Ein Tag in Down Under

Die Wedemärker Gymnasiastin Inken Alber berichtet aus Australien

Wedemark/Sydney. Inken Alber gewann im Januar den Bengt-Pflughaupt-Preis für Nachwuchs-Journalismus, den das Wedemark ECHO 2011 zum zweiten Mal ausgelobt hatte. Nur wenig später verabschiedete sich die Wedemärker Gymnasiastin für ein Jahr nach Australien. Von dort informiert sie die Leser des ECHO über ihre Erlebnisse mit Land und Leuten: „ Ich bin jetzt seit knapp vier Monaten in Australien, in der Nähe von Sydney in einer super Gastfamilie.
Eigentlich kann man keinen typischen Tag beschreiben, weil jeder anders ist. Ich erlebe immer neue Sachen und mache irre viele Erfahrungen. Trotzdem hat sich ein Muster entwickelt, da auch hier die Schulpflicht herrscht. Ich wache morgens auf, in meinem wunderbaren Bett. Ich liebe es, weil es eine Wärmedecke unter der Matratze hat und ich jeden Abend warm einschlafe. Meistens habe ich Probleme damit um 6.45 Uhr aufzustehen. Als ich noch in Deutschland war, dachte ich das ich hier länger schlafen könnte als da, weil die Schule hier erst um 8.25 Uhr anfängt. Falsch gedacht. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich in Deutschland innerhalb von 10 Minuten in der Schule bin, indem ich ganz einfach hin gehe. Ich war es nicht gewöhnt 25 Minuten mit dem Bus zur Schule zu fahren. Das heißt, ich ziehe mir meine Schuluniform an, die aus einem sehr langen dunkelblauen Rock der bis unters Knie geht, einer schwarzen Strumpfhose, schwarzen Lederschuhen, einer blau-weiß karierten Bluse und einem dunkelblauen Blazer mit dem Symbol meiner Schule, besteht. Und ich muss meine Haare hochbinden. Was das betrifft, hat diese Schulregel uns Mädchen noch relativ gut getroffen, denn die Jungen müssen zum Friseur gehen, wenn die Lehrer finden, dass ihre Haare zu lang sind.
Dann esse ich etwas und mache mein Lunch für die Schule, was immer aus zwei Sandwiches mit Honig besteht. Das geht einfach am Schnellsten.
Meine Gasteltern haben die Gewohnheit einen Countdown runter zu zählen, was mich in meinen ersten drei Monaten etwas genervt hat, weil ich immer etwas schlecht organisiert war, was die Zeitplanung anging. Das lag daran, dass wir hier einen Plan haben, wer was wann im Haushalt macht. Ich war für die Geschirrspüle ausräumen eingeteilt, was theoretisch ja total okay ist, aber praktisch einfach zu viel Zeit in Anspruch nimmt, wenn man es morgens vor der Schule machen muss. Jetzt macht es meine 13- jährige Gastschwester Mia. Ich übernehme dafür das Tischdecken am Abend. Dann geht es um 7.30 Uhr los – meine Gasteltern fahren mich immer, bis auf Freitags, zur Bushaltestelle, was ich total gut finde. Am Anfang dachte ich, dass es etwas unnötig ist, weil ich ja auch hingehen kann. Aber mittlerweile bin ich wirklich dankbar, weil es mir reicht 1 Tag in der Woche hingehen zu müssen. Ich wohne am Fuß eines Berges am Strand. Es gibt Abkürzungen, dass ich nicht diese ganzen Straßen in Schneckenform um den Berg laufen muss, aber das bedeutet, dass ich einen extrem langen Weg mit bestimmt 200 Treppenstufen hoch laufen muss. Und dass ist echt Horror, wenn man gerade aus dem Bett kommt.
Wenn ich dann raus gelassen werde und 5 Minuten brauche um eine Straße runter zu gehen und die Straßenseite zu wechseln, warte ich auf den Bus 178. (Meine Gastfamilie setzt mich nicht direkt vor meiner Bushaltestelle ab, weil es direkt an einer Hauptstraße ist, wo morgens immer Stau ist. Und sie müssen ja auch noch Mia pünktlich absetzen.)
