Garten und Natur sollen Ruhe verströmen

Während die Arbeiten am Therapiegarten noch in vollem Gange sind, bringen erste Blüten schon Farbe in das 900 Qudratmeter große Areal. Auf der dunklen Torferde vom Abfallentsorger aha werden schon bald viele Pflanzen gedeihen und besonders Demenzkranken zu sinnlichen Erlebnissen verhelfen. Foto: S. Birkner

Öffentliche Präsentation des Therapiegartens am 7. September

Mellendorf (sb). Über die heilende Kraft der Natur, über die Mütterlichkeit gedeihenden Lebens ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Es könnte so einfach sein: Fehlt mir etwas, gehe ich in den Wald. Komme ich nicht in den Wald, bin krank und brauche Stille, gehe ich eben in den Garten. Schaffe ich es auch nicht in den Garten...
Eben hierum geht es dem Verein Grüne Stunde: Einen Ort der Ruhe und des Vertrauens zu schaffen, der auch Behinderten und Gehandicapten zugänglich ist. Besonders gilt das für Demenzkranke. In diesen Wochen ackern Freiwillige tüchtig an der Gestaltung eines solchen Idylls, das schon am 7. September im Mellendorfer Grabenweg eingeweiht werden soll. Noch klaffen Baggerspuren im Sand, noch luken die Bäumchen zart und unsicher aus der Erde hervor, doch bald schon soll hier vornehmlich Demenzkranken zu Sinneserlebnissen verholfen werden.
„Um die Natur zu erleben, muss sie wahrgenommen werden, und zwar mit der Gesamtheit der Sinne“, sagt Corinna Cieslik-Bischof, Gartentherapeutin und Vorsitzende des Vereins Grüne Stunde. Sie ist überzeugt, dass der Umgang mit lebendiger Natur heilende und beruhigende Kräfte entfalten kann. Wer nicht mehr laufen, sich nicht mehr bücken oder nicht mehr einfach im Gras liegen kann, erhält in diesem neuen Therapiegarten also Hilfestellung. Die Wege sind breit und komplett barrierefrei, es sind erhöhte Beete auf Rollstuhlebene angelegt und sogar ein wetterbeständiger Folientunnel ist in Konstruktion.
„Die älteren Menschen sollen sich an Schrebergärten der Nachkriegszeit erinnert fühlen, in denen vielleicht nicht alles neu, und doch funktional und schön eingerichtet war“, erklärt Cieslik-Bischof. Das Umtopfen von Kräutern, das Berühren von fließendem Wasser, von Früchten und Blüten könne Demenzkranken größte Freude bereiten, berichtet sie.
Auf 900 Quadratmetern Fläche wird die Anlage eine Vielfalt natürlicher Geschöpfe beherbergen. Zu alten Apfel- und Birnenbäumen gesellen sich jung gepflanzte, es werden Flieder- und Holunderbüsche, Nuss- und Quittenbäume wachsen. In Beeten ist Raum für Rosen, Lavendel und allerlei andere Gewächse, während Ackerfläche und Kompost Gemüsegärtnerei ermöglichen. Zusätzliche Echtheit gewinnt die natürliche Atmosphäre durch den Stallgeruch, der vom Bauernhof der Familie Gudehus herüberweht. Christian Gudehus hat den Garten für zehn Jahre kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Der Verein Grüne Stunde hat sich Ende 2012 mit Hinblick auf dieses Gartenprojekt gegründet. Weiterhin werden Spender gesucht und Ehrenamtliche, die zu einer Schulung zum Umgang mit Demenzkranken bereit sind. Wer Interesse am Mitmachen hat, kann sich gerne mit Corinna Cieslik-Bischof in Verbindung setzen. Den Kontakt gibt es unter www.verein-gruene-stunde.com oder ganz einfach am 7. September, wenn die Ehrenamtlichen ihre Erholungsanlage zum „Tag der Offenen Gartenpforte“ erstmalig der Öffentlichkeit präsentieren.