Ein kräftiger Ruck reicht

Wilfried Weihen (rechts) hat die Zugkette an einem Kulturheidelbeerbusch befestigt, Bernd Lange gibt Haflinger Amon das Kommando zum Rückeinsatz. Foto: B. Stache

Mit dem Haflinger geht es der Heidelbeere im Helstorfer Moor an den Kragen

Helstorfer Moor (st). Mit einem kräftigen Ruck am Geschirr und dem Kommando „Steh“ ist die Arbeit für Amon, den 18-jährigen Haflinger-Wallach von Forstunternehmer Bernd Lange aus Bad Oeynhausen, erst einmal geschafft. Im Helstorfer Moor kommt das bewährte Team aus Pferd und Mensch beim Herausziehen von Kulturheidelbeerbüschen zum Einsatz. Die bis zu drei Meter hohe, ursprünglich aus Nordamerika stammende buschige Pflanze, ein sogenannter „invasiver Neophyt“, hat sich in den vergangenen zehn Jahren geradezu explosionsartig in den Mooren der Hannoverschen Moorgeest ausgebreitet. Die Früchte der seit etwa 80 Jahren in Deutschland auf Plantagen kommerziell angebauten Kulturheidelbeere werden von Menschen geschätzt und geerntet, sie stehen aber auch auf dem Speisezettel vieler Vögel und Kleinsäuger. Über den Tierkot verbreitet sich die Pflanze. „Kulturheidelbeeren gefährden die Artenvielfalt in den heimischen Mooren“, erklärt Günter Wendland, Leiter des Teams Naturschutz Ost der Region Hannover. „Sie zerstören die natürliche Artenzusammensetzung, die sich über Jahrtausende eingestellt hat. Ihr dichter und hoher Wuchs lässt kaum Licht für die niedrigwüchsige Moorvegetation übrig.“ Und so kommen Amon und Bernd Lange zum unermüdlichen Einsatz und ziehen Pflanze um Pflanze aus dem moorigen Boden. Ein Maschineneinsatz in diesem Gelände steht außer Frage. „Das Pferd arbeitet umweltfreundlich und richtet keinen Schaden an“, versichert Lange. Ein Zurückschneiden der Kulturheidelbeerbüsche ist für Marcel Hollenbach vom Team Naturschutz der Region Hannover keine Alternative, da die Pflanze anschließend um ein Vielfaches wieder buschig austreibt. „Der Einsatz der Pferde hier im Helstorfer Moor ist ein Pilotprojekt“, so Hollenbach. Haflinger Amon und Kaltblut Bronco, ein weiteres Rückepferd des Forstunternehmers Lange, haben noch viel zu tun im Moor. „Das Pferd hat Freude an der Arbeit. Wenn es zu lange dauert, bis ich die Zugkette an einer neuen Pflanze angebracht habe, scharrt Amon schon unruhig mit den Hufen.“