Geflügelzüchter geben Vereinsheim auf

Ein Fest am 1. Mai mit Hähnewettkrähen und Musikdarbietungen wird es in Wiechendorf nicht mehr geben. Die Rassegeflügelzuchtvereinigung hat das vor 24 Jahren in Eigenleistung in einem Kuhstall ausgebaute Vereinsheim Am Taubenfelde gekündigt und räumt es zum 30. April diesen Jahres. Archivfoto: A. Wiese
 
Archivfoto vom Auftritt des Elzer Feuerwehrmusikzuges beim Hähnewettkrähen am1.Mai vor dem Vereinsheim der RGZV in Wiechendorf. Archivfoto: A. Wiese

Nach zwei Jahren ohne Veranstaltungen sind die Kosten nicht mehr tragbar

Wiechendorf (awi). Die Rassegeflügelzuchtvereinigung Wedemark (RGZV) gibt ihr Vereinsheim Am Taubenfelde in Wiechendorf auf, bleibt aber als Verein erhalten und in der Wedemark aktiv. Dies wurde auf der Jahreshauptversammlung nach emotionaler Aussprache beschlossen und zügig umgesetzt. Bis zum 30. April muss das von einer Landwirtsfamilie angemietete Vereinsheim geräumt sein. Das Inventar konnte von den Vereinsmitgliedern erworben werden, das Ausstellungsmaterial, insbesoondere Käfige, wird beim zweiten Vorsitzenden der RGZV, Karsten Langehennig in Meitze eingelagert. Von der Kündigung des Vereinsheims betroffen ist auch die Gruppe der Rassetaubenzüchter, die das Heim ebenfalls genutzt und dafür einen regelmäßigen Obulus gezahlt hat.1998 haben die Mitglieder der Rassegeflügelzuchtvereinigung in Eigenleistung den ehemaligen Kuhstall des Landwirtschaftsbetriebs Schnehage zum Vereinsheim ausgebaut. Jahrzehntelang war das Vereinsheim mit der passenden Adresse Am Taubenfelde das Aushängeschild des Landesverbandes Hannoverscher Rassegeflügelzüchter, in dem der Verein organisiert ist. Nicht nur der Kreis- und Landesverband mit unterschiedlichen Gruppen profitierten von den einmaligen Möglichkeiten, die man in Wiechendorf auf dem Hof Schnehage hatte. Auch andere Rassegeflügelzuchtvereine wussten das Vereinsheim zu schätzen. In den vergangenen 20 Jahren fanden zahlreiche überregional beachtete Rassegeflügelausstellungen in Wiechendorf statt. Das Hähnewettkrähen am 1. Mai war über Jahre ein beliebtes Volksfest in Wiechendorf und der Wedemark, für das viele fachfremde Besucher in den kleinen Ort kamen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung seit 2020 ausfallen. Die Veranstaltung 2019 wird somit das letzte Hähnewettkrähen in Wiechendorf gewesen sein. Mit der Zeit seien leider immer mehr aktive Mitglieder verstorben oder mussten sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen, begründet RGZV-Schriftführer Frank Moll-Seiler die Entscheidung zur Kündigung.
Für die verbliebenen aktiven Mitglieder und den Vorstand seien die anfallenden Arbeiten auf Dauer nicht mehr leistbar, so dass schweren Herzens die Entscheidung gereift sei, das Vereinsheim aufzugeben. Doch nicht nur die Arbeit wurde für wenige zuviel, auch die Kosten seien nach zwei Jahren ohne Veranstaltungen nicht mehr tragbar gewesen, berichten Mitglieder. Die überregionalen Schauen, die viele Besucher anlockten, und das Hähnekrähen am 1. Mai hatten stets Geld in die Kassen gespült. Das fehle jetzt, erklärt ein früheres Vorstandsmitglied.
Ende April wird die letzte Monatsversammlung in Wiechendorf stattfinden. Von der Auflösung des umfangreichen Materialbestandes hätten unter anderem Wedemärker Vereine und die Tafel profitieren können, berichtet MollSeiler. Es soll aber auf jeden Fall auch in Zukunft eine Rassegeflügelschau in der Wedemark geben. Das dafür notwendige Ausstellungs-Material konnte in Meitze eingelagert werden. Das Vereinsleben werde sich wieder primär um die Förderung und Weitergabe des Wissens rund um das Rassegeflügel drehen. „Alles hat seine Zeit und so ist es auch in diesem Fall. Vorstand und Mitglieder der RGZV Wedemark erinnern sich dankbar an schöne Jahrzehnte auf dem Hof von Familie Schnehage und blicken frohen Mutes in die Zukunft“, betont Moll-Seiler im Namen des Vorstandes. Die RGZV Wedemark zeichnete sich stets durch ein reges Vereinsleben mit regelmäßigen Versammlungen aus. Durch die Auflösung des Vereinsheims kann sich die Vereinigung neu aufstellen. Es wird vielleicht in der Übergangansphase etwas dauern, jedoch wird sich ein neues Vereinsleben auch ohne Vereinsheim entwickeln.
Ortsbürgermeister Jürgen Engelhardt bedauert die Aufgabe des Vereinsheims in der Dreidörfergemeinschaft ausdrücklich. Nicht nur Wiechendorf, sondern allen drei Dörfern ginge mit dem Abwandern der Rassegeflügelzüchter, die hier solange ihren Mittelpunkt hatten, etwas Wichtiges verloren. Gespräche mit dem Ortsrat oder ihm selbst bezüglich einer möglichen anderen Lösung als der Kündigung habe es im Vorfeld nicht gegeben, so Engelhardt.