Ein letztes Mal Abschied nehmen

In Gedenken an John Bonasoille versammelten sich am Donnerstag die Schwester des amerikanischen Soldaten, Paulette Gooch (2. v. r.), Enrico Schwartz, dessen Frau mit der kleinen Tochter, Dolmetscherin Tina Müller-Thanisch, Willi Gudehus, Pastor Joachim Sc

Schwester des 1944 in Meitze abgestürzten amerikanischen Soldaten noch einmal vor Ort

Meitze (awi). Bewegender Augenblick am Donnerstagnachmittag auf einer Pferdewiese der Familie Gudehus in Meitze: Pastor Joachim Schnell sprach auf Englisch ein paar einfühlsame Worte und einem Psalm für Paulette Gooch, die Schwester des 1944 kurz vor Kriegsende in Meitze auf eben dieser Wiese mit seinem Flugzeug und der gesamten neunköpfigen Crew abgestürzten amerikanischen Soldaten.
Im Oktober 2003 war es Enrico Schwartz und seinem Team vom MAACRT (MISSING ALLIED AIR CREW RESEARCH TEAM) gelungen, auf dem Feld der Familie Gudehus in Meitze die sterblichen Überreste von John Bonasiolle zu bergen, der im zweiten Weltkrieg mit seiner Bombercrew dort abgestürzt war (das ECHO berichtete). Im Anschluss an die Bergung kam es damals zu aufwändigen Untersuchungen seitens der US-Militärverwaltung, bis schließlich im August 2010 die sterblichen Überreste von John Bonasiolle auf dem Soldatenfriedhof in Colma in der Nähe von San Francisco mit militärischen Ehren beigesetzt wurden. Paulette Gooch erhielt in der Friedhofskapelle des Soldatenfriedhofs Colma durch Sergeant Bledsoe die posthume Auszeichnung für ihren Bruder John Bonasiolle. Am Donnerstag war jetzt Paulette Gooch, die schon damals im Oktober 2003 gemeinsam mit ihrem Sohn in Meitze war, zusammen mit einer Freundin im Rahmen
einer Deutschlandreise ein letztes Mal in die Wedemark gekommen, um Familie Gudehus und Pastor Joachim Schnell von der ehrenvollen Beisetzung zu berichten. Mit dabei war auch Enrico Schwartz, dessen großen persönlichen En-gagement Paulette Gooch es verdankt, dass sie auf diese Weise von ihrem Bruder Abschied nehmen konnte, der zehn Jahre älter als sie und zum Zeitpunkt des Absturzes gerade 20 Jahre alt geworden war. Auch Willi Gudehus, der als Siebenjähriger den Absturz erlebte, begrüßte die Gäste aus Amerika und lauschte den Worten von Pas-tor Joachim Schnell, der an die Ausgrabungen im Oktober 2003 erinnerte und an Paulette Gooch appellierte, die Chance zu nutzen, mit der Trauer jetzt endgültig abschließen zu können und ihren Schmerz in dankbare
„Dankbare Erinnerungen an einen jungen Mann, der sein Leben ließ im Kampf für den Frieden in einem fremden Land, weit weg von der Heimat“, so Pastor Joachim Schnell. Er wurde bei der Übersetzung unterstützt durch die in Elze lebende Kanadierin Tina Müller-Thanisch. Gemeinsam tauschten die Betroffenen auf der Wiese in Meitze Erinnerungen aus. Er selbst könne sich nur noch an wenige Details erinnern, berichtete Willi Gudehus, der damals sieben Jahr alt war. Die brennende Maschine sei auf dem Feld aufgeschlagen und habe einen Krater hinterlassen, den die Wehrmacht damals ganz schnell zugeschoben habe. Alle neun Besatzungsmitglieder seien sofort tot gewesen. Die Kinder habe man gar nicht an die Absturzstelle herangelassen. Später seien dann Amerikaner gekommen und hätten die Erde durchgesiebt und vieles mitgenommen, was sie hätten bergen können. Als Enrico Schwartz im Oktober 2003 ein zweites Mal konkrete Grabungen unternommen habe, sei unter anderem ein großes Teil vom Propeller geborgen worden, das man zwar versucht habe, zu präparieren, das sich dann aber doch mehr oder weniger aufgelöst habe. Und vor wenigen Tagen, berichtete Gudehus, habe eine Polizistin, die ihr Pferd bei ihm stehen habe, etwas gefunde, was möglicherweise von einer Bombe hätte sein können, sich dann jedoch vom vorsichtshalber alarmierten Bombenräumdienst als Teil des Motors identfiziert worden sei.