Fünf Verletzte nach Hundeattacke

Der „Tatort“ der Beißattacke an der Autobahnbrücke zwischen Bissendorf und Bissendorf-Wietze gestern Morgen: Das Auto einer Beteiligten steht noch in der Parkbucht. Dahinter liegen Einmalhandschuhe, neben der Fahrertür die Plastikverpackung der Spritzen, die die Rettungskräfte gebraucht haben. Foto: A. Wiese

Polizisten erschießen zwei Schäferhunde – Strafanzeige gegen Hundehalter

Bissendorf-Wietze (awi). Beamte des Polizeikommissariats Mellendorf haben am Donnerstag gegen 18.45 Uhr an der Autobahnbrücke zwischen Bissendorf und Bissendorf-Wietze zwei Schäferhunde erschossen. Der Halter ist der Polizei mittlerweile bekannt. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung durch Unterlassen eingeleitet.
Der sandfarbene belgische Malinois und der Deutsche Schäferhund hatten zuvor insgesamt fünf Personen durch Bisse verletzt, mindestens zwei davon schwer. Auch der 53-jährige Polizeioberkommissar war, bevor er die Schüsse abgab, von den Tieren angefallen und am Arm verletzt worden. Ein 68-jähriger Resser, der einer von den Hunden attackierten Elzerin zur Hilfe kam, wurde ebenfalls schwer verletzt, rettete der Frau durch seinen beherzten Einsatz aber möglicherweise das Leben. Dass die Polizei so schnell vor Ort war, lag daran, dass sie bereits zuvor von Fußgängern in Bissendorf-Wietze alarmiert worden war, die von den herrenlos umherlaufenden Hunden angegriffen und verletzt worden waren. Ein 33 Jahre alter Fußgänger hatte gegen 18.30 Uhr die Polizei gerufen, nachdem er am Eichhornweg von den beiden Schäferhunden angefallen und in die Hand gebissen worden war. Einem 38-jährigen Passanten, der helfen wollte, bissen die Hunde ebenfalls in die Hand, liefen dann aber weiter. Beide Männer wurden leicht verletzt. Noch während der Sachverhaltsaufnahme erhielt die Polizei weitere Anrufe. Demnach sollten sich die Hunde mittlerweile im Bereich der Burgwedeler Straße in der Nähe der Autobahnbrücke über die A 352 aufhalten. Während sich die Beamten auf den Weg machten, beobachtete eine 44 Jahre alte Autofahrerin aus Elze, die zusammen mit ihren sieben und zwölf Jahre alten Kindern unterwegs war, die umherstreunenden Hunde und wollte sie von der Fahrbahn locken. Nachdem die Frau ihren Wagen angehalten hatte und ausgestiegen war, wurde sie jedoch sofort von den beiden Schäferhunden angefallen und durch mehrere Bisse schwer verletzt. Ein 68 Jahre alter Autofahrer aus Resse, der die Situation beobachtet hatte, wollte zur Hilfe kommen und wurde ebenfalls mehrfach gebissen, auch er gilt als schwer verletzt.
Wenig später trafen die beiden Beamen des Polizeikommissariats Mellendorf am Vorfallsort ein. Nachdem der 53 Jahre alte Polizeioberkommissar aus dem Streifenwagen ausgestiegen war, wurde auch er sofort von den Hunden angefallen und am Arm verletzt. Er kam später zur Behandlung ins Krankenhaus Großburgwedel und ist zunächst dienstunfähig. Um weitere Gefährdungen durch die offenbar wild gewordenen und völlig unberechenbaren Hunde zu verhindern, erschossen der 53-jährige Polizist und sein 47 Jahre alter Kollege die Tiere mit ihren Dienstwaffen. Sowohl die 44-jährige Elzerin – sie wurde mit einem Rettungshubschrauber in die MHH geflogen – als auch der 68-jährige Helfer kamen zur stationären Behandlung in Krankenhäuser. Um die geschockten Kinder der schwer verletzten Elzerin, die alles hatten mitansehen müssen, kümmerten sich Angehörige. Die Hundekadaver wurden zur Untersuchung in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinerlei Erkenntnisse zum Hundehalter. Am frühen Freitagmorgen meldete sich dann der 46 Jahre alte Hundehalter aus Bissendorf-Wietze beim Polizeikommissariat Mellendorf und erklärte, der Halter der Hunde zu sein. Er selbst war zum Zeitpunkt der Vorfälle nicht in Bissendorf-Wietze. Gegen ihn leiteten die Beamten ein Strafverfahren wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung durch Unterlassen ein. Wie die Hunde vom gesicherten Grundstück des 46-Jährigen gelangen konnten, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen dazu dauern an. Polizeibeamte nahmen das Grundstück des Hundehalters gestern in Augenschein. Jürgen Auhagen, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales, konnte sich gestern aus dem Stand nicht dazu äußern, inwieweit die Gemeinde Maßnahmen gegen den Hundehalter einleiten wird oder bereits in der Vergangenheit Vorfälle mit den Hunden des Bissendorf-Wietzers bei der Gemeinde registriert sind.