„Gemeinde steht wirklich gut da“

Wedemarks Gleichstellungsbeauftragte Silke Steffen-Beck

Silke Steffen-Beck stellt den Gleichstellungsplan der Verwaltung vor

Wedemark (awi). Bürgermeister Helge Zychlinski die Gleichstellungsbeauftragte Silke Steffen-Beck haben den Gleichstellungsplan der Gemeinde Wedemark wegen der Corona-Lage online vorgestellt. In der Vergangenheit fand die Vorstellung des gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellungsplanes alle drei Jahre im Rat statt. „Wir wollen aber die Ratssitzungen so kurz wie möglich halten, um die Infektionsgefahr zu minimieren“, erklärte der Bürgermeister. Deshalb hat er entschieden, die Präsentation des Gleichstellungsplanes in einer Onlinekonferenz anzubieten. So könne ein möglichst großer Interessentenkreis risikolos über Stand und Planungen zur Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in der Gemeinde Wedemark informiert werden.
Anders als der Gleichstellungsbericht ist der Gleichstellungsplan Aufgabe der Verwaltung, die viel Arbeit in die Planung und die stichtagsbezogene Bestandsaufnahme investiert. Sie muss ihre Handlung als Dienststelle darauf ausrichten, Frauen und Männern gleiche Chancen und Möglichkeiten zu bieten.
Gesetzliche Vorgaben gibt es in Niedersachseb bei allen Maßnahmen nur für Männer und Frauen. „Das dritte Geschlecht ist schwierig in der Wahrnehmung, spielt zunächst keine Rolle, wird aber von uns nicht ausgeklammert, hier geht es um die Erfüllung des gesetzlichen Auftrages“, so der Bürgermeister am Montag bei der digitalen Vorstellung. Silke Steffen-Beck erklärte: „Alles was von innen heraus gemacht wird, steht im Gleichstellungsbericht. Heute geht es um den Gleichstellungsplan. Dabei guckt die Gemeinde als Arbeitgeberin, wie richtet sie sich aus, um dem Ziel der Gleichstellung näher zu kommen. Als Eselsbrücke könne man sich merken, dass der Bericht auf die Vergangenheit, der Plan auf die Zukunft gerichtet sei.
Ziele der Gemeinde für die kommenden drei Jahre seien unter anderem die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Abbau von Unterrepräsentanz und der Anspruch, die Bedingungen so zu gestalten, dass der Beruf mit Familienaufgaben vereinbar sei. Dazu gelte es, gleiche Chancen herzustellen, Nachteile zu beseitigen oder auszugleichen, und zwar gleichermaßen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, Beförderungen, höherwertigen Tätigkeiten und Fortbildungen. Die Analyse der Beschäftigungsstruktur gehört zum Gleichstellungsplan ebenso wie dei Fluktuationsabschätzung. Gesetzlich geregelter Stichtag für dei Bestandsaufnahme ist jeweils der 30. Juni. „Und da wird es dann mit den Auszubildenden schon schwierig. Denn die einen sind fertig, die anderen haben noch nicht angefangen“, so Steffen-Beck.
Unterrepräsentanzen müssten für jedem Bereich geprüft, Besoldungs- und Entgeltgruppe ermittelt werden. Entscheidend sei das Beschäftigungsvolument, nicht nur die Anzahl der Köpfe. Unterrepräsentanz bestehe dann, wenn der Anteil eines der Geschlecht unter 45 Prozent liege. Wenn es in einem Bereich nur eine Stelle gebe, zähle dieser allerdings nicht. Werde Unterrepräsentanz festgestellt, müssten die Ursachen angeschaut und Zielquoten festgesetzt werden. Die Fluktuation müsse altersbedingt bewertet werden, bei Stellenausschreibungen nehme man tagesaktuelle Überprüfung vor, um realistisch zu besetzen. „Die Bevorzugung des unterrepräsentativen Geschlechts erfolgt nur, wenn beide gleich gut geeignet sind“, betonte Steffen-Beck.
Die Gemeindeverwaltung sei gut aufgestellt, habe die Überprüfung ergeben. In der Entgeltgruppe 5 gebe es zwei klassich besetzte Arbeitsbereiche, wo es mit der gerechten Geschlechterverteilung hake: bei den Schulverwaltungskräften, wo die Frauen in der Mehrzahl seien, und im technischen Bereich des Bauhofes, wo mehr Männer beschäftigt würden. „Im Bauhof haben wir zwei Abgänge durch Rente, aber Frauen werden sich nicht bewerben,“ erklärte Steffen-Beck. Geplant sei, die Ausschreibungstexte anzupassen und eine Kampagne zu starten, Frauen für den Bauhof zu gewinnen. In einem Fall sei das übrigens bereits gelungen. In der klassischen Verwaltung gehe es darum, das Berufsbild in seiner Vielfalt klarer darzustellen. In den Fachbereichsleitungen gebe es mittlerweile schon jetzt zwei Frauen und vier Männer und es sollten künftig Workshops speziell für Frauen angeboten werden. Der Sozial- und Erziehungsdienst sei ebenfalls durch und durch ein klassich besetzter Bereich, der von Frauen dominiert werden, und das in allen Entgeltgruppen. Hier müsse ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, um eine deutliche Steigerung des Männeranteils zu erreichen, mahnte Steffen-Beck, die auch für diesen Bereich eine Kampagne starten und Ausschreibungstexte verändern möchte, um Männer zu motivieren, sich zu bewerben. Im Verwaltungsvorstand gebe es bereits im Vorstand Parität, da der Bürgermeister über allem stehe und nicht mitzähle. Bei dem Kita-Leitungen sei der Männeranteil niedriger, doch würden jetzt auch stellvertretende Kita-Leitungen in die Übersicht mitaufgenommen.
Jahresgespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeitern böten die Möglichkeit, individuelles Interesse an Aufstieg und Weiterentwicklung zu besprechen, zu dokumentieren und auf Wunsch weiterzuleiten. Im Bauhof und jetzt gerade beim Neubau der Kläranlage in Bissendorf würden die baulichen Voraussetzungen für eine Geschlechtergerechtigkeit mit getrennten Schwarz-weiß-Bereichen geschaffeb. Ziele bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienaufgaben seien die Teilzeit für alle, flexible Arbeitszeitmodelle, die Übernahme von Kinderbetreuungskosten bei Fortbildungen, die Möglichkeit zur Telearbeit und die FLUXX-Notfallbetreuung, so Steffen-Beck.