Einhundert Jahre in Elze verbracht

Hildegard Jennert feiert am Montag, 4. August, ihren 100. Geburtstag im Altenheim Hoffnung in Elze-Hohenheide. Der schöne Quilt ist ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk der Wedemärkerin Lilo Wenzler, die ihr Hobby nutzt, um den Altenheimbewohnern eine Freude zu machen. Foto: A. Wiese

Hildegard Jennert wird am Montag 100 Jahre alt und feiert mit ihrer großen Familie

Elze (awi). Sein ganzes Leben in einem Dorf zu verbringen ist schon viel, aber wenn dieses Leben 100 Jahre währt, ist das etwas ganz Besonderes. Hildegard Jennert wird am Montag, 4. August, im Altenheim Hoffnung in Elze-Hohenheide ihren 100. Geburtstag feiern: mit ihrer großen Familie, Bekannten und Freunden. Und sie freut sich auf eine ganz besondere Überraschung, was das ist, weiß natürlich weder die Jubilarin zu diesem Zeitpunkt, noch wird es in der Zeitung verraten.
Erst seit sieben Jahren ist Hildegard Jennert Bewohnerin des Altenheims. Solange wohnte sie in ihrer eigenen Wohnung, Tür an Tür mit ihrem Sohn Siegfried und seiner Frau Eva-Maria. Dann wurde das Augenlicht immer schlechter und die Seniorin zog ins nahegelegene Altenheim um. Hier bekommt sie viel Besuch, hat täglich Abwechslung und wird rundum gut versorgt. Gerade vier Jahre alt war die kleine Hildegard, als ihr leiblicher Vater im Krieg fiel. „Als mein Vater das letzte Mal mit dem Zug wegfuhr, hat er seinem jüngeren Bruder noch auf dem Bahnsteig zugerufen: „Kümmere dich um Minna und die Kinder“, erzählt Hildegard Jennert. Ihr Onkel nahm diese letzte Bitte seines Bruders sehr ernst: Nach dem Tod des Älteren heiratete er seine Schwägerin und wurde der zweite Vater von Hildegard Jennert und ihrem Bruder. Einige Jahre später bekamen die beiden noch eine kleine Schwes-ter. „Da hatte ich eine lebendige Puppe im Puppenwagen“, schmunzelt die Jubilarin. Sie hat noch viele Erinnerungen an ihre Kindheit, so auch an die Einschulung: „Meine Mutter wusste nicht, dass man Bonbontüten zum Lehrer bringt, die der dann an die Schüler weitergibt. Der Lehrer verteilte dann Bonbons an die anderen Kinder und sagte zur mir ,du bist wohl schon zu groß‘. Aber ein anderes Mädchen hat mir dann auf dem Nachhauseweg von seinen Bonbons abgegeben. Seitdem waren Emmi Knochenhauer und ich die besten Freundinnen.“ Sechs Jahre besuchte Hildegard Jennert die Volksschule in Elze, dann wurde sie in Brelingen konfirmiert und blieb zu Hause, um sich um ihre kränkliche Mutter zu kümmern. „Meinen Traum, Sängerin zu werden musste ich begraben“, berichtet sie wehmütig. Drei Monate lang lernte sie Weißnähen bei Fahrrad-Stille in Elze, mit 17 lernte sie ihren Mann Helmut kennen, mit 18 war sie verlobt, mit 20 verheiratet. Den Lindwedeler lernte sie bei ihren Großeltern in Alfeld an der Leine kennen, wo der Klempner in die Lehre ging. Das Paar blieb in Elze, bekam fünf Kinder und gründete einen Klempnerbetrieb. Hildegard Jennert kümmerte sich um die Buchhaltung und den kleinen Haushaltswarenladen, die Kinder, Haus und Garten. Ab und zu gab es mal einen kleinen Urlaub innerhalb Deutschlands. Als ihr Mann nach 45 Jahren Ehe starb, entdeckte die Elzerin mit 65 Jahren ihr Fernweh, reiste nach Mallorca, Tenneriffa und Gran Canaria. Elf Enkel und mittlerweile 16 Urenkel sorgten dafür, dass ihr nie langweilig war. Bis ins hohe Alter hat sie gekocht, gebacken, eingeweckt und ihren Garten in Schuss gehalten. Und das sei das Geheimnis ihrer Fitness, schmunzelt sie. Auch im Altenheim Hoffnung lässt sie sich, wann immer das Wetter es erlaubt, nach dem Mittagessen in ihrem Rollstuhl nach draußen fahren und genießt die frische Luft. Dass ihre Mitbewohnerinnen das nicht so halten wie sie, kann sie übrigens überhaupt nicht verstehen. „Es gibt nichts besseres als frische Luft“, stellt sie energisch fest. „Ich habe immer im Garten in der Sonne gearbeitet. Darum hat mich sogar meine Schwiegertochter beneidet, die im Laden im Schatten arbeiten musste“, verrät Hildegard Jennert. Sie unterhält sich gerne, liebt es Besuch zu bekommen und wenn sie auf dem Zimmer ist, hört den ganzen Tag Radio. Seit sie nichts mehr sieht, ist ihr die Musik nämlich noch wichtiger geworden. Wenn im Heim etwas los ist, muss Hildegard Jennert dabei sein und auf ihre große Party am Montag freut sie sich schon sehr.