„Es muss wie ein Schnappschuss sein“

Günter Rössler während der Ausstellungseröffnung im imago Kunstverein. Foto: M. Schmidt

Akt-Fotograf Günter Rössler stellt bei imago aus

Bissendorf (ms). 1926 in Leipzig geboren, absolvierte Günter Rössler nach Abitur, Militärdienst und Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Fotografenlehre. Danach folgte ein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Ab 1951 war Rössler in der Werbe- und Modebranche als Fotograf tätig. Wie er selber sagte, war das aber nicht so das Richtige für ihn. Im Jahr 1953 entstanden, an der Ostsee, seine ersten Aktfotos mit seiner späteren ersten Frau Ruth. Die erste öffentliche Ausstellung mit seinen Aktfotos Ende der 60er Jahre wurde noch von den DDR-Machthabern zwar noch verboten, aber schon im Jahr 1979 änderte sich die öffentliche Einstellung. Seine Ausstellung erregt großes Aufsehen und wurde zum waren Publikumsmagneten. Seine Ausstellung wurde sogar von Schulkassen besucht. Später änderte sich auch die allgemeine gesellschaftliche und politische Einstellung gegenüber der öffentlichen Nacktheit. Nackte tauchten auf Magazinen und Zeitschriften auf und die FFK-Kultur gehörte ganz selbstverständlich zum Leben der DDR-Bürger. Später veröffentlichte Rössler regelmäßig in der DDR-Monatsillustrierten "Das Magazin" Aktfotos. Aber auch ausserhalb der DDR wurde man auf seine Fotos aufmerksam. Im Jahr 1984 meldete sich das Erotikmagazin Playboy aus Westdeutschland bei ihm. Auf 10 Seiten wurden Fotos vom DDR-Künstler Rössler unter dem Titel “Mädchen aus der DDR” veröffentlicht. Auch durch solche Veröffentlichungen wurde sein Ruf gefestigt und er wurde außerhalb der DDR bekannt. Mittlerweile sind seine Fotos gesuchte Objekte die in Museen ausgestellt werden und bei Sammlern sind seine Aktfotos sehr beliebte Sammlerobjekte. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung bei imago Kunstverein Wedemark “Aktfotografie - Arbeiten aus 5 Jahrzenten” hatte das ECHO die Möglichkeit zu einem Interview.
Sie haben 1951 als Modefotograf angefangen. Kurz danach habe Sie Ihre ersten Aktfotos gemacht. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Aktfoto?
Nein. Ich weiss nur noch das ich irgendwann damit angefangen habe. Die Ergebnisse und wie sie waren - daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall muss ich mit den Ergebissen zufrieden gewesen sein. Sonst hätte ich nicht weiter gemacht. Es war immer ein Versuch der dem nächste folgte. Und das war auch das reizvolle daran.
Was für Unterschiede zwischen der Modefotografie und der Aktfotografie gibt es?
Na ja - ein Unterschied auf den ich immer großen Wert gelegt habe - ich habe aufgepasst, immer wieder auf gepasst, dass die Mädchen nicht von sich aus in Posen verfallen sind, die sie von der Modefotografie kannten. In dem Moment, in dem ein Akt den Touch kriegt, vorbereitet zu sein, interessierte mich das Bild nicht mehr.
Was interessiert Sie mehr - die Modefotografie oder die Aktfotografie?
Da gibt es keinen Unterschied für mich. Wo ich das Gefühl habe, es lohnt sich und es macht mir Spaß.
Kommt es auf der Model an oder auf die Umstände an?
Auch. Am idealsten ist es, wenn man das Gefühl hat, dass man im Gespräch verstanden wird. Ein nettes, langes Gespräch am Anfang bei dem man sich kennenlernt. Und diese Basis, diese "Verstandesbasis", die ist für mich wichtig.
Haben Sie bestimmte Vorstellungen bei einem Foto oder auch bei einem Model?
Es gibt eigentlich nur eine: Auf jeden Fall, muss es eine absolute Natürlichkeit sein. Man muss sofort das Gefühl haben, dass ist ein Schnappschuss. Auf dem nichts gemacht ist, nichts gestellt ist, das Model nicht in Pose gesetzt wurde.
Wie lange dauert es ein Foto vorzubereiten und zu fotografieren?
Es ist unterschiedlich - ich will mal so sagen - so gut wie der Rotwein ist...
Können Sie ungefähr abschätzen mit wie vielen Models Sie in Ihrer langen Karriere zusammen gearbeitet haben?
Hunderte waren es! Während meiner Arbeit im letzten halben Jahr in meinem Archiv stellte sich doch plötzlich heraus, dass ich sehr, sehr viel gemacht hat. Und ich hebe doch alles auf. Ob es ein kaputtes Negativ ist oder ein Foto. Ich kann mich nicht erinnern, etwas weggeschmissen zuhaben - alles habe ich aufgehoben.
Gibt es ein Lieblings-Model, mit dem Sie gerne zusammen gearbeitet haben?
Ja ja! (lacht, will aber nicht so richtig antworten.)
Herr Rössler ich danke Ihnen für dieses Gespräch!
Die Foto-Ausstellung im imago Kunstverein Wedemark, Am Markt 1, Bissendorf ist bis zum 22. Juli geöffnet. Dienstag bis Freitag von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 13 Uhr und am Sonntag von 15 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter www.imago-kunstverein.de.