Pagel waren vom Verein „Bürger für Resse“ dessen erster Vorsitzender Jochen Pardey und Karl-Heinz Müller der Einladung gefolgt. Nadja Bolte von der Dorfinitiative „Unser Laden in Mariensee“ hatte eine kleine Delegation aus dem Ort im Neustädter Land mitgebracht. „Wir sind eine 20-köpfige Initiative“, erklärte Bolte, die damit rechnet, in den nächsten Monaten die Standortentscheidung für einen Dorfladen in Mariensee treffen zu können. Die Sprecherin der Dorfladeninitiative Bolzum (Sehnde) Frauke Lehrke berichtete über ihren DorfLaden Bolzum, der am Folgetag, Samstag, 21. März, feierlich eröffnet wurde. Auf zirka 160 Quadratmetern wird dort eine Lebensmittel-Grundversorgung angeboten. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich im DorfCafé zum Klönen zu treffen. Seit September 2014 betreibt die Genossenschaft „Dorf-Kultur-Erbe Altenhagen I eG“ im alten Schul- und Verwaltungsgebäude am Dorfplatz einen Dorfladen, Frühstückscafé und Kulturkneipe als neuen Dorfmittelpunkt. „Wir sind begeistert von einer tiefschwarzen Zahl, nachdem wir im vergangenen September eröffnet haben. Wir sind ganz zufrieden, wie es läuft“, gab der erste Vorsitzende Andreas Baenisch aus Altenhagen bekannt. Aus Rössing, einem Dorf in der Gemeinde Nordstemmen im Landkreis Hildesheim, nahm Tita von Rössing an der Veranstaltung teil. „Seit Mai 2014 hat unser Dorfladen Rnah geöffnet“, erklärte die Geschäftsführerin. „Rnah ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rössinger Bürger, die sich das Ziel gesetzt haben, endlich wieder einen Supermarkt im Ort zu etablieren. Der Dorfladen versorgt die Kunden mit sämtlichen Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Es wird ein breites Sortiment an Obst, Gemüse und frischen Backwaren zu fairen Preisen angeboten. Darüber hinaus wird Wert auf die regionale Herkunft der Erzeugnisse gelegt. So bieten wir exklusiv das in Rössing gebraute Pilsener „Brauers Liebling“ oder Honig von Imkern aus Rössing und den Nachbardörfern an.“, heißt es auf der Webseite von Rnah. Professor Priebs hatte es sich nicht nehmen lassen, mit den Delegationen einen Rundgang durch Resse zu unternehmen – vorbei am Ärztehaus und dem Frischmarkt Pagel. Beides Aushängeschilder des Ortes und des Vereins Bürger für Resse. Jochen Pardey und Karl-Heinz Müller gaben beim anschließenden Erfahrungsaustausch Einblicke in das Resser Modell, zu dem die Schaffung des Frischmarktes gehört. Müller gab unter anderem die Empfehlung, in Verbindung mit einem Dorfladen auch die Möglichkeit zum Geldabheben (Geldautomat) für die Kunden zu schaffen. Damit hielte man die Menschen und das Geld im Ort. Für die betriebswirtschaftliche Untersuchung von Projekten zur Sicherung der Nahversorgung im ländlichen Raum durch Bürger-Engagement hat die Region Hannover in zwei Fällen bereits finanzielle Unterstützung geleistet, erklärte Professor Priebs. „Wir legen Wert darauf, dass die jeweilige Standortgemeinde, die den Antrag stellt, auch selber mit einsteigt.“