Ein Besuch im „Märchenwald“

Klaus Stannek an seinem Lieblingsplatz in seinem Garten. Hier beobachtet er gerne abends die Fledermäuse. Foto: M. Rutkowski
 
Klaus Stanneks Experimentierfreudigkeit gibt seinem Garten einen besonderen Charakter. Foto: M. Rutkowski

Klaus Stannek stellt im Rahmen der Aktion „Offene Gärten“ seine Leidenschaft vor

Wennebostel-Wietze (mr). Wenn man Klaus Stanneks Garten betritt, meint man für einen kurzen Moment die Realität zu verlassen. Eine Pflanzenwelt mit unterschiedlichsten Facetten erweckt den Eindruck eines magischen Märchenwaldes. Vorbei an einem kleinen Teich in dem ein Mikrokosmos sein zuhause gefunden hat, entlang schmaler Wege, die an Rhododendron und Moorbeetpflanzen vorbei zu Gemüsebeeten führen, scheint es bei jedem Schritt fast so, als habe der Garten seinen eigenen Puls. „Für mich ist die Pflege des Gartens meine Berufung. Ich schöpfe Kraft aus ihm und er beruhigt mich“, erzählt der Motorrad- und Reitliebhaber. Er war schon als Kind davon überzeugt in seinem späteren Beruf mit Tieren oder Pflanzen zu arbeiten. Seit 30 Jahren ist er nun leidenschaftlicher Gärtner und Inhaber des Gartenbaubetriebes „florus“. Die Teilnahme an der Aktion „Offene Gärten in der Wedemark“, eine Initiative des Verschönerungs- und Naturschutzvereins Bissendorf e.V. sowie des Bürger- und Verschönerungsvereins Mellendorf e.V, schreibt er seiner Kontaktfreudigkeit zu. Mit einem breiten Lächeln begrüßte er jeden seiner Gäste, die am letzten Samstag, trotz der grauen Wolken den Garten besuchten. Begeistert führte er sie auf den schmalen Wegen durch seinen Garten, während er zu jeder seiner Pflanzen eine Erzählung parat hielt. Auf die Frage, welcher Ort sein liebster in diesem vielseitigen Garten sei, antworte er: „Der Teich vor meinem Haus. Abends fliegen oft Fledermäuse über den Teich. Das ist sehr schön anzusehen.“
Das Geheimnis seines Gartens ist die Standortgerechtigkeit und wenig Technik. In seinem Märchenwald wachsen nur Pflanzen aus der Natur der Wedemark. „Die Natur ist unser bester Lehrmeister. Sie sagt uns, welche Pflanzen hier wachsen können.“ Er selbst bezeichnet seine Grünanlage deshalb als „naturnahen Bauerngarten“. Obwohl er fast ausschließlich Gewächse aus der näheren Umgebung anpflanzt, sieht dieser noch lange nicht so aus, wie jede andere Grünanlage. Stannek ist experimentierfreudig. So hat er einen Spindelbusch, ein Bodendecker, an seiner Hauswand entlang wachsen lassen, um herauszufinden, ob diese in die Höhe wachsen kann. Sie konnte und das mit viel Erfolg. Eine Kletterhortensie ließ er an einem Baum emporwachsen, um sie in ihrem Wachstum nicht einzudämmen. „Normalerweise wachsen diese Pflanzen nur an Häusern. Ich wollte herausfinden, wie hoch sie wächst, wenn ich ihr genügend Platz gebe.“ Eine andere Besonderheit seines 2000 qm großen Bauerngartens ist das Fehlen von jeglichem Rasen. Eine Tatsache, die viel Arbeit mit sich bringt, denn wo kein Rasen ist, findet man hier eine Vielzahl unterschiedlichster Pflanzen, die viel Pflege benötigen. Mit Hilfe seiner Ehefrau Sylvia investierte er vor dem Beginn der Aktion „Offene Gärten in der Wedemark“, die 2003 begann, täglich vier bis fünf Stunden in seine Leidenschaft. Heute sind es wöchentlich bis zu drei Stunden. Und nicht nur das Ehepaar erfreute sich bislang an dem Garten. Auch ihre beiden Töchter spielten begeistert im Grünen ihrer Eltern. Sie bekamen sogar ein kleines Märchenhäuschen inmitten des Gartens und durften mit Kaninchen, Meerschweinchen und Zwergwachteln spielen, die Vater Klaus bis heute in seinem Garten hält.
Klaus Stanneks Garten ist für ihn nicht nur eine Grünanlage, sondern seine „Liebe“, wie er ihn liebevoll bezeichnet. Alleine hätte er diesen Garten jedoch nicht realisieren können. „Ich bin sehr froh, dass meine Frau mich bei meiner Leidenschaft unterstützt“, sagt Stannek. „Als ich sie bei unserem ersten Tanzabend fragte, ob sie sich traue auch mal eine Schubkarre zu schieben, musste sie gedacht haben, ich sei verrückt.“ Ein bisschen Verrücktheit hat Klaus Stannek anscheinend nicht geschadet. Wie man weiß, hatten die bekanntesten Künstler die außergewöhnlichsten Ideen. Und eins ist Klaus Stanneks Garten in jedem Fall: Ein Kunstwerk.