Ein hundertster Geburtstag

Regionspräsident Michael Dette und Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas überbringen Urkunden und Geschenke an die Jubilarin, die im Kreis ihrer Familie ihren 100. Geburtstag feiert. Foto: E. Rodenbostel

Mellendorferin kann bei guter Gesundheit feiern

Mellendorf (er). Einen hundertsten Geburtstag bei so guter Gesundheit zu feiern ist wunderbar. Gesine Dlugosch konnte am vergangenen Mittwoch ihren runden Geburtstag in ihrer vertrauten Umgebung erleben.. Seit 1989 ihr Mann verstorben ist, wohnt sie im Obergeschoss im Haus ihrer Tochter und des Schwiegersohnes in Mellendorf. Nachdem sie 1920 in Oberschlesien, zehn Kilometer südlich von Oppeln im Ort „Frühauf“ geboren wurde, kam sie 1955 nach Hannover. „Mein Mann hat mich angefordert“, erklärt sie. Durch das DRK kam es damals zu Familienzusammenführungen und ihr Mann war schon seit Jahren in Hannover. Sie hatten sich zum letzten Mal 1945 gesehen, als die Tochter am 2. Januar geboren wurde. „Um unsere Tochter sehen zu können, hat mein Mann, mit einer Schulterverletzung, aus Stalingrad frei bekommen.“ Zu seinem Glück, denn in dieser Zeit wurde Stalingrad eingekesselt. Nach der Zeit bei der Wehrmacht arbeitete er zunächst im Tiefbauamt, später bei der Freiwilligenannahme der Bundeswehr. Frau Dlugosch versorgte Haus, Kind und einen kleinen Garten. Von ihren vier Geschwistern ist sie die Älteste, aber auf Nachfrage vom stellvertretenden Regionspräsidenten Michael Dette: „Haben Sie ein Rezept für ihr hohes Alter?“, konnte sie nur den Kopf schütteln und meinte: „Meine Mutter ist auch schon 98 Jahre geworden. Das sind wohl gute Gene.“ Die Glückwünsche der Nachbarn waren individuell, einer sagte sehr nett bei der Verabschiedung: „Es war mit eine Ehre, ihnen zu ihrem Geburtstag gratulieren zu dürfen.“ Ein anderer überreichte ein selbstgeschriebenes Gedicht über die Freude, die Nachbarin noch so gut zu Fuß zu erleben. Nach der Hüftoperation vor drei Jahren, als sie im Krankenhaus nach der Notwendigkeit lebenserhaltender Maßnahmen fragten, hat die Tochter die Aufgaben nach einer Operation nicht mehr der Reha überlassen. Die Schilddrüsenoperation mit 98 Jahren ist ebenso erfolgreich verlaufen und die Narbe fast nicht mehr sichtbar. „Es ist wirklich toll, wie gut es ihnen heute wieder geht,“ fand die Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas anerkennend, die seit etwa sieben Jahren immer gern zur Feier des Geburtstages von Gesine Dlugosch kommt. Tochter und Schwiegersohn haben sich komplett auf die Versorgung der Mutter eingestellt. Einmal wöchentlich geht diese zur Tagespflege nach Bissendorf, und einmal jährlich gönnen sich die Kinder eine Woche Urlaub auf Sylt. An den anderen Tagen nehmen sie Frühstück und Mittag gemeinsam unten ein, Kaffee und Abendbrot wird oben bei der Mutter gegessen. Nach dem Fernsehabend kommt die kurze Hilfestellung beim ins Bett gehen und dann kann ab etwa 22.30 Uhr die Nacht beginnen. Außer einem Treppenlift und manchmal einem Rollator ist keine Hilfe nötig und das Gedächtnis funktioniert auch noch super. Der hundertste Geburtstag begann früh mit dem Friseurtermin von einer Verwandten. Schon bald erschienen erste Gäste und auch am Nachmittag wurde weiter gefeiert. Ein besonderer Geburtstag braucht seine Zeit.