Ein Jahr in Ghana

Kreative Ideen einfach umsetzen, wie man es will: Für viele Kinder in Ghana eine neue Erfahrung.
 
Sogar Möbel für eine Bibliothek haben sie gebaut.

Was junge Freiwillige sozial bewirken können

Wedemark (elr). “Die Hälfte von dem, was man hier im Supermarkt findet, braucht man eigentlich gar nicht.“ Das ist eine der vielen Erkenntnisse, die der 19-jährige Lasse Bruns aus Wedemark gesammelt hat, nachdem er ein Jahr lang in Ghana gelebt hat. Genauer gesagt in Vakpo, einem Dorf mit 3.000 Einwohnern. Es liegt knapp 150 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Accra entfernt, jedoch spürt man dort nichts von der Großstadt-Atmosphäre: Laufend gibt es Stromausfälle und fließendes Wasser hat dort kaum jemand. Jede Familie hat einen eigenen, filternden Wassertank neben dem Haus, zu dem man jedes Mal gehen musste, wenn man für irgendetwas Wasser brauchte, erinnert sich der Abiturient. Egal ob der Toilettenbesuch, Wäsche waschen oder Kochen – der 20 Meter weite Weg mit Eimern musste jedes Mal eingeplant werden.

Für Lasse Bruns stand es, wie für viele in seinem Alter, schon von Anfang an fest, dass er nach dem Abitur nicht direkt studieren wollte. Zuerst wollte er die Welt sehen, Erfahrungen sammeln, etwas erleben. Relativ spontan hat er sich für Ghana entschieden, nachdem seine Mutter im Echo einen Artikel über die Freiwilligenorganisation OSDA gelesen hatte. Die, zu Deutsch, Organisation für strategische Entwicklung in Afrika, organisiert seit 2011 Freiwilligenprojekte. In Zusammenarbeit mit der Freiwilligenorganisation Weltwärts und dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen werden Auslandsaufenthalte für junge Erwachsene aus Deutschland sowie Afrika ermöglicht, mit dem Ziel, nachhaltige Projekte sowie Schul- und Umweltbildung in Ghana und Südafrika zu fördern.

Und genau das hat er zusammen mit zwei weiteren Ehrenamtlichen getan: als Weltwärts-Freiwilliger hat er Kurse und Clubs an der Junior High School in Vakpo geleitet. „Er hat aber nicht die Arbeit eines Lehrers übernommen oder weggenommen“, betont Organisatorin Gloria Damanka. Die jungen Erwachsenen seien lediglich Unterstützung für die studierten Lehrer in Ghana. Sie wollen den Kindern helfen, genau wie sie einen Perspektivenwechsel zu erleben. Mithilfe von kreativen sowie sportlichen Clubs, wie zum Beispiel einem Recycling-Club oder einem Fußball-Club, sollen die Kinder lernen, freier, ideenreicher und eigenständiger zu denken. Viele Kinder dort seien nämlich geprägt von der strengen Hierarchie und Arbeitsweise der Schule, sodass es vielen nicht leichtfällt, aus dem „Gerade-aus-Denken“, wie Lasse Bruns es nennt, herauszukommen.

Stolz berichtet er davon, wie er nach nur einem Jahr schon bemerkt hat, dass die Arbeit von ihm und seinen Mitfreiwilligen etwas bewirkt hat: Die Kinder kamen mehr und mehr aus sich heraus und verloren langsam, aber stetig die Angst, etwas Falsches zu sagen. Denn für manche Lehrer in Ghana ist es noch heute üblich, mit Strafen und Gewalt zu arbeiten. „Dass es bei kreativen Aufgaben mehr als nur „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, kannten die Schüler gar nicht“, mussten die Freiwilligen feststellen, als sie mit den Kindern Bilder malten. Auch sind viele Kinder nie aus Vakpo herausgekommen, da es einfach keinen Grund für sie gab: Der Ausflug mit den Freiwilligen zum Flughafen in Accra war demnach ein echtes Erlebnis für die sechs- bis 17-jährigen. Die Rolltreppe habe sie besonders begeistert.

Ein langfristiges Ziel der OSDA ist es, den Kindern in Ghana deutsch unterrichten zu können, oder sogar eine sogenannte Pasch-Schule zu eröffnen – also eine deutsche Schule im Ausland. Doch auch für Deutschland haben sie Ziele: die Vorurteile und Berührungsängste vor dem westafrikanischen Land abzubauen.

Somit ist dieses Auslandsjahr in Ghana, das jedes Jahr mit zwei oder drei Freiwilligen geplant wird, nicht nur für die Deutschen eine wahre Erfahrung fürs Leben, sondern auch für die Menschen vor Ort. Für nächstes Jahr werden noch Freiwillige gesucht, um die begonnenen Projekte an der Junior High School weiterzuführen oder neue zu beginnen. Lasse Bruns würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Bis Mittwoch, 6. November, werden Bewerbungen von 18 bis 28-jährigen entgegengenommen. Mehr Informationen gibt es unter der E-Mailadresse info@osdaev.org.