Folgen industrieller Tiermast

Informationen zum aktuellen Antibiotikumeinssatz und der Gefahr der sich bildenden Resistenzen von Tierarzt Rupert Ebner, Humanmediziner Martin Eikenberg, Tierärztin Claudia Preuß-Ueberschär, Uwe Behrens für Filteranlagen und Christiane Hussels für den Vorstand Contra Industriehuhn Wedemark. Foto: E: Rodenbostel

Unkontrollierter Antibiotikaeinsatz sorgt für starke Bedenken

Bissendorf (er). Eingeführt in das Thema wurde mit einem kurzen Einspieler des Films „Globale Antibiotika-Krise“ vom Michael Wech, der von ZDF und Arte koproduziert wurde. Er gab Einblicke in die Fahrlässigkeit der Handhabung bei der Arzneimittelgabe und der Wirtschaftsinteressen, bei denen der Profit über das Wohlergehen der Menschen gestellt wird. „Der Anwender hat eine geringe Gewinnspanne, das ist uns bewusst. Eine einflussreiche Wirtschaft steht dem gegenüber. Politiker handeln erst, wenn der Tsunami da ist“, eröffnete die erste Vorsitzende des Vereins „Contra Indus-triehuhn Wedemark“ Claudia Preuß-Ueberschär die Veranstaltung, die zusammen mit dem NABU Niedersachsen organisiert wurde. Dabei bekamen die Zuhörer neue Informationen zum Antibiotikaeinsatz in der industriellen Tiermast, mit dem Thema „Resis-tenzbildung und Folgen für Gesundheit und Umwelt“. Der Direktor des Institutes für Allgemeine Hygiene, Krankenhaushygiene und Umwelthygiene im Klinikum Bremen Martin Eikenberg erläuterte die Auswirkungen für Menschen bei Operationen von Patienten mit resistenten Keimen. Dabei beschrieb er die aufwändigen Schutzmaßnahmen, die einzurichten sind mit den anhängenden Kosten, die für die Versorgung nötig werden und das Risiko für den Patienten. Tierarzt, Gesundheits- und Umweltreferent der Stadt Ingolstadt, Dr. Rupert Ebner, fragte: „Wie konnte es soweit kommen?“ Dabei beschrieb er den Prozess der „Erfindung der Antibiotika“ sehr anschaulich mit den wirtschaftlichen Vorteilen für Tierärzte und der dadurch möglich gewordenen industrieellen Tierhaltung, die auch: „armen Kumpels die Möglichkeit gegeben hat, Fleisch zu essen.“ Er hinterfragte diese Einstellung ebenso, wie die Ethik der Tierärzte und den Einsatz von antibiotischen Mitteln in China und Amerika. „Beim Einsatz von Antibiotika, die nicht individuell verabreicht werden, ist das Problem, dass kranke Tiere sowieso weniger fressen. Damit erreichen wir, wenn wir gut sind, eine 50 prozentige Über- und Unterdosierung von Medikamenten.“ Uwe Behrens aus dem Oldenburger Land referierte über Filteranlagen und ihren Möglichkeiten. Das Problem bei einer intensiven Haltung von Tieren ist die Belas-tung der Umgebung mit Staub, Feinstaub, Pilzsporen und Bakterien. Gefiltert werden vor allem Ammoniak und Staub. Nicht gefiltert werden Bakterien und deren Ausscheidungen, sowie der Geruch.   Vor allem in der näheren Umgebung ändert sich das Pflanzenvorkommen. Da empfindliche Pflanzen nicht so viel Stickstoff benötigen, ändert sich der Bewuchs – und das Angebot für die Bienen.   „Herangehensweisen an das Problem sind bei verschiedenen Inte-ressengruppen unterschiedlich. In einer Demokratie kann Veränderung nur über Gesetz und Verordnung erfolgen. Viele Bauern möchten aus den Gegebenheiten aussteigen. Die Politik fordert von Landwirten, was sie eigentlich ablehnen. Alle sehen, dass es so nicht weitergehen kann. Politiker müssen Wege anbieten“, forderte Rupert Ebner.
Claudia Preuß-Ueberschär schloss die dargestellten Fakten mit den Worten: „Wir haben nichts gegen Landwirte, die denken, dass sie das Richtige tun. Bei einer Stallplanung in der Größenordnung muss mit Gegenwind gerechnet werden. Ich bitte um weitere Sachlichkeit, da wir nicht Personen angreifen möchten, sondern das Sys-tem verändern wollen. Es soll eine Nachhaltigkeit in der Tierhaltung gefördert werden. Wir haben keinen Gefallen daran, die Landwirte im Billigpreissektor zu sehen.“