Drei Tage leben wie im Mittelalter mit Weben, Spinnen, Burgen- und Drachenbauen Ferienkurs der Jugendkunstschule Wedemark ist jedes Jahr frühzeitig ausverkauft

Viel Spaß hatten die Kinder beim Sommerprojekt „Leben wie im Mittelalter“. Foto: H.-H. Schröder
WEDEMARK/FUHRBERG (hhs). Es war das nunmehr vierte Mal, dass die Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark zu Ferienbeginn zu einem ganz besonderen Sommerprojekt eingeladen hatte im Revier des Forstamtes von enercity, ehemals die Wasserwerke der Stadt Hannover. Diese Projekte finden im Umfeld einer alten, der sogenannten Bachschen Jagdhütte statt, nahe der Wulbeck. Sie trägt ihren Namen nach dem Jagdpächter Dr. Theo Bach, der während des Krieges und in den fünfziger Jahren dort das Jagdrecht gepachtet hatte und in Fuhrberg noch immer in guter Erinnerung ist. Gut 40 Kinder waren es in dieser Woche, die sich dort von Montag bis Mittwoch einem Leben in Arbeit und Abenteuer hingaben, mit großem Einsatz, viel Spaß und jeder Menge Arbeit. Sie hatten ganz einfach das Pech, dass es an diesem Ort keine Burg gab.
Sie mussten sich deswegen ihre Burg selbst bauen, ebenso den bedrohlichen Drachen, den „Drachenkracher“, und letztendlich alles andere auch, wenn man richtig stilvoll die Zeitreise zurück ins Mittelalter antreten möchte.Schließlich waren die Mädchen und Jungen bei Antritt der Reise Kinder des 21. Jahrhunderts, mit Jeans, MP3-Player und allem anderen, was zu einer modernen Kindheit heutzutage zählt. Und neben der alten Jagdhütte gab es wirklich nichts anderes. Die jungen Damen und Herren mussten sich ihre stilvollen Mittelalterkostüme selbst schneidern, Ritterkostüme entstanden, und wo ein Ritter ist, da darf auch ein Burgfräulein, oder mehrere nicht fehlen, da gab es Schmiede, die an offener Esse Eisen in Form brachten, junge, etwa elfjährige Damen, die sich im Spinnen versuchten, zum ersten Mal in ihrem Leben, andere, die das gesponnene Garn dann beim Weben in Stoffe verwandelten, und schließlich jene, die die Burg bauten und mit Zinnen versahen und allem anderen, was zu einer richtigen Burg gehört. Somit war die Aufgabenstellung vollkommen eindeutig: Den Ort Drachenhausen mit Leben erfüllen, die Drachenburg bauen und mit dem „Drachenkracher“ für eine allgemeine Bedrohung sorgen, die am Ende natürlich alle zusammenschweißt, wie Pech und Schwefel.Natürlich mussten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für irgendeine Möglichkeit sorgen, untereinander so etwas wie einen Zahlungsverkehr einzuführen. Man hatte sich früh entschieden, dafür Steine zu nehmen. Das schien Sinn zu machen, denn jeder, der den Ort Drachenhausen betreten wollte, musste sich am Tor gewissermaßen einkaufen. Das brachte geringen Wohlstand und machte vielleicht ein wenig süchtig nach mehr. Man beschloss, auch für den Gang zum kleinen oder etwas größeren Geschäft auf der Dixi abzukassieren. Doch dass wurde wieder verworfen, einige wären sonst ganz schnell in die Pleite gerasselt.Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark hatten natürlich vorgearbeitet, sonst wären diese Mammutvorhaben innerhalb von drei Tagen nicht zu schaffen gewesen: Teile der Burg lagen gewissermaßen als Bausatz vor, der Drachenkracher auch, aber das meiste mussten die Kinder noch selbst organisieren und bauen.
Die Zusammenarbeit der Kunstschule und den Wasserwerksforsten hat lange Tradition: Schon am Bau des Wasserlehrpfades im Jahr 2000 hatte die Einrichtung mitgearbeitet und mitgestaltet, wie der Leiter der Kunstschule, Bernd Tschirch es ausdrückte. Bei dem Projekt jetzt hätten sich die Schülerinnen und Schüler auch um einen der Wassergeister gekümmert, der einer Grunderneuerung bedurfte, und sie hätten mit den Förstern im Rahmen einer Waldführung eine Menge über Wald und Wasser erfahren. Die Kinder- und Jugendkunstschule sei, wie viele andere Schulen auch ein gern gesehener Gast in den Wasserwerksforsten, sagte Günter Schröder, der zuständige Forstbeamte. Die Zusammenarbeit mit der Kunstschule sei ausgesprochen gut, auch bei den Pflanzaktionen, die das Forstamt anbiete. Man fühle sich als Partner und als Sponsor und unterstütze sich gegenseitig gern.