DRK baut neue Wache in Mellendorf

Die alte DRK-Wache an der Kaltenweider Straße 33 soll abgerissen und durch einen millionenschweren Neubau ersetzt werden, da die Ausrückezeiten vom Standort Bissendorf aus zu lang sind. Foto: A. Wiese
 
Die alte DRK-Wache an der Kaltenweider Straße 33 soll abgerissen und durch einen millionenschweren Neubau ersetzt werden, da die Ausrückezeiten vom Standort Bissendorf aus zu lang sind. Foto: A. Wiese

Neubau ist mit 2,4 Millionen Euro nur unwesentlich teurer als ein Umbau

Mellendorf (awi). Das DRK-Region Hannover, dessen Rettungsdienst GmbH die letzte Ausschreibung für den Teil der Region gewonnen hat, zu dem auch die Wedemark gehört, wird in Mellendorf auf dem eigenen Grundstück an der Kaltenweider Straße 33 für rund 2,5 Millionen Euro eine neue Rettungswache bauen, die noch 2022 in Diens gestellt werden soll. Die Finanzierung ist gesichert, Gespräche mit der Gemeinde Wedemark als Baugenehmigungsbehörde werden bereits geführt.
Diese Bombe ließ Anton Ver-schaeren, Vorstandsvorsitzender des DRK Region Hannover und Geschäftsführer der Rettungsdienst GmbH bei der sogenannten Blaulichtkonferenz am Montagabend platzen, zu der die Gemeinde neben Polizei und Feuerwehr erstmals auch das DRK eingeladen hatte. Traditionell informiert die Gemeinde die Ratsmitglieder über die Arbeit der Polizei und der Feuerwehren – eigentlich im Rat, wegen Corona aber diesmal virtuell.
Das DRK, so Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Verschaeren, sei Wohlfahrtsverband und Hilfsorganisation in einem. In der Wedemark sei das DRK breit aufgestellt: Da gibt es die alte Rettungswache in Mellendorf an der Kaltenweider Straße 33, die das DRK schon jetzt wieder verstärkt für seine Bereitschaft nutze, da die Ausrückezeiten vom ehemaligen Tute-Stützpunkt im Gewerbegebiet Bissendorf, den das DRK nach dem Gewinn der Ausschreibung zunächst übernommen hatte, wegen der Bahnübergänge einfach zu lang seien. Das DRK betreibt in Mellendorf aber auch einen Pflegestützpunkt und in Hellendorf und Bissendorf-Wietze jeweils eine Kindertagesstätte mit zwei Gruppen an der Wietze und drei Gruppen im Spatzennest in Hellendorf. Außerdem gibt es mit Wedemark und Elze-Bennemühlen zwei sehr aktive Ortsvereine mit 1094 beziehungsweise 418 Mitgliedern, die sich in erster Linie um die Organisation von Blutspendeterminen und die Seniorenarbeit kümmern.
In der Rettungswache gibt es aktuell zwei reguläre Fahrzeuge und zwei Reservefahrzeuge. Im vergangenen Jahr bewältigte die DRK-Bereitschaft insgesamt 3.144 Einsätze, davon 2352 Notfälle, 199
Krankentransporte und 189 Versorgungsfahrten. Auch in diesem Jahr waren bereits 1013 Notfälle, und 100 Krankentransporte abzuarbeiten. Nach gründlicher Prüfung habe sich der Vorstand entschlossen, die Rettungswache an der Kaltenweider Straße in Mellendorf neu zu ertüchtigen und dafür 2,4 Millionen Euro bereitgestellt. Ein Neubau, so ergab die Kalkulation, sei nur unwesentlich teurer als eine Sanierung. Man werde die Abläufe optimieren, den Fokus stärker auf die Bereitschaft setzen und Werbung für das DRK betreiben, kündite Verschaeren an.
