Erster Nutztier-Wolfsriss in Brelingen?

Die Heidschnuckenherde auf dem Gelände am Braukamp (Archivbild). Notgedrungen sperren die Halter ihre Tiere nun nachts in den Stall, um nicht noch ein gerissenes Tier wie das zweieinhalbjährige tragende Mutterschaf zu riskieren. Fotos: Privat
 
Das gerissene tragende Muttertier.

DNA-Analyse soll Gewissheit bringen – Heidschnucke musste getötet werden

Brelingen (awi). Wenn die DNA-Analyse des Niedersächsischen Wolfsbüros positiv ausfällt, wäre es der erste offiziell bestätigte Wolfsriss eines Nutztiers in der Wedemark. Gesichtet werden auch hier immer wieder Wölfe, doch gerissen haben sie bisher nur Wild, keine Nutztiere. Doch der Brelinger Karl-Heinz Friebe ist trotz noch ausstehender DNA-Analyse sicher, dass seine tragende zweieinhalbjährige Heidschnucke in der Nacht zum Donnerstag letzter Woche einem Raubtier zum Opfer gefallen ist und geht von einem Wolf aus.
Ganz offensichtlich sei das Tier gestört worden, denn als er das schwer verletzte Tier am Morgen gegen 9.30 Uhr auf der Wiese am Braukamp fand, lebte es noch, musste jedoch von einem Tierarzt eingeschläfert werden. Ein Hinterlauf war von der Bauchseite aufgerissen, ein Vorderlauf fast abgerissen. Karl-Heinz Friebe und seine Frau Dorothee halten seit über 30 Jahren in Brelingen eine Herde grau gehörnter Heidschnucken. Die Herde steht zurzeit auf ihrer Winterwiese in Brelingen „Am Braukamp“, auf der auch im Frühjahr die Lämmer zur Welt kommen werden. Nach dem sofortigen Kontakt mit dem Niedersächsischen Wolfsbüro kam ein „Wolfsberater“, der das gerissene Tier begutachtete, Blut- und Gewebeproben von den Verletzungen nahm, die nun untersucht würden. Erst mit der DNA-Analyse könne zweifelsfrei festgestellt werden, ob es ein Wolfsriss war, wurde Friebe belehrt. Der ist dennoch auch vor dem offiziellen Ergebnis davon überzeugt. „Es sind in den letzten Wochen mehrfach Wölfe in diesem Teil von Brelingen gesichtet worden“, berichtet er. „Unsere Wiese mit dem verletzten und nun toten Tier liegt nur 200 Meter von den ersten Gärten unserer Nachbarn entfernt.“ Die Wiese ist mit Schafdraht eingezäunt. Er und seine Frau machten sich große Sorgen um die Weidetierhaltung, gibt der Heidschnuckenzüchter unumwunden zu. Nutztiere – vor allem nachts – im Freien zu halten werde durch die ansteigende Wolfspopulation immer mehr in Frage gestellt. Auf der Website des NLWKN sei im Wolfsmonitoring unter Nutztierschäden in Niedersachsen der Riss in Brelingen übrigens auch schon vor dem DNA-Ergebnis unter der Nummer 886 eingetragen, berichtet Friebe. Ihm geht es nicht um die finanzielle Entschädigung. „Das kann nicht wettmachen, was das für uns emotional bedeutet: Ständig mit der Sorge zu den Tieren zu gehen, dass wieder etwas geschehen sein könnte, die Entschädigung wird nicht die Bedrohung unserer Heidschnuckenzucht ausgleichen“, so Friebe. Seine Sorgen werden nicht nur in der Wedemark von vielen Schaf-, Rinder- und Pferdehaltern geteilt, von letzteren vor allem auch seit den jüngsten Vorfällen im benachbarten Heidekreis, wo letzte Woche in der Gemarkung Nienhagen eine tragende Ponystute von sechs Wölfen gerissen wurde. Ein Jäger aus Grethem kam am Abend gegen 22 Uhr auf dem Weg zum Ansitz auf diese Situation zu, konnte den Angriff auf die Stute jedoch nicht mehr verhindern. Aus diesem Grund gibt es jedoch hier sehr genaue Angaben. Verantwortlich für diesen Angriff wird das sogenannte Rodewalder Rudel gemacht, das auch bereits ein Kalb gerissen haben soll. Für die Wedemark ist ein standorttreues Rudel bisher nicht belegt. Obwohl es immer wieder Wolfssichtungen gegeben hat, gehen die Experten eher von durchziehenden Einzelwölfen aus.