„Gab auch Zoff, aber ohne Liebe gehts nicht“

Herta und Hans Niekamp nahmen Glückwünsche und Urkunde zur diamantenen Hochzeit vom zweiten stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Wedemark, Wilhelm Lucka, entgegen. Foto: A. Wiese

Herta und Hans Niekamp feierten das Fest der diamantenen Hochzeit

Bissendorf (awi). „Wir haben uns gezofft und wieder vertragen. Auseinanderlaufen ging ja nicht. Wir haben beide für ein gemeinsames Ziel gearbeitet. Aber ohne Liebe geht es auch nicht“, sagt die 83-jährige Herta Niekamp und zwinkert ihrem 85-jährigen Ehemann Hans dabei zu. Am Mittwoch feierte das Landwirtspaar aus Bissendorf das Fest der diamantenen Hochzeit im Familienkreis und morgens mit offiziellen Gratulanten. Die große Feier mit allen Angehörigen der großen Familie, Nachbarn und Freunden steigt heute im Gasthaus Bludau in Wennebostel.
Die Hochzeit wurde vor 60 Jahren im Gasthaus Schrader gefeiert. „Aber das gibts ja leider nicht mehr“, bedauern beide. Hans Niekamp stammte aus dem Oldenburgischen in der Wesermarsch, besuchte nach dem Krieg die Landbauschule in Hameln und holte die mittlere Reife nach. Dass er den elterlichen Hof nicht übernehmen würde, wusste der Ältes-
te von vier Geschwistern früh, denn in seiner Heimat bekommt anders als hier in Niedersachsen immer der Jüngste den Hof. Und so verdingte sich Hans Niekamp nach Abschluss seiner Lehre auf dem Schlacht- und Viehhof in Hannover und verkaufte an den Markttagen Vieh an die Schlachter. Er wohnte in dieser Zeit in der Gastwirtschaft Kelle in Krähenwinkel und hier lernte er 1952 seine Herta kennen, die dort hauswirtschaftliche Dinge lernte. Denn auf dem elterlichen Hof in Bissendorf hatte die Zweitälteste von vier Mädchen immer auf dem Feld geschafft. „Sie bediente bei uns am Tisch, wir haben uns in die Augen geguckt und gleich Sympathie empfunden“, erzählt Hans Niekamp. Zwei Jahre später, am 12. November 1954, wurde geheiratet. Das erste von insgesamt vier Kindern – ein Junge und drei Mädchen – kam 1956 zur Welt. Heute gehören zur Familie außerdem zehn Enkel und drei Urenkel. An die Hochzeit können sich die beiden Jubilare noch sehr gut erinnern: „Bauer Oelkers, der auch Standesbeamter war, hat uns auf seinem Hof in Bissendorf getraut, dann gings zur Kirche und zu Pastor Sperber. Der hatte den Anstoß für die Hochzeit gegeben. Als Herta Hachmeisters Opa starb, meinte der Pastor trocken ,Jetzt kannst du ja heiraten, ist ja jetzt ein Zimmer frei.‘“ So war das früher tatsächlich. Das junge Paar zog bei ihren Eltern auf dem Hof in der Gottfried-August-Bürger-Straße ein, bekam selbst vier Kinder, zog erst einen Viehhandel auf und erwarb in den achtziger Jahren das Grundstück am Isernhägener Damm, wo es heute noch gemeinsam mit dem Sohn wohnt. Auf dem Hof im Ortskern hat ihre Tochter mittelerweile ein Zahntechnikerlabor eingerichtet. Die Niekamps freuten sich, als ihr Sohn den Hof, den sie neu aufgebaut hatten, übernahm und waren etwas traurig, als sich irgendwann herausstellte, dass der Wandel in der Landwirtschaft auch hier zum Tragen kam, der dazu führte, dass kleine Höfe nur noch als Zuerwerb bewirtschaftet werden konnten. Auch als Altenteiler bauten die Niekamps noch viele Jahre Biogemüse an und verkauften es direkt an die Abnehmer. Und sie sind auch noch ein bisschen gereist: In die Türkei und nach Mallorca, aber zu Hause ist es doch am schönsten waren sich Hans Niekamp, der in den 90er Jahren für die FDP stellvertretender Ortsbürgermeister und in vielen Vereinen aktiv war, und seine Frau Herta einig.