Das DRK sei auch im Katastrophenschutz tätig: im Abschnitt Nord-Ost mit dem Einsatzzug Burgdorf Nummer 6 für Wedemark,Burgwedel, Isernhagen, Burgdorf, Lehrte, Uetze und Sehnde mit Standort in Isernhagen. Der Pflegestützpunkt AmLangen Felde 5 bis 7 werde als Außenpunkt des Pflegestützpunktes in Burgdorf geführt. Während der ersten Coronawelle, als die Altenheime für Neuaufnahmen gesperrt gewesen seien, sei der Pflegebedarf stark angewachsen. „Doch auch uns fehlen Fachkräfte, es sind einfach zuwenig am Markt“, brachte Verschaeren die Problematik auf den Punkt. Gerne möchte das DRK mit der Gemeinde ins Gespräch kommen , um eigene Räumlichkeiten für die Jugendarbeit anbieten zu können. Doch in diesem und im nächsten Jahr liegt der Schwerpunkt erst einmal auf dem Neubau Rettungswache. Wenn dieser 2022 in Betrieb sei, könnten auch die Fahrzeuge reduziert werden. Zurzeit muss das DRK mit Niederflurfahrzeugen arbeiten, weil in der alten Rettungswache in Mellendorf die Höhe für die modernen Fahrzeuge nicht ausreicht. Das falle weg, wenn 2022 die neue Wache in Dienst gestellt werde. Hier werde das DRK jetzt kräftig Gas geben, das Go aus seinem Haus habe er, die Gespräche mit der Gemeinde seien angelaufen und er habe die Gemeinde Wedemark als „nach vorne orientiert“ erlebt, so Verschaeren. Bürgermeister Helge Zychlinski bedankte sich für Verschaerens Vortrag mit den Worten: „Vielen Dank, bei Ihnen merkt man deutlich, nicht die Gewinnorientierung steht im Vordergrund, sondern das Helfen!“
Polizei zieht Bilanz
Für das Polizeikommissariat Mellendorf zog PK-Leiter Jochen Sachweh Bilanz: Entscheidend für 2020 sei alles um das Thema Corona gewesen, aber auch das Verkehrsaufkommen. Erneuern könne er auf jeden Fall seine Feststellung aus 2019: Die Gemeinde Wedemark sei weiterhin sicher. Das Straftatenaufkommen sei leicht gestiegen, die Anzahl der Delikte nahezu konstant, die hier vor Ort bearbeitet würden. 2021 zeichne sich aktuell ein Rückgang an Straftaten bei steigender Aufklärungsquote ab. Unverändert sei der Bereich Körperverletzung, dabei hätten mit Blick auf Corona viele gedacht, das steigere sich deutlich. Das sei aber für die Wedemark bisher nicht festzustellen. Einen geradezu signifikanten Rückgang gebe es bei den Eigentumsdelikten, insbesondere beim Einbruchdiebstahl. Dafür würden aber mehr Sachbeschädigungen angezeigt, insbesondere auch Graffitis. Betrugsdelikte seien rückläufig.
Beim Verkehrsunfallgeschehen habe die Polizei trotz steigenden Verkehrsaufkommens einen Rückgang bei den Verkehrsunfällen festgestellt, eine Tendenz, die sich auch in den ersten fünf Monate diesen Jahres fortsetze: Weniger Unfälle, weniger Verletzte, weniger Unfallfluchten. Nach Sachwehs Einschätzung könnte dies durchaus der veränderten Mobilität in Pandemiezeiten geschuldet sein, aber auch dem, Ende der Bauarbeiten auf der A7. Im Jahr2020 habe es keine Unfalltoten gegeben, einen Rückgang bei den Schwerverletzten, dafür aber mehr Leichtverletzte, und auffällig mehr Unfälle mit Radfahrern. „Da sieht man das veränderte Verkehrsverhalten. Es gab fast doppelt soviele Unfälle mit Radfahrern wie im Jahr davor, dabei fünf Schwer- und 41 Leichtverletzte. Die Zahl der Unfälle mit Fußgängerbeteiligung sei im Vergleich zum Vorjahr gleichgeblieben. In diesem Jahr habe es leider am 12. Mai einen tödlichen Verkehrsunfall an der L 190 in Scherenbostel gegeben. Da die Untersuchungen noch liefen, könne zur Unfallursache noch keine Aussage getroffen werden. Während es 2020 weniger Unfallfluchten gebeben habe, verzeichnete die Polizie bei den Wildunfällen einen deutlichen Zuwachs: Fast 27 Prozent aller Verkehrsunfälle in der Wedemark waren 2020 Wildunfälle.