Die Situation mit dem Bus finde ich etwas lustig, weil ich es geschafft habe die ersten zwei Monate schwarz zu fahren. Das heißt, nach zwei Monaten, hat mich dann mal die Busfahrerin darauf angesprochen, weil es anscheinend sehr offensichtlich war. Ich bin nämlich die Einzige, die an dieser Bushaltestelle einsteigt. Und im Bus ist so ein Gerät, wo ich meinen Buspass reinstecken muss, dann piept es und ich bekomme ihn wieder. Bei mir hat es die ersten zwei Monate nicht gepiept, was im Nachhinein echt peinlich war. Ich wollte mir immer einen Buspass besorgen, aber ich habe dann erfahren, dass ich $50 dafür bezahlen müsste, weil mein Visa irgendwie anders ist. Und dann habe ich mir überlegt, dass ich einfach ohne etwas fahre, so lange niemand was sagt. Und weil ich immer die selbe Busfahrerin hatte, dachte ich, dass ich ihr am Ende meines Aufenthalts die 50 Dollar als Dankeschön gebe. Mittlerweile habe ich den normalen Buspass, lag wohl irgendwie an meiner Organisation, dass es doch geklappt hat. Dann sitze ich 25 Minuten Musik hörend da. Das heißt, nach ungefähr zehn Minuten steigt Elisa ein, ein Mädchen von meiner Schule aus dem 8. Jahrgang. Mit ihr rede ich dann, bis wir beide nur noch warten. Angekommen, wechsle ich mal wieder die Straßenseite, indem ein netter Mann namens Mr. Alexander sich in die Mitte auf eine Verkehrsinsel stellt und ein STOP Schild für die Autos hochhält. Ein einfaches ´Thank you´ und ein Lächeln, und er wünscht dir einen wunderschönen Tag. Ich finde es immer schön, es ist einfach ein schöner Start in den Schultag.
Dann gehe ich zu meinem Schließfach und packe meine Schultasche. Die Meisten laufen immer mit ihren Büchern für die nächsten 2 Schulstunden in den Händen rum, aber ich bevorzuge meine Tasche, die übrigens auch in dem Schulshop gekauft werden muss, weil die extra für meine Schule ist. Auch sie ist wieder mit dem Schullogo versehen. Am Schließfach treffe ich dann meine Freunde die ebenfalls in dem 10. Jahrgang sind. Wir hatten ungefähr 16 Mädchen als ich kam, dann hat die Eine nach dem 1. Term (1/4 des Schuljahres) die Schule gewechselt und eine Andere ist zurück nach Südafrika gegangen. Mittlerweile sind wir nur noch 14 Mädchen mit, ich glaube, 45 Jungen.
Nach diesem Term, verlasse ich die Schule, 3 Mädchen werden ebenfalls die Schule wechseln, eine, weil ihre Familie es sich nicht mehr erlauben kann ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken, die im Jahr 20.000 Dollar kostet.
Nachdem wir alle etwas reden, geht es auch relativ schnell in die erste Periode (Stunde). Jeder hat unterschiedliche Fächer, es kommt darauf an, wer was gewählt hat. Die Hauptfächer Erdkunde, Mathe (in drei unterschiedlichen Niveaus: 5.1, 5.2 und 5.3), Englisch (2 Niveaus, die nicht offiziell sind, aber wir uns so denken können), PDHPE (Gesundheit und Sport), Geschichte, Naturwissenschaften (beinhaltet Chemie, Biologie und Physik)) sind in getrennten Geschlechtern, während die Wahlkurse (Theater; Kunst; Essen und Textilien und Design und Technologie; IST; Französisch; Japanisch; Commerce; Essen und Technologie) mit Jungen und Mädchen stattfinden. Dann geht es auch schon in den Unterricht.
