Erste Kirche mit Hörschleife

Renate Löhr (v.l.), Renate Bülter vom Handarbeitskreis, Sven Lüersen von der Firma Kind, Küster Werner Dybek, Marion Bernstorf vom Kirchenvorstand und Pastorin Debora Knoblauch bei der Vorstellung der Hörschleife in der Brelinger Kirche. Foto: A. Wiese

Brelingen setzte Anregung von Renate Löhr um

Brelingen (awi). „Ich hatte den höchsten Leidensdruck“, sagt Renate Löhr. Die Pastorin im Ruhestand begründet damit ihren Vorstoß, in der Brelinger St. Martini-Kirche eine Hörschleife zu installieren. Als Pastorin im Ruhestand sei es für sie unerträglich gewesen, die Predigt nicht mehr verfolgen zu können. Renate Löhr hat nach einem schweren Hörsturz vor fünf Jahren ihr Gehör verloren und ist Trägerin eines Cochlea-Implantats. Sie war auch der Motor für den Einbau einer Hörschleife im Bürgersaal des Bürgerhauses in Bissendorf, wo Hörgeschädigte jetzt Ratssitzungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen verfolgen könne. Mit dem Wunsch, eine Hörschleife auch in der Brelinger Kirche zu installieren, sei Renate Löhr im wahrsten Sinne des Wortes auf offene Ohren gestoßen, sagte beim Pressetermin letzte Woche Marion Berns-torf vom Kirchenvorstand. Die Projektidee selbst sei schon 2008 geboren und an den damaligen Pas-tor Stefan Kurmeier und den Kirchenvorstand herangetragen worden. Doch zuerst musste das Geld zusammengetragen werden. Eine erste zweckgebundene Spende gab es 2008, eine weitere 2009. In den Folgejahren spendete der Handarbeitskreis den Verkaufserlös seiner Arbeiten beim Weihnachtsmarkt – insgesamt 1200 Euro. Im vergangenen Jahr holten Marion und Friedrich Bernstorf dann intensiv Preise und Informationen ein. Dabei war ihnen besonders wichtig, dass die Anlage so mobil ist, dass sie auch während der Winterkirche im Gemeindesaal oder bei einem Freiluftgottesdienst eingesetzt werden kann. Dennoch sollte sie so dimensioniert sein, dass sie für die große Kirche ausreichend Leistung erbringt. Der Kirchenkreis bewilligte 2011 einen Zuschuss von 1220 Euro. Da die Kirchenrenovierung im vergangenen Jahr anstand, hatte sichder Kirchenvorstand entschlossen, die Anlage erst danach anzuschaffen, da aufgrund der zahlreichen Spenden auch die Lautsprecheranlage in der Kirche erweitert und verbessert werden sollte. Auch dafür gab es noch einmal eine Sachspende. Insgesamt seien jetzt rund 5.000 Euro je zur Hälfte in die Hörschleife und die Lautsprecheranlage der Kirche investiert worden, stellte Marion Bernstorf vor. Die Brelinger Kirche sei damit die einzige in der
Wedemark mit einer Hörschleifenanlage, die auch den Trägern ganz normaler Hörgeräte zugute komme, weil diese sich auf die Frequenz der Anlage aufschalten könnten. Sven Lüersen von der Firma Hörgeräte Kind in Mellendorf erläuterte, dass jeder Hörgeräteträger dies bei seinem Hörgeräteakustiker einstellen lassen könnte.
Nach der Umgestaltung des Haupteingangs der Kirche mit einer rollstuhlgerechten Rampe sei die Ausstattung des Gotteshauses mit der Hörschleife ein zweiter wichtiger Schritt, um die Brelinger Kirche für Besucher mit Handicap zu öffnen.