Fortführung der Berthold-Otto-Schule

Die Berthold-Otto-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen motiviert ihre Schüler – hier beim Projekt Schrottschweißen – auf ganz besondere Weise – und zwar mit großem Erfolg. Archivfoto: A. Wiese

CDU und FDP/Bündnis C stellen unabhängig voneinander Antrag an Rat

Wedemark (awi). „Sorgt bitte für die Fortführung der Berthold-Otto-Schule“ waren in der Februar-Ratssitzung die letzten Worte der scheidenden Ratsfrau Editha Lorberg (CDU) an ihre Ratskollegen. Und bereits zur Ratssitzung am 5. März hat die CDU-Fraktion einen entsprechenden Antrag gestellt. Und nicht nur sie. Auch die Gruppe FDP/Bündnis C hat quasi zeitgleich einen Antrag bei Bürgermeister Helge Zychlinski eingereicht, damit die Berthold-Otto-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen fortgeführt werden kann. „Die Verwaltung wird beauftragt, bei der Schulbehörde die Fortführung bis zum Ende des Schuljahres 2027/2028 unter Berücksichtigung der geplanten Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes zu beantragen“, hat es Gruppensprecher Erik van der Vorm formuliert. Und ebenso lautet auch der CDU-Antrag.
FDP/Bündnis C begründen ihren Antrag damit, dass die Berthold-Otto-Schule einen festen Platz in der Schullandschaft der Gemeinde und sich mit ihrer langjährigen Arbeit bewährt habe. Für viele Schüler biete die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen die beste Lern-
umgebung. Diese Möglichkeit sollten auch künftige Schüler der Gemeinde bekommen. Daher soll von der beabsichtigten Änderung des niedersächsischen Schulgesetzes Gebrauch gemacht werden, so dass sich auch in den nächsten fünf Jahren Schüler für den Besuch der Förderschule Lernen entscheiden können. Da demnächst die Schulanmeldungen für den fünften Jahrgang anstehen, sei eine schnelle Entscheidung geboten, damit die Eltern Klarheit darüber hätten, ob eine Anmeldung an der Förderschule Lernen zum Schuljahr 2018/2019 möglich sein werde, so die Gruppe. Die Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes werde voraussichtlich am 27. Februar im Landtag beschlossen. Auch die CDU mahnt eine zügige Entscheidung an, unter anderem darüber, wie die Eltern der in Frage kommenden Kinder sinnvoll über die Möglichkeit der Einschulung an der Förderschule Lernen informiert werden könnten. Gleichzeitig sei die Entscheidung dieser Eltern zeitnah abzufragen, um eine entsprechende Bedarfsplanung zu erstellen. In der Begründung der CDU für ihren Antrag heißt es, die Koalitionsvereinbarung „Gemeinsam für ein modernes Niedersachsen“ habe festgeschrieben, dass auf Antrag des Schulträgers und entsprechend des Bedarfs und der Nachfrage, Schülerinnen und Schüler wieder in den fünften Jahrgang einer Förderschule Lernen eingeschult werden können. Mit Schreiben vom 20. Dezember 2017 an die Gemeinde und die Fraktionsvorsitzenden haben der kommissarische Schulleiter, die Schulelternratsvorsitzende, der Schülerratsvorsitzende sowie der Vorsitzende des Fördervereins der Berthold-Otto-Schule ihr Anliegen auf Fortführung und Bestandsschutz zum Ausdruck gebracht.   
Mit der Einführung der inklusiven Schule im Jahr 2013 habe sich gezeigt, so die schulpolitische Sprecherin der CDU, Jessica Borgas, dass besonders die schwächeren Schüler mit dem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Lernen unter den gegebenen Bedingungen in der Inklusion oft nicht ausreichend gefördert und unterstützt werden könnten.
Gerade diese Kinder profitierten von kleinen Klassen, überschaubaren Systemen und engen persönlichen Bindungen zu ihren Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern. Die Berthold-Otto-Schule genieße unter den Schülern, sowie bei den Eltern und Erziehungsberechtigten, einen ausgezeichneten Ruf. Der massive Protest gegen das Auslaufen der Schule sei allen noch gut in Erinnerung, so Borgas. Die CDU-Fraktion sei sich sicher, mit diesem Antrag auch im Namen vieler Schüler und Eltern zu sprechen. Die dann bestehende Möglichkeit, Schüler wieder ab Jahrgang fünf in der Berthold-Otto-Schule einzuschulen, oder eine Umschulung aus weiterführenden Regelschulen durchzuführen, werde nach Ansicht der CDU bei vielen Eltern zu großer Erleichterung führen und einen hohen Zuspruch erfahren. Des Weiteren sei anzu-
merken, dass es, durch das Auslaufen der Konrad-Adenauer-Schule, Schülern, die eine erhöhte Unterstützung benötigten, erschwert sein werde, den Hauptschulabschluss zu erlangen. Hier könne die Berthold-Otto-Schule wichtige Unterstützung liefern und ein entsprechendes Angebot schaffen.
„Wir möchten mit diesem Antrag nicht den Eindruck erwecken, dass wir gegen eine Inklusion sind – das ist mitnichten der Fall“, betont Borgas. Die CDU-Fraktion befürworte die Inklusion der Förderschüler mit Schwierigkeiten im Bereich Lernen unbedingt – da wo sie gewünscht, sinnvoll und erfolgsversprechend sei. Es solle keinesfalls der Eindruck entstehen, dass man diese Schüler separieren möchte. Das Ziel müsse sein, einen Lernort anzubieten, der gewünscht werde und ein gutes Lernen ermögliche. Nach Auffassung der CDU-Fraktion sei es sinnvoll, den Eltern und Erziehungsberechtigten eine wirkliche Wahlfreiheit über die künftige Beschulung und den weiteren Bildungsweg ihrer Kindes zu geben und die Eltern deshalb selber entscheiden zu lassen, ob ihre Kinder die inklusive Regelklasse an einer weiterführenden allgemeinbildenden Schule oder eine Klasse in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen besuchen. Die Landesregierung wird gebeten, schnellstmöglich den gesetzlichen Rahmen für die Umsetzung des Antrags zu schaffen und die Schulträger bei der Umsetzung dieser Anträge zum Schuljahr 2018/2019 zu unterstützen. Selbstverständlich habe die CDU den Antrag im Vorfeld auch mit ihrem Koalitionspartner SPD besprochen und dafür grünes Licht erhalten, so CDU-Fraktionschef Rudi Ringe.