Zum Beispiel eine Doppelstunde Theater:
Es macht irre viel Spaß, unser Lehrer ist total locker. An Einzelstunden machen wir Theorie und an Doppelstunden Praxis. Meistens arbeiten wir dann an unserem Assessment, das ist eine Art Arbeit, die am Ende des Terms benotet wird.
In Term 1 hatten wir die Aufgabe Commedia del´ Arte zu spielen. Das ist ein normales Comedy-Stück, wo jeder seinen eigenen Charakter hat und wir zusammen die Szenen erarbeiten. Es gibt kein Skript das wir auswendig lernen müssen – in dem Punkt improvisieren wir. Aber es gibt ein grobes Handlungsschema nach dem wir spielen, um die Handlung voran zu bringen.
In Term 2 hatten wir einen Workshop, über körperliches Theater, da haben wir Pyramiden und andere athletische Figuren gelernt. Außerdem haben wir Übungen gemacht, um uns besser in die Charaktere hineinversetzen zu können.
Die Aufgabe bestand dann darin, das Gelernte in ein Szenario einzubringen.
Wenn wir an keinem momentanen Assessment arbeiten, machen wir Improvisationsübungen. Oder wir reden einfach mal nur über lustige Dinge die passiert sind, das letzte Wochenende oder andere Dinge, wie zum Beispiel ein Mann, der sich morgens immer in einen Bus schleicht und sich in die hinterste Ecke verkrümelt, um dort die anderen Mitfahrer auf eine sehr seltsame, unangenehme Weise anzugucken. Am Anfang war es etwas sehr neu und ich hatte etwas Sorgen Theater zu machen. Das lag daran, dass ich die alle (wir sind ungefähr elf Personen in dem Kurs) nicht kannte und es schwer war auf einer anderen Sprache zu spielen und zu reagieren. Aber mit der Zeit wurde es immer besser und mittlerweile macht es unglaublichen Spaß. Wenn die zwei Stunden um sind, haben wir 25 Minuten lang Form. Das ist etwas Organisatorisches, was in den jeweiligen Klassen mit dem jeweiligen Klassenlehrer abgehalten wird. Dort wird unter anderem das blinde Schreiben auf dem Computer geübt, da wir hier alle einen Computer von der Schule gestellt bekommen. Willst du keinen, musst du deinen eigenen Laptop bringen. Wir benutzen ihn nicht jede Stunde, es kommt immer darauf an und meistens sagen uns die Lehrer vorher Bescheid. Manchmal wird Form in Chapel oder Assembly getauscht. Das sind beides Versammlungen der Jahrgängen von 5-9 und von 10-12. Assembly ist ebenfalls Organisatorisches, aber die Schulleiter (es gibt 3: für das Girls-College; das Boys-College; und jemand für Beides, sozusagen ein vereinendes Glied) sind anwesend. Es ist extrem vormal, das bedeutet jeder Jahrgang hat seine eigene Reihe, die Schulleiter sitzen auf riesigen Stühlen, die an Königstühle erinnern, auf der Bühne, betreten aber erst die Halle, wenn alle Schüler leise da stehen und Respekt zeigen. Dann nehmen sie Platz und wir singen alle zusammen die Schulhymne. Dann nehmen wir ebenfalls Platz und hören zu was sie zu sagen haben. Das sind zum Beispiel die Ergebnisse der verschiedenen Sportvereine, die ihre Wettbewerbe haben. Normalerweise kommt dann jemand aus den Teams auf die Bühne und erklärt kurz was passiert ist.
Chapel ist eine kirchliche Version von Assembly, es sind ebenfalls die Schulleiter anwesend, bloß das ein Lehrer die Aufgabe eines Pastors übernimmt und uns etwas über die Bibel erzählt. Das erste Mal wo ich das mitgemacht habe, war ich etwas geschockt, weil es etwas danach klang, als würdest du deinen Glauben verleugnen, wenn du nicht JA zu neuen Gelegenheiten in deinem Leben sagst.
