Gemeindewerke als Windkraftbetreiber?

Die FDP-Kandidaten Andrea Giese (v.l.), Henning Martens, Bernhard Orlowski und Erik van der Vorm (r.) informierten sich bei Ursula Schwertmann und Joachim Rose von den Gemeindewerken Wedemark. Foto: A. Wiese

FDP informiert sich über das erste Geschäftsjahr und unterbreitet Vorschläge

Mellendorf (awi). Die FDP könnte sich die Gemeindewerke als Betreiber künftiger Windparks in der Wedemark vorstellen – ob mit oder ohne Bürgerbeteiligung, das müsste diskutiert werden, sagten gestern bei einem Besuch der Gemeindewerke in deren neuem Büro im Rathaus FDP-Fraktionschef Erik van der Vorm und die Parteivorsitzende und Regionsabgeordnete Andrea Giese.
Regenerative Energien, vorzugsweise Windkraft, ist zurzeit nicht nur, aber auch in der Wedemark das vorherrschende Thema. Die Ausweisung von Standorten wird öffentlich diskutiert. Van der Vorm wollte von Gemeindewerke-Geschäftsführer Joachim Rose wissen, ob er sich vorstellen könnte, dass die Gemeindewerke Windkraftanlagen in der Wedemark betrieben, an Stelle eines anderen Investors, eventuell mit Beteiligung der Bürger. Konkret gebe es da noch keine Überlegungen, antwortete Rose, der hauptberuflich Kämmerer der Gemeinde Wedemark ist. Doch ausschließen wolle er diese Möglichkeit nicht. Nach dem Gesellschaftszweck der Gemeindewerke sei das Betreiben von Windkraftanlagen durchaus vorstellbar.Vorrang habe für die Gemeindewerke zurzeit aber die Überlegung, in Photovoltaikanlagen zu investieren. FDP-Fraktionschef Erik van der Vorm ließ keinen Zweifel daran, dass die FDP „sehr befürworten würde, wenn die Gemeindewerke im Windkraftsektor investieren, Flächen von den Landwirten anmieten und Windräder bauen würde“. Auf Nachfrage von Andrea Giese erklärten Joachim Rose und Ursula Schwertmann, die je eine halbe Stelle bei den Gemeindewerken und als Umweltbeauftragte der Gemeinde inne haben, Rücklagen für eine solche Investition hätten die Gemeindewerke jedoch nicht gebildet und solche seien bisher auch zukünftig nicht geplant. Den Gewinn, den die Gemeindewerke 2010 in ihrem ersten abgeschlossenen Geschäftsjahr gemacht haben, seien zu 100 Prozent an die Gemeinde, die 51 Prozent der Gemeindewerke hält, und eon Avacon (49 Prozent) ausgeschüttet worden. Das habe 200.000 Euro in die Gemeindekasse gespült und für 2012 sei bereits ein Betrag ähnlicher Größenordnung eingeplant. Für 2013 und die Folgejahre rechnet Joachim Rose noch mit wesentlich namhafteren Erträgen für die Gemeindekasse, weil die Gemeindewerke ab 2012 auch das Stromnetz übernehmen, wenn der aktuelle Konzessionsvertrag mit eon Avacon ausläuft. Bisher ist die Gemeindewerke GmbH nur Eigentümerin des Gasnetzes. Im nächsten Jahr wird sie dann auch das Stromnetz von eon Avacon kaufen und es dann zurückverpachten. Daraus resultierend erwartet Rose dann noch wesentlich namhaftere Erträge für die Gesellschafter als jetzt, wo nur das Gasnetz im Eigentum der Gemeindewerke GmbH ist. Außerordentlich erfreulich sei die Entwicklung der Vermarktung des Ökostroms NaturWatt, berichtete Ursula Schwertmann. Anvisiert waren 50 Verträge bis zum Jahresende, doch jetzt im August seien bereits 115 Haushalte in der Wedemark Ökostromkunden. Das hänge natürlich mit den Ereignissen in Japan zusammen, die die Menschen sensibilisiert hätten, waren sich Rose, Schwertmann und die FDP-Politiker einig. Auch Henning Martens und Bernhard Orlowski, aktuelle FDP-Kandidaten für den Gemeinderat, nahmen nämlich an dem Informationsbesuch teil.
Interessiert nahmen die Politiker zur Kenntnis, dass der Arbeitspreis für den Ökostrom unter dem Grundtarif von eon Avacon liegt. „Insgesamt kommt es natürlich auf den Verbrauch an“, betonte Schwertmann. Wärmepumpenstrom sei nicht günstiger, erklärte sie auf Nachfrage: „Einen Tag-Nacht-Tarif können wir nicht anbieten, beim Haushaltsstrom kann selbstverständlich jeder zum Ökostrom wechseln.“ Rose und Schwertmann räumten allerdings mit dem Irrglauben auf, wer auf Ökostrom umsteige, bekomme auch nur umweltfreundlich durch Wasser- oder Windkraft erzeugten Strom aus seiner eigenen Steckdose. Das sei technisch nicht möglich. Ursula Schwertmann lobte die enge Verbundenheit der Wedemärker mit ihrer Gemeinde. Schon dies sei für viele Grund genug, zu den Gemeindewerken zu wechseln. „Wir würden uns natürlich wünschen“, so Schwertmann, „dass unsere Messkoffer für Stromverbraucher noch besser nachgefragt werden. Wir leihen sie schließlich unentgeltlich aus. Auch bei den Beratungen für Hausbesitzer hätten die Mitarbeiter der Gemeindewerke noch Kapazitäten frei. Oft würden nur aus Unwissenheit Fördergelder nicht in Anspruch genommen. Das sei unnötig und bedauerlich.