Fünf Stipendien für Ballett vergeben

Viola Neumann-Ziegler ermöglicht Flüchtlingskindern Unterricht zu nehmen

Mellendorf (awi). Tanzen ist eine Leidenschaft. Das gilt insbesondere auch für das Balletttanzen. Wie schade wäre es daher, wenn man gerade etwas, für das man brennt, nicht machen könnte, weil das Geld fehlt. Aus genau diesem Grund hat sich Viola Neumann-Ziegler, Inhaberin der Ballettschule in Mellendorf entschlossen, fünf Kindern mit Migrationshintergrund den Besuch des Ballettunterrichts zu ermöglichen. Lediglich zehn Euro monatlich pro Kind bekommt sie aus BUT-Mitteln, den Rest der 39 Euro Monatsgebühr finanziert die Ballettschule. Für Kinder, die
die BUT-Unterstützung momentan noch nicht erhalten, übernimmt die Ballettschule das gesamte Honorar.
Auf die Idee hat sie die Mutter einer Schülerin gebracht, die von zwei Flüchtlingsmädchen erzählte, die sich so sehr Ballettunterricht wünschten. Vier Mädchen und ein Junge – Konstantin stammt aus Wolgograd – kommen jetzt einmal wöchentlich zum Ballettunterricht bei Tanzpädagogin Monika Wasmann – mit glänzenden Augen und hochmotiviert. Khaula und Maya beispielsweise sind beide im November vor drei Jahren mit ihren Brüdern und Eltern nach Deutschland gekommen. Wegen ihrer jesidischen Religionszugehörigkeit mussten sie Anfang August 2014 vor dem IS aus ihrer Heimat Shingal im Irak flüchten. Den Fluchtweg durch die verschiedenen Länder legten sie zu Fuß sowie per Bus und Bahn zurück. Außerdem gehörte die gefährliche Bootspassage von der Türkei nach Griechenland zu ihrem Fluchtweg. Nachdem sie in Deutschland in verschiedenen Sammelunterkünften in unterschiedlichen Städten untergebracht waren, sind sie seit Mitte 2016 in Mellendorf zuhause und sprechen mittlerweile fast perfekt deutsch. Sie fühlen sich sichtlich wohl hier und sind zwei fröhliche Mädchen. Für Viola Neumann-Ziegler spielte bei ihrer Entscheidung eine wichtige Rolle, dass sie durch die Stipendien einen großen Beitrag zur Integration dieser beiden Mädchen im Besonderen, aber auch geflüchteter Kinder allgemein leisten kann. Denn umso mehr diese Kinder an den verschiedenen Freizeitangeboten teilnehmen und damit andere Kinder und Eltern immer präsenter werden, lösen sich mögliche Berührungsängste und Unsicherheiten gegenüber den neuen Mitbürgern aus unterschiedlichen Herkunftsländern auf, hofft sie. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, oft traumatisierten Kindern die Integration zu erleichtern, in dem sie durch den Besuch des Ballettunterrichts nicht nur Freude und Disziplin erfahren, sondern eben auch Kontakt zu deutschen Kindern und Familien hergestellt wird.
Wenn auch nur ein Teil der Asylantenfamilien nach dem erhofften Kriegsende zurückgehen sollte, was bei Jesiden durch die Verfolgung durch die muslimische Bevölkerung in ihrer Heimat nicht anzunehmen sei, sei so zumindest für den anderen Teil ein Grundstein für eine gelungene Integration gelegt worden und somit für ein „normales“ Leben in einem ehemals fremden Land und einer ebensolchen Kultur, das für die jetzigen Kinder zukünftig „Heimat“ im bes-ten Sinne des Wortes werden sollte, betont Neumann-Ziegler. Da schon immer eine sehr soziale Einstellung hatte, ist die Vergabe dieser Stipendien für Viola Neumann-Ziegler nur folgerichtig und schlüssig. Die Absprache mit den Eltern der Kinder beziehungsweise den Betreuerinnen und dem zuständigen Sozialarbeiter lautet, dass das Stipendium zunächst für ein Jahr (Schuljahr 2018/2019) ausgeschrieben ist und nach Ablauf erneut geprüft werden soll, wie die finanzielle Situation der Familie ist. Dementsprechend wird dann neu entschieden.