Ein warmes Dankeschön für Georg Kuske

Georg Wilhelm Kuske (l.) und seine Frau Lilo beim Emfpang im Anschluss an die offizielle Verabschiedung mit Pastor Joachim Schnell vor der Meitzer Kapelle. Foto: A. Wiese

Nach 54 Jahren als Kirchenmusiker geht der Meitzer Organist in den Ruhestand

Meitze (awi). „Abschied ist eine schwierige Angelegenheit, aber Freude und Dank überwiegen, dass ich dieses Amt so lange ausführen durfte und es so geschätzt wurde“, sagte ein sichtlich bewegter Georg Wilhelm Kuske am Sonntag bei seiner offiziellen Verabschiedung in der Kapelle in Meitze in den kirchenmusikalischen Ruhestand. Die Plätze in der Kapelle waren bis auf den letzten Platz besetzt und auch die Bänke vor der Kapelle auf dem Rasen boten keinen freien Sitzplatz mehr. 54 Jahre lang hat Georg Wilhelm Kuske für die Kirchengemeinde Elze und Meitze an der Orgel gesessen, sechs Generationen hat er teilweise in Meitzer Familien von der Taufe über die Hochzeit bis zur Beerdigung begleitet. „In den Sommerferien 1966 haben wir unseren ersten Besuch in Meitze gemacht und sind dabei auch in der Kapelle gewesen“, erinnert sich der heute 82-Jährige.
Mit dem Lehrerposten in der Dorfschule bekam er damals auch die Organistenstelle aufs Auge gedrückt und brachte sich die Cho-räle für den ersten Gottesdienst im Schnellverfahren selbst bei, denn zwar war Georg Kuske sehr musikalisch, doch hatte er bis dato nur Klavier und Cello, aber niemals zuvor die Orgel gespielt. Nach drei Jahren hätte er Meitze wieder den Rücken kehren können, das hatte er sich ausbedungen. Doch als es soweit war, wollte er gar nicht mehr. Der Heimatvertriebene und seine Familie hatten in Meitze als achte Lebensstation das lang gesuchte Zuhause gefunden, „in diesem Dorf, in dem wunderbare Menschen leben“. Georg Kuske begleitete Pastor Oelschläger bis ans Ende seiner Dienstzeit, anschließend von 1972 an Pastor Rettberg, der am Sonntag auch zur Verabschiedung Kuskes erschienen war, und nun bereits seit zehn Jahren Pastor Schnell. Kuske dankte seiner Frau für ihre Unterstützung und ihr Verständnis in diesen 54 Jahren, in der manch privater Termin den kirchlichen nachgeordnet werden musste.
Kreiskantor Christian Conradi gestand: „Herr Kuske nötigt mir Respekt ab: an einem solchen Tag selbst die Orgel zu spielen, nach einer solchen Ehrung.“ Conradi verlas das Grußwort des Kirchenmusikdirektors Martin Winkler aus Celle, erklärte an Kuske gewandt: „Ich bin sicher, dass Sie gespürt haben, welch wichtiger Schlüssel die Musik ist, um die Herzen der Menschen zu öffnen“, und der Kreiskantor sprach eine Einladung an Georg Kuske aus: „Wenn Sie einmal nach Burgwedel kommen, steht Ihnen die Orgel der St.-Petri-Kirche zur Verfügung. Probieren Sie alles aus, was das Ins-trument zu bieten hat. Es ist eine Gnade, solange Musik machen zu dürfen wie Sie!“
Pastor Joachim Schnell verlas die von Landesbischof Ralf Meis-ter verfasste Abschiedsurkunde für Georg Kuske, der nicht nur Organist, sondern auch Gründer und Leiter des Kirchenchors und Kirchenvorsteher gewesen war, und überbrachte ein Buchgeschenk von der Landeskirche und die Grüße von Superintenden Holger Grünjes.
Im Namen der Kirchengemeinde Elze-Meitze verkündete Günter Depke, Kuske habe sich 54 Jahre lang für das Gemeinwohl in Meitze und der ganzen Region eingesetzt. Heute gehe sein Lebenswerk offiziell zu Ende und es sei schön, dass die Meitzer an diesem Abschied in ganz besonderer Weise teilhaben dürften. „Mit Umsicht, Geschick und Liebe hast du für das Gemeinwohl gewirkt“, bescheinigte Depke dem scheidenden Kirchenmusiker. Es seien nie die lauten Töne, sondern die schönen und wahren Dinge gewesen, die Kuske mitgestaltet und über seine Musik kommuniziert habe. Daher sei es auch nur natürlich, dass er selbst heute seinen Abschied als Organist begleite und dabei auch sein persönliches Lieblingslied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ erklinge. Unzählige Male hätten die Meitzer dieses Lied in der kleinen Kapelle gesungen. Depke übergab dem Ehepaar Kuske einen Gutschein und Lilo Kuske einen Blumenstrauß.
Doch Georg Wilhelm Kuske hat nicht nur über 1.500 Gottesdienste begleitet, er sei auch ein wichtiger Mensch für die Dorfgemeinschaft, bescheinigte ihm Ortsbürgermeister Jürgen Benk. So habe er die Meitzer Dorfmusikanten gegründet und damit etwas aufgebaut, was den Menschen Freude bereite. Auch für den jährlichen Laternenumzug sei Georg Kuske unverzichtbar und beim Volkstrauertag sei Erinnerungskultur von Georg Kuske schon gelebt worden, bevor es das Wort überhaupt gegeben habe. „Und immer, wenn er ein Amt abgab, hat er bereits für seinen Nachfolger gesorgt“, betonte der Ortsbürgermeister.
Pastor Joachim Schnell hatte als Predigt-Thema den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ gewählt. Dies sei einer der Lieblingstexte von Kuske, vielleicht weil er immer neue Hoffnung wecke, vielleicht weil er Zeiten der Krise in Augenblicke tiefer Gotteserfahrung verwandeln könne. Dieser Psalm habe Georg Kuske durch sein Leben getragen, ein Leben, in dem früher vieles so ganz anders als heute gewesen sei. Im Nachkriegsdeutschland sei es bergauf gegangen, so Schnell, „ohne Farbfernsehen und Mikrowelle, ohne Internet und Handy“. Fast alles habe sich seitdem geändert, vieles zum Besseren, aber nicht alles. Georg Kuske und seine Frau hätten Kinder, Enkel und Urenkel bekommen und das Geschenk Familie sei nicht zu unterschätzen. Für Kuske sei die Familie ein wichtiger Teil seines Lebens, ebenso aber auch die Verbundenheit mit den örtlichen Vereinen.