Etwas Besonderes in der Halle ist, dass sie ihre eigene Orgel hat. Wenn wir also etwas singen werden wir musikalisch begleitet. Entweder von ihr, oder von dem Flügel der vor der Bühne steht. Nach der Form Zeit haben wir Recess, das ist eine kleine Pause von ungefähr 20 Minuten, wo wir die Chance haben etwas zu essen und mit den anderen draußen zu sitzen und sich auszuruhen.
Danach geht es dann in die nächsten beiden Stunden.
Es folgt Lunch, eine Pause von 45 Minuten.
Die Meisten kaufen sich etwas in der Kantine, Mütter die Essen verkaufen. Denn diese verkaufen super Kekse, Sushi (die Australier lieben das!), Eis und andere Dinge.
Der Gelände ist riesig und es gibt verschiedene Gebäude mit verschiedenen Funktionen. Der Pausenhof befindet sich also überall, aber wir als Seniorschüler haben eine Terrasse mit Sonnenschutz, die von jedem genutzt wird.
Nach Lunch kommen die letzten beiden Stunden. In Englisch zum Beispiel, haben wir den ersten Akt von Romeo und Julia gelesen und dann die alte Version mit einem Projektor angeschaut. Das war etwas seltsam, weil wir direkt im Anschluss die neue Version gesehen haben, obwohl von der Handlung her, kaum Unterschiede sind. Aber der Englischunterricht ist sowieso immer sehr entspannt.
Vor ein paar Wochen haben wir Romeo und Julia im Opera House gesehen und sind pünktlich zum Englischunterricht wieder da gewesen um ihm alles zu erzählen. Nach 15 Minuten meinte er dann, dass wir genug Romeo und Julia für einen Tag hatten und wir durften die restlichen 40 Minuten auf einem Sofa liegen und Musik hören. Wenn die Klingel läutet können wir endlich den Unterricht verlassen. Was mich am Anfang etwas irritiert hat, ist dass hier jeder ein i-Phone besitzt und es in der Schule, in dem Unterricht benutzt und es einem sogar erlaubt ist, damit Musik zu hören, während man arbeitet. Es ist 3.25 Uhr nachmittags. Meistens gehen wir dann alle zu unseren Schließfächern und halten uns danach auf dem Pausenhof auf. Denn so gut wie jeder fährt mit dem Bus. Es gibt eine Bushaltestelle direkt vor der Schule, aber wir dürfen dort nicht warten, weil wir zu viele sind. Also müssen wir auf dem Schulgelände warten, bis die Lehrer unseren Bus, in meinem Fall den 780, aufrufen und damit die Schule vorbei ist.
In Balgowlah, so heißt einer der Nachbarorte, angekommen, gehe ich nach Hause.
Das ist dann so circa 4.15 Uhr nachmittags. Meistens esse ich dann Obst – meine Gastfamilie ernährt sich sehr gesund. Dann geht es an die Hausaufgaben, die extrem streng kontrolliert werden. Denn wenn du sie nicht machst bekommst du ein Demerit. Hast du fünf davon, bekommst du eine Detention, was so viel heißt wie Nachsitzen. Aber die Lehrer nehmen es mit mir nicht ganz so streng mit dem Hausaufgaben kontrollieren. Da mir dann meistens langweilig ist und es zu spät ist um etwas zu machen, sitze ich am Computer oder gehe mit Luna, einem der zwei Hunde, spazieren. Um 6.00 Uhr abends ist es schon dunkel und im Sommer, wenn es um diese Uhrzeit noch warm ist, essen wir alle zusammen auf dem Balkon unser Dinner – mit Blick auf das Meer und auf mehrere Hügel mit wunderschön beleuchteten Häusern. Nach dem Essen, schauen wir alle zusammen etwas fern, aber es kommt darauf an, was gerade läuft. Kurz bevor ich gegen 22 Uhr schlafen gehe, dusche ich und steige dann in mein wunderschönes, warmes Bett…