Geplante Düngeverordnung bereitet Sorgen

Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (von links), Editha Lorberg, Volker Hahn, Cord-Peter von der Wroge, Volker Lindwedel und Holger Hennies trafen sich in Brelingen zu einem Gedankenaustausch über die geplante Düngeverordnung. Foto: B. Stache

Landvolk, Landwirte und Landtagsabgeordnete tauschen sich aus

Brelingen (st). Voraussichtlich im Herbst/Winter diesen Jahres soll die neue Düngeverordnung in Kraft treten, die am 18. Dezember 2014 von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zur Beteiligung an die Bundesländer und Verbände verschickt wurde. Die Novellierung der Verordnung wurde auf Betreiben der EU-Kommission erforderlich. Sie hatte wegen unzureichender Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie im Oktober 2013 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Am Mittwochnachmittag waren die beiden Vorsitzenden des Landvolkkreisverbandes Hannover, Holger Hennies und Volker Hahn, zu einem Gedankenaustausch über die geplante Verordnung mit den Landtagsabgeordneten Editha Lorberg und Hans-Joachim Deneke-Jöhrens zusammengekommen. Der Elzer Landwirt Volker Lindwedel und Cord-Peter von der Wroge, auf dessen landwirtschaftlichem Betrieb in Brelingen das Treffen stattfand, beteiligten sich an den Gesprächen. Sorgen bereite den Landwirten der im Entwurf enthaltene bürokratische Ansatz zur Dokumentation der Düngeplanung, hieß es in der Runde. Die Pflicht, für jeden Schlag (ein zusammenhängendes Stück Ackerland, auf dem in der Regel nur eine Art von Pflanzen angebaut wird) zukünftig den schriftlichen Nachweis über die ausgebrachte Düngemenge zu erstellen, zwinge den Landwirt an den