Garantierte Lacher und schönes Ambiente

Im vermeintlichen Irrenhaus ist ein Bewohner seltsamer, als der nächste. Den Onkel wundert gar nichts mehr. Foto: E. Rodenbostel

Provinzbühne Schwarmstedt lockt viele Besucher

Schwarmstedt (er). Die Provinzbünhne Schwarmstedt hat in diesem Jahr die Komödie von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby aus dem 1870 wieder aufleben lassen und spielte unter Bearbeitung und Regie von Peter Tenge die Wiener Version. Bereits seit über 20 Jahren führt der inzwischen in der Nähe von Odenburg wohnende freischaffende Künstler und Autor in Schwarmstedt Regie. Er hat die Schauspieler auch in diesem Jahr durch seine ausgleichende Art und innere Ruhe zu Höchstformen geführt.
Die Handlung wurde etwas an die neue Zeit und Örtlichkeit angeglichen, doch waren durchaus die etwas gröberen Verhaltensweisen von vor 130 Jahren erkennbar. Undenkbar, dass heute eine Bedienung, alias Chirstel Harmrolfs, so aufreizend auf Trinkgeld wartet oder sich bei ihren Gästen über andere beklagt.
Sehr schöne Wortspiele sorgten für Lacher: „Zu Hause trinkt nur mein Mann – das habe ich lange Zeit nicht gewusst, bis ich ihn eines Tages nüchtern erlebt habe.“ Leo, der gern Schauspieler werden wollte und einen deutlichen Sprachfehler, n statt l, nicht verheimlichen konnte, führte mit seinen Ausführungen zur Erheiterung des Publikums: „Ich nasse es nicht, mich nockt der Norbeer!“, äußerte er rigoros. Gespielt wurden die schwierigen Textpassagen bravurös von Ralph Beckmann.
Erinnerungen an früher kamen auf, als der an allem interessierte und stets fröhliche Onkel, gespielt von Christian Biringer, „einen fotografischen Apparat zum Momentaufnahmen machen“ erwarb. Natürlich wurden Weisheiten zum Besten gegeben: „Wahres Glück liegt in dem was man erstrebt, und nicht in dem was man erreicht.“, bekam eine andere Bedeutung mit der Antwort: „Dann sind sie wohl noch nie einer Straßenbahn hinterher gelaufen.“ Auch Feigheit von Einem wird vom Anderen mit den Worten: „Lieber zehn Minuten feig, als ein Leben lang tot.“, aus einem anderen Blickwinkel gesehen.
Ein besonders humorvolles Stück, gespielt im Uhle Hof, dass die Schauspieler gut dastehen und Verrücktheit in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ein ungewöhnliches Abschlussbild und ein lohnenswerter Theaterabend, der in guter Erinnerung behalten wird. Die engagierten Schauspieler wurden 2001 und 2019 mit dem Kulturpreis ausgezeichnet und können auf insgesamt 33 Jahre Spielzeit zurückblicken. Nicht zu erkennender Debütant in diesem Jahr war der Pensionsinhaber Schöller, der von Christian Scholber in großer Selbstverständlichkeit gespielt wurde. Mit ihrem in jedem Jahr schnell ausverkauften Bühnenprogramm unterstützen die Schauspieler karitative oder gemeinnützige Programme. In diesem Juni steht ein Gemeinschaftsprojekt der Provinzbühne mit der KGS Schwarmstedt zum Thema „Zeit“ auf dem Programm.
Kartenvorverkauf für die aktuelle Vorstellung; „Pension Schöller“ findet im Kaufhaus GNH in Schwarmstedt statt. Weitere Aufführungen sind am 21., 22., 23., 28., 29. Februar 2020 sowie 1. März. Freitags und samstags um 19:30, sonntags um 15 Uhr.