Corona habe seine Kollegen viel beschäftigt, trug Sachweh vor. Bis Ende letzten Jahres habe es 133 coronabezogene Ereignisse gegeben: Verstöße gegen Kontaktbeschränungen, gegen die Maskenpflicht und gegen die Ausgangssperre. Als besondere Einsatzlage benennt der Kommissariatsleiter den schweren Verkehrsunfall am Hartmannshof mit einem vierjährigen Kind: Als ein Lastwagen beim Rechtsabbiegen vom Hartmannshof auf die L 190 mit dem Anhänger auf den Gehweg gerät wird die dort am Straßenrand wartende Vierjährige schwer verletzt. Den einjährigen Bruder kann die Mutter gerade noch aus der Karre reißen. Doch dieser Unfall hatte Konsequenzen: Inzwischen stehen auf der Wedemarkstraße Blechschilder, die die Lastwagen leiten und Abbiegemanöver im spitzem Winkel komme nicht mehr oft vor. Zudem habe man Routenveränderungen bei den Navigationsgeräten veranlasst, erklärte Sachweh. Das zweite Ereignis, das die Polizei in der Wedemark im letzten Jahr beschäftigt habe, sei eine Miniraubserie am 15. und 22. September gewesen, als zunächst ein Deko-Geschäft in Bissendorf und dann die Esso-Tankstelle in Mellendorf überfallen worden seien. Kommissar Zufall und aufmerksame Kollegen hätten dazu beigetragen, dass der Täter am 26.September festgenommen werden konnte, bevor er einen zweiten Überfall auf die Tankstelle in Mellendorf ausführen konnte. Das Handwerk legen konnte die Polizei auch einem
27-jährigen Mann, der mehrfach festgenommen wurde, als er versuchte, zuvor entwendete Fahrräder über Ebay-Kleinanzeigen auf offener Straße zu verkaufen, und das quer durch die Region. Das Verfahren gegen ihn laufe noch. Keine Ergebnisse habe die Fahndung nach einem Paketboten gebracht, der ein älteres Ehepaar in Bissendorf überfallen und beraubt habe. Im April hätten die Polizei, die Feuerwehr und weitere Rettungskräfte umfangreiche Suchmaßnahmen nach einem 60-jährigem Mann in Forst Rundshorn beschäftigt, der trotz aller Anstrengungen bisher noch nicht wieder aufgefunden werden konnte.
Größere öffentlich Veranstaltungen oder Eishockeyspiele mit Zuschauerbeteiligung habe es coronabedingt nicht gegeben. Zugenommen habe jedoch die illegale Müllentsorgung. „Wir haben einen sehr großen Anstieg an verschiedenen Stellen, von Bauschutt bis Hausmüll, und würden uns über Hinweise freuen“, regte der Mellendorfer Kommissariatschef an. Präventionsarbeit sei 2020 nur sehr begrenzt möglich gewesen, aber das Infotelefon der Polizei habe sich bewährt. Nächste Woche sei das neue Infomobil der Polizei Burgdorf an zwei Tagen in der Wedemark unterwegs (siehe Bericht auf Seite 16). Auch an Jochen Sachweh richtete Bürgermeister Helge Zychlinski ein herzliches Dankeschön: „Dass die Wedemark sicher ist, ist auch Ihnen und Ihren Kollegen zu verdanken. Unser Ordnungsamt schätzt die Zusammenarbeit sehr.
Rundblick der Feuerwehr
Komplettiert wurde das Trio der Bilanzen beim „Blaulichtabend“ von Gemeindebrandmeister Maik Plischke. Die Zahl der Aktiven sei mit 572 gegenüber 549 im Vorjahr gestiegen. Da die der Jugendfeuerwehrmitglieder von 145 auf 130 gesunken sei, sei erkennbar, dass es viele Übertritte aus dem Jugendbereich in die aktive Wehr gegeben habe. Bei mittlerweile 68 Kinderfeuerwehrmitgliedern sei klar, dass die Feuerwehr Wedemark ihren Nachwuchs selbst generiere, so Plischke. 240 Einsatzstellen habe die Feuerwehr Wedemark im vergangenen Jahr abgearbeitet, 27 weniger als im Jahr davor. 409 Alarmierungen habe es gegeben, nur 77 davon seien Brandeinsätze gewesen. Auch die Feuerwehr habe festgestellt: Wenn die Menschen zuhause sind, passieren auch weniger Unfälle. Die klimabedingten Einsätze hätten sich an diese Regel aber nicht gehalten. 70 Unwettereinsätze habe es für die Feuerwehr gegeben.
Corona habe die Kameraden sehr getroffen, denn eine freiwillige Feuerwehr werde wie ein Sportverein behandelt, führte Plische aus: „Wir dürfen unsere Jugendarbeit nicht wahrnehmen, aber müssen rund um die Uhr Einsätze abwickeln, wir würfeln die Teams zusammen, habenBedingungen zu erfüllen und Mindestabstände einzuhalten, auch inden Fahrzeugen.
Der Corona-Effekt: Alle sind imHomeoffice, wir haben eine Super-Tagesverfügbarkeit, aber keine Sitzplätze, um die Kameraden an die Einsatzstelle zu kriegen“, zog der Gemeindebrandmeister Bilanz. Die Feuerwehr habe versucht das mit dem verstärkten Einsatz von Mannschaftstransportwagen und veränderten Ausbildungskonzepten zu kompensieren. Doch Kameradschaft und Ausbildung sei letztes Jahr komplett nicht möglich gewesen. „Wir haben ein Jahr komplett verschenkt, um Kameraden auszubilden, und ich befürchte, dass wir das nicht wieder aufholen können, gab Plischke zu bedenken. Jetzt ließen es die Ortswehren verhalten wieder angehen. Doch wir gehen davon aus, dass die vierte Welle kommen wird, also müssen von uns selbst erwarten, dass wir für die Einsatzfähigkeit aufgestellt sind, und müssen vorsichtiger sein als andere“, so Plischke.
Disziplin und Hygiene
Quarantäneanordnungen habe es für die Feuerwehr Wedemark nur in Einzelfällen gegeben, während woanders Wehren komplett ausgefallen seien. Selbstdisziplin und Hygiene seien die Maßstäbe gewesen, an denen sich die Feuerwehr Wedemark selbst gemessen habe – mit Erfolg. Man habe sich früher viele Szenarien ausgemalt, auch zusammen mit der Verwaltung, von Großschadensereignissen bis Stromausfall. Aber Krankheiten wie Corona habe man nicht auf dem Schirm gehabt, räumte Plischke ein. Jetzt nach diesem Jahr müsse die Feuerwehrarbeit auch auf Gefahrenabwehr runterbrechen. „Egal, ob wir Corona als Kranheit oder biologischen Unfall begreifen, wir müssen es ebenso behandeln wie Naturereignisse, Sabotage, Terrorakte oder durch Menschen verursachte Ereignisse und daraus lernen“, mahnte der Gemeindebrandmeister an die Ratsmitglieder gewandt. Sein Appell an die Politiker: „Sie müssen verstehen, und auf allen Ebenen dafür sorgen, dass wir Zivilschutz betreiben und Gebäude ertüchtigen können und Möglichkeiten haben, Menschen in Massen unterzubringen und einige Tage zu versorgen. Dafür brauchen wir Notstromversorgung, Wasser und Beatmungsgeräte!“