Frauentag beim Kirchenkreis

Gerlinde Bucerius bedankte sich bei Ute Rodehorst für ihren Beitrag zum Frauentag des Kirchenkreises. Foto: A.Wiese

Gespräche und Gedanken rund um das Thema Sterben

Bissendorf (awi). „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, dass wir klug werden!" Dieser Satz aus Psalm 90 stand im Mittelpunkt des Frauentages im Kirchenkreis Wedemark-Langenhagen-Burgwedel in Bissendorf. Gerlinde Bucerius, Dörthe Behn-Hartwig und Doris Stadler als Beauftragte für Frauenthemen hatten die Veranstaltung im Bissendorfer Gemeindehaus unter dem Obertitel „Ein Angebot von Mensch zu Mensch" organisiert. Eine der Referentinnen war Ute Rodehorst vom Ambulanten Hospizdienst. Sie berichtete von ihrer Arbeit, erzählte, dass man gegen einen Eigenbeitrag von 130 Euro einen entsprechenden Kurs belegen kann und beantwortete Fragen ihrer Zuhörerinnen. Dann ergriff eine Mitarbeiterin eines ambulanten Palliativ- und Hospizdienstes das Wort und erzählte, wie sie ganz persönliche eine solche Sterbebegleitung erlebt hat. Eigentlich seien es sogar zwei Begleitungen zur gleichen Zeit gewesen, denn auch ihr eigener Bruder sei gerade beim Umzug in ein Hospiz bei Oldenburg gewesen, als sie den Anruf bekam, dass sie eine Begleitung übernehmen sollte. "Ich habe geantwortet, dass ich es versuchen will und es mir vielleicht gut tut", erzählt die Begleiterin. Dreimal habe sie Herrn Schön besucht, dabei sei auch das Sterben des eigenen Bruders immer präsent gewesen. „Ich hatte das Gefühl, auch meinen Bruder zu begleiten", sagt sie. Herr Schön habe ihr im zum Krankenzimmer umfunktionierten Wohnzimmer von seinem Segelboot und seiner Liebe zum Wasser erzählt. „Ich habe alles geregelt, meine Frau kann gut durchkommen", hat er mir gesagt, berichtet die Begleiterin ihren aufmerksamen Zuhörerinnen. Er hat ihr vom Leben auf See und in der Ägäis vorgeschwärmt. Der kleine Hund lag immer dabei. Doch auch mit seiner Frau hat sie gesprochen, einer ehemaligen Gemeindeschwester. Sie habe das Bedürfnis gehabt, vom Tod und vom Sterben zu reden. Ein paar Tage später habe sie dann ihren Bruder im Hospiz besucht. Kunstwerke der Enkelkinder schmückten die Wände. Sie erzählten von früher, als er ihr das Radfahren beibrachte und sie Indianer im Garten spielten. Es gäbe noch so vieles zu erzählen, wir waren ja noch so klein, als unsere Mutter starb, sagt sie und Trauer schwingt in ihrer Stimme. Doch die Zeit läuft ihnen weg. Als ihr Bruder vor einem Jahr erfuhr, dass er todkrank sei, sei es gewesen, als zöge man ihm, aber auch seinen Angehörigen den Boden unter den Füßen weg. Jeden Tag mit seiner Frau habe er von diesem Zeitpunkt an als Geschenk betrachtet, gemeinsam bereiteten sie seine Beerdigung vor und als er am Ende dieses Besuches sagte „Schwesterchen, machs gut", waren dies die letzten Worte des Bruders an die Erzählerin. Mucksmäuschenstill ist es im Bissendorfer Gemeindesaal, als die Sterbebegleiterin erzählt. Sie wechselt jetzt wieder zu Herrn Schön über. „Als ich ihn das letzte Mal sah, war er schon sehr erschöpft, er redete im Schlaf und war doch auf einmal hellwach und wollte sein gutes Hemd aus dem Schrank haben. „Machen Sie sich jetzt auf die Reise", habe ich ihn gefragt und er hat einfach nur „ja" geantwortet. Er habe Lieder gesummt, sie seine Hand gehalten. Am nächsten Tag rief dann seine Frau an und erzählte, dass ihr Mann gestorben sein. „Er hat es geschafft, ist auf seine letzte große Reise gegangen", habe die Ehefrau gesagt und „Danke, dass Sie hier waren. Ich glaube, er mochte sie gern." Und auch ihr Bruder sei ruhig eingeschlafen, erzählt die Begleiterin, „obwohl er doch so große Angst hatte". Schweigen herrscht in der Runde, als sie fertig ist. Kein betroffenes Schweigen, eher ein respektvolles. Die Erzählung wirkt nach. „Danke", sagt auch Gerlinde Bucerius zu der Begleiterin: „Danke, dass Sie uns mitgenommen haben bei ihrer Arbeit und Ihrem persönlichen Erleben!“