Ebeling wünscht sich Wohnungen

Rundgang durch den Hallenkomplex des Logistikunternehmens Ebeling in Gailhof: Bürgermeister Helge Zychlinski (von links), Viola, Georg und Hendrik Ebeling, Prokurist Oliver Kilian und Wirtschaftsförderin Antonia Hingler.
 
„Einmal im Führerhaus eines Lkw sitzen“. Diesen Kindertraum musste sich auch Bürgermeister Helge Zychlinski erfüllen. Unternehmer Georg Ebeling hatte nichts dagegen einzuwenden.
 
Interessiert folgte Bürgermeister Helge Zychlinski (rechts) den Ausführungen von Georg Ebeling, was es für ein so großes Logistikunternehmen alles an Vorschriften zu beachten gibt. Fotos: A. Wiese

Unternehmer formuliert konkrete Vorstellungen in Richtung Gemeinde

Gailhof (awi). Zum Auftakt seiner Sommertour besuchte Bürgermeis-ter Helge Zychlinski am Dienstag zwei Stunden lang das Logistikunternehmen Ebeling am Standort in Gailhof. Er informierte sich beim Geschäftsführer Georg Ebeling persönlich über den Stand des Unternehmens und fragte: „Was können wir für Sie tun und was können Sie für die Wedemark tun?“
Die detaillierte Antwort auf den ersten Teil seiner Frage verblüffte den Bürgermeister ein wenig. Denn die lautete: Weiterhin hohe Flexibilität und kurze Bearbeitungszeiten im Bürgerbüro gewährleisten, bezahlbaren Wohnraum für unsere Fahrer schaffen und bei der Ausweisung von Gewerbeflächen kleine Handwerksbetriebe berücksichtigen.
Zunächst einmal hatte Firmenchef Georg Ebeling aber sein Unternehmen kurz porträtiert, was bei einer 90-jährigen Firmenhis-torie schon eine Herausforderung darstellt. Inhabergeführt in dritter Generation beschäftigt das Logistik-unternehmen mittlerweile 450 Mitarbeiter und hat 150 Lastwagen in eigenem Besitz. Auf 100.000 Quadratmetern Firmengelände mit 40.000 Quadratmetern Lagerfläche gibt es bis zu 100.000 Palettenstellplätze. Der letzte Neubau ist gerade im April fertig geworden. EDEKA errichtet darin unter anderem eine riesige Kühlzelle, die dann von Ebeling bewirtschaftet wird. Ebeling ist ISO-9001- und ISO-14001-zertifiziert, außerdem auch als Entsorgungsfachbetrieb, Zolllager und reglementierter Beauftragter. Möglich geworden sei das stetige Wachstum durch langfristige Finanzplanung, betonte Firmenchef Georg Ebeling, der im Betrieb von seiner Frau Viola und seit drei Jahren auch von Sohn Hendrik unterstützt wird. Sein Vater Georg Ebeling senior sei 2011 ausgeschieden, er selbst habe die Weichen so gestellt, dass er mit 60 Jahren gehen könne und mit 65 gehen müsse, erklärte Ebeling. Beide Söhne ständen in den Startlöchern und würden den Familienbetrieb übernehmen.
Die erste Halle wurde auf der grünen Wiese in Gailhof vor 21 Jahren gebaut, heute sei das frühere Fuhrunternehmen ein reiner Logistikbetrieb und habe den Fokus nicht mehr auf der Straße. Die 150 Lastwagen würden nur für „sinnvolle Touren“ eingesetzt, erläuterte Ebeling dem Bürgermeis-ter. In erster Linie seien das Lebensmitteltransporte für Supermärkte wie EDEKA und REWE sowie Discounter wie KIK und Rossmann. Doch seine Fahrer sind auch europaweit unterwegs, haben als Ziele „alles, was man in etwa 20 Stunden Fahrzeit plus Fähre“ erreichen kann, fahren nach Island, Malta, Zypern, in die Türkei und auch nach Großbritannien. Damit hat der Brexit Auswirkungen auf das Wedemärker Unternehmen, was Genehmigungen, Versicherungen, die Führerscheine und Aufenthaltsgenehmigungen seiner Fahrer und vieles mehr betrifft. Doch wie genau sich der Brexit auswirken wird, kann auch Georg Ebeling zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.
Auf dem Firmengelände in Gailhof sei „dank einer sehr flexiblen Gemeinde und Region“, so Ebeling, mittlerweile alles überbaut, was überbaut werden könne. Er habe in diesem Jahr seine letzte Halle fertiggestellt. Seine Söhne könnten später theoretisch noch auf dem Parkplatz in der Mitte des Geländes Gebäude errichten, nur mache das wenig Sinn. Bei über 200 Rampenkontakten täglich brauche man Platz für die Fahrzeuge. Ebeling lagert in seinen Hallen auch Sprengstoff. Was sich so gefährlich anhört, sind allerdings „nur“ tonnenweise Silvesterfeuerwerk zum Jahresende ab Oktober und im Januar kurzzeitig noch mal die Rückläufer. Dann wird die explosive Fracht in Bunker des Militärs gebracht. Das Logistikunternehmen in Gailhof ist zudem Umschlagplatz für MTU, kommissioniert die Bordshops für Lufthansa und German Wings, zwei Tankzüge fahren die Farbe Schwarz aus Celle nach England und Irland. Und das ist nur ein kleiner Hinweis auf die Vielseitigkeit des Unternehmens. Kurz geht Georg Ebeling auch noch auf das gesellschaftliche Engagement seiner Firma ein, streift die Themen Klima- und Umweltschutz und wird dann konkret. Man habe ihn gebeten, seine Wünsche an Politik und Verwaltung zu nennen und da sei man verwöhnt, was die Bearbeitungszeit der Firmenanliegen im Rathaus betreffe. Immer wieder höre er jetzt von Kollegen in anderen Städten von vier bis sechs Wochen Wartezeit zu An- und Abmeldungen von Fahrzeugen oder Sondergenehmigungen. „Wir sind auf spontane Aktionen angewiesen und hoffen, dass das mit dem Bürgerbüro der Gemeinde auch weiterhin möglich ist“, so Ebeling ernst. Ebenso wichtig sind ihm bezahlbare Wohnungen für seine Fahrer im Gemeindegebiet. „Wir als Firma gehen für unsere, meist ausländischen Fahrer auf Wohnungssuche und in der Wedemark finden wir nichts. Die letzten Wohnungen haben wir in Hambühren bei Celle angemietet. Die Gemeinde muss bezahlbaren Wohnraum schaffen!“ Das sehe er genauso und dafür seien mit den Baugebieten Diersrahe in Bissendorf und Bäckkamp in Elze auch bereits die Weichen gestellt, versicherte Bürgermeister Helge Zychlinski.
Außerdem brauche die Wedemark unbedingt Gewerbeflächen für den kleinen Handwerker, mahnte Ebeling an, und keine riesigen Hallen. Auch hier signalisierte Zychlinski Zustimmung. „Anfang August präsentiere ich einen Vorschlag für den Neuen Hessenweg“, verriet der Bürgermeis-ter. Umgekehrt sei es die Summe an Kleinigkeiten, wovon die Gemeinde ihrerseits profitiere, gab Ebeling zu bedenken und sprach zum Beispiel „erhebliche Umsätze im Bürgerbüro“ an. Hier musste ihn der Bürgermeister allerdings enttäuschen: „Davon haben wir als Gemeinde gar nichts. Die Gebühren für An- und Abmeldungen, Sondergenehmigungen und mehr werden eins zu eins an die Region weitergereicht.“ Aber dafür finanziere natürlich die Gewerbesteuer den anderen Aufwand mit, räumte Zychlinski ein, der von dem zweistündigen Besuch und der Führung durch die Hallen eine Menge mitnahm, wie er versicherte. Begleitet wurde er von seiner Wirtschaftsförderin Antonia Hingler, die zwar eigentlich Urlaub hatte, sich aber die Chance auf einen Einblick in das Logistikunternehmen Ebeling nicht entgehen lassen wollte, und daher mit ihrer Familie an der Betriebsbesichtigung teilnahm.