Eltern wollen Mitspracherecht

Die angesagte „Demo“ vor der Kita Kranichweg in Bissendorf, wo der abgängige Altbau (rechts) im Bild mit einem Neubau ersetzt werden soll und dafür nach jetzigem Stand diverser alter Baumbestand weichen muss, glich dann doch eher einer Diskussionsveranstaltung mit Meinungsaustausch. Auf dem Foto Bürgermeister Helge Zychlinski (mit grüner Maske) im Gespräch mit Susanne Thiem, einer der Organisatorinnen der Veranstaltung. Foto: A. Wiese

Friedliche Demonstration vor der Kita Kranichweg für der Erhalt der Bäume

Bissendorf (awi). Auch wenn man unterschiedliche Auffassungen vertritt, kann man vernünftig miteinander reden und die unterschiedlichen Standpunkte austauschen. Das haben die zur Demonstration für den Erhalt der Bäume auf dem Kita-Gelände am Kranichweg einladenden Elternvertreter, die Gemeinde als Bauherrin und die Kirche als Träger der Kita am Dienstagnachmittag eindrucksvoll bewiesen. Nach einer Stunde war jeder zu Wort gekommen und hatte seinem Herzen Luft gemacht, die Gemeinde hat den Eltern zugesichert, ihre Vertreter bei den weiteren Gesprächen einzubinden und die Eltern gingen zumindest mit der Hoffnung nach Hause, dass ja vielleicht doch noch nicht alles in Stein gemeißelt ist, obwohl die Bäume für die Baustraße auf der einen Seite des Grundstücks schon gefällt wurden und die Vorarbeiten für die Baumaßnahme eigentlich im Oktober anlaufen sollen.Für die Zuhörer, die den verbalen Schlagabtausch interessiert verfolgten, kristallisierte sich am Ende die Frage heraus: Ist das jetzt geplante Vorgehen, den Kindergartenbetrieb im Bestandsbau zwei Jahre aufrecht zu erhalten, während dahinter auf dem Außengelände der Neubau errichtet wird, für den aus Platzgründen tatsächlich sehr alte hochwertige Bäume – nicht nur Fichten – fallen müssen, wirklich alternativlos? Eine Containerlösung auf dem Kirchengelände hinter dem Kindergarten erfordere eine Erschließung wie ein Mehrfamilienhausneubau und würde daher die Umwelt noch mehr belasten, argumentierte Bürgermeister Helge Zychlinski. Allerdings hat die Gemeinde auch schon andere Kindergartengruppen als Zwischenlösung in anderen Gebäuden durchaus auch in anderen Gemeindeteilen untergebracht. Ob dies für die Kita Kranichweg in Betracht gezogen wurde, blieb während der Diskussion offen.
Die Beteiligung an der Veranstaltung belief sich mit Initiatoren und Kinder auf maximal 40 Personen, darunter einige Politiker, die sich ein Bild von der Situation machen wollten. Eltern aller 65 Kinder, die die Kita Kranichweg besuchen, waren jedenfalls nicht zugegen. Die protestierenden Eltern stellten eigentlich nicht den Kita-Neubau an sich in Frage, forderten aber vehement denErhlat des großen Außengeländes und der Bäume. Dabei geht es ihnen zum einen um naturnahes Entdecken und Spielen, aber auch um den Schutz vor UV-Strahlung und Überhitzung. Sie hätten erst durch die Presseberichterstattung Ende Juli erfahren, dass „unter anderem auch Bäume gefällt werden müssten“. Bisher sei man davon ausgegangen, dass der Neubau auf dem rückseitig angrenzenden Grundstücke entstehe, dass der Kirchengmeinde gehört. Doch tatsächlich sei der Neubau auf dem Außengelände direkt hinter dem Bestandsbau geplant, was die Außenspielfläche für die Kinder während der Bauzeit extrem verkleinere. Pastor Thorsten Buck und Bürgermeister Helge Zychlinski versicherten zwar, es würden neue Spielmöglichkeiten auf dem Kirchengelände hinter dem Kita-Gelände geschaffen und die Kinder durch einen „Löwengang“ sicher dorthin geleitet, doch zufrieden waren die Eltern mit der Lösung nicht. Am 23. September sollen sie bei einem Elternabend Einblick in die Pläne erhalten und einige Vertreter dann in Gespräche mit den Fachplanern einbezogen werden, hieß es am Dienstag von Seiten des Bürgermeisters.
Gemeinde und Kirche argumentierten, gebraucht werde eine zukunftsfähige Kindertagesstätte, die dem wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzenin Wohnortnähegerecht werde. Am traditionsreichen Kita-Standort Kranichweg werde eine Einrichtung mit 105 Plätzen entstehen. Ziel sei, auf dem Gelände so viel Baumbestand wie möglich zu erhalten. So werde eine große Eiche im Zentrum des neuen Außengeländes mit viel Aufwand gesichert. Das neue Gebäude leiste ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz, sei esdoch viel besser gedämmt als das jetzige, das zudem einen Jahresverbrauch von rund 5.500 Litern Heizöl habe,während der Neubau regenerativ mit einer modernen Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt werde. Die Grünen, die Beobachter zu der Veranstaltung am Dienstag entsandt hatten, schalteten sich vor Ort nicht ein, versandten aber im Anschluss eine Pressemitteilung, in der sie monierten, dass den Ratsmitgliedern die konkreten Baupläne nicht vorgelegt worden seien, sondern es nur pauschal geheißen habe: „Die verschiedenen Planungsvarianten liegen der Gemeinde vor.“ Es werde Ersatzpflanzungen geben, aber bis aus Bäumchen Bäume würden, die in nennenswertem Maße Schatten spenden, CO2 aufnehmen und Sauerstoff abgeben, wüerden viele Jahre vergehen, stimmten die Grünen in die Argumentation der Eltern ein.