Doris á Wengen macht wichtigen Fund

Übergabe des Fotos durch Doris á Wengen (von rechts) an Jens Führer und der stellvertretende Ortsbrandmeister Alfred Suhr.
 
Das historische Foto der Turner-Feuerwehr Walsrode in einem passenden Rahmen an der historischen Wand.

In Scherenbostel taucht Foto der Turner-Feuerwehr Walsrode auf

Scherenbostel/Heidekreis (awi). In Scherenbostel fand Doris à Wengen ein altes Foto der Turnabteilung der Freiwilligen Turner-Feuerwehr Walsrode aus dem Jahre 1900 und übergab es Anfang diesen Jahres an die Ortsfeuerwehr Walsrode. Nachdem Jens Führer nun durch Zufall einen zum Alter des Bildes passenden, hochwertigen Holzrahmen organisieren konnte, machte sich der Leiter der Altersgruppe Ralf-Dieter Zilz sogleich an die Arbeit und platzierte das Foto darin. So hat das besondere Erinnerungsstück nun einen Ehrenplatz an der historischen Wand im Feuerwehrhaus Walsrode. Sollten Mitbürger noch im Besitz von alten Urkunden, Fotos oder Gegenständen sein, die in Zusammenhang mit der Freiwilligen Feuerwehr Walsrode stehen, so werden diese gebeten, sich an den Ortsbrandmeister Stephan Wagner zu wenden.
Vor geraumer Zeit hatte sich Doris à Wengen aus Scherenbostel bei der Freiwilligen Feuerwehr Walsrode gemeldet. Sie hatte ein sehr altes Familienfoto aus einem Bilderrahmen entnommen und dahinter versteckt ein Foto aus dem Jahre 1900 entdeckt, das die Turnabteilung der Freiwilligen Turner-Feuerwehr Walsrode zeigt. Daraufhin hatte sie Kontakt zur Ortsfeuerwehr aufgenommen. Ende des letzten Jahres machten sich der stellvertretende Ortsbrandmeister Alfred Suhr und Pressesprecher Jens Führer auf den Weg in die Wedemark, um das Bild abzuholen. Doch bevor es von der Familie à Wengen übergeben wurde, versuchte man den Weg nachzuzeichnen, auf dem es von Walsrode nach Scherenbostel gekommen sein könnte.
Die wahrscheinlichste Erklärung, basierend auf den bisherigen Nachforschungen der Familie à Wengen, dürfte folgende gewesen sein. Anna Helmke, geborene Warnecke aus Ickhorst, dürfte das Foto mit nach Scherenbostel gebracht haben, als sie nach dem Tod Ihres Mannes Friedrich Helmke aus der Gegend von Walsrode zu ihrer Schwester umzog. Sie wurde bis zu ihrem Ableben von Doris à Wengens Tante, Gertrud Bütehorn, auf dem Hof in Scherenbostel gepflegt. Wiederum nach dem Tod der Tante Gertrud und des Onkels Otto Bütehorn, die kinderlos waren, erbten die Eltern von Frau à Wengen das Anwesen, sie selber ist nun schon die nächste Erbin. Und irgendwann dazwischen wurde von jemandem das Familienfoto in den ursprünglichen Rahmen eingebracht, glücklicherweise ohne das alte Foto der Feuerwehr herauszunehmen. Nur so war dieser besondere Fund überhaupt möglich.
Doch wer war Friedrich Helmke? Laut vorliegender Informationen wurde er in Idingen geboren und war von 1906 bis 1929 Direktor der Fallingbosteler Sparkasse. Friedrich Helmke ist laut Stammbaum ein angeheirateter Onkel von Otto Bütehorn, dem Onkel von Frau à Wengen. Ob er selber Mitglied in der Turnabteilung war, ist nicht bekannt, es wird allerdings angenommen. Laut Einschätzung des Historikers Stephan Heinemann war er „wahrscheinlich nur einfaches Mitglied, da er ihn nicht in einer Vorstandsliste der Turner-Feuerwehr von 1902 finden konnte“.  Recherchen zufolge gründete sich die Freiwillige Turner-Feuerwehr aus dem Walsroder Männer-Turnverein (gegründet 1864) heraus am 10. Januar 1880 - also vor fast genau 140 Jahren. Nachfragen bei Ralf Quietmeyer, der sich 2010 für die Erstellung der Chronik „100 Jahre Kreisfeuerwehrverband Soltau-Fallingbostel“ verantwortlich zeigte, stützt diese Information. In der Chronik sind folgende Informationen zu finden. Am 22. November 1879 wurde im Walsroder Wochenblatt, dem Vorläufer der Walsroder Zeitung, eine Anzeige des Männer-Turnvereins Walsrode veröffentlicht, mit der zur Generalversammlung am 26. November 1879 eingeladen wurde. Als Tagesordnungspunkt 1 ist die Besprechung über eine zu errichtende Turner-Feuerwehr vorgesehen. Über diese Versammlung berichtete das Wochenblatt eine Woche später: „Walsrode, 29. November. In der am letzten Mittwoch stattgehabten Versammlung des hiesigen Männer-Turnvereins wurde u. a. auch die Errichtung einer Turner-Feuerwehr beschlossen, sobald die Mittel zu Anschaffung einer Spritze vorhanden (Anmerkung; was dann am 10. Januar 1880 geschah).“
Am 10. Januar 1902 erhielt die Freiwillige Turnerfeuerwehr durch den Landrat aufgrund der Polizeiverordnung vom 27. September 1901 mit Wirkung vom 1. April 1902 die Eigenschaft einer amtlich anerkannten freiwilligen Feuerwehr.
Am 28. Mai 1904 fand eine Versammlung der Turnabteilung der Freiwilligen Turner-Feuerwehr Walsrode statt, auf der beschlossen wurde, sich von der Feuerwehr zu trennen und einen eigenen Turnverein zu gründen (Turnverein Jahn). Einen Tag später fand eine Versammlung der Freiwilligen Turner-Feuerwehr statt, auf der die Turnabteilung der Wehr aufgelöst wurde. Dank gebührt Jens Führer, der die Informationen für diesen Artikel akribisch zusammengetragen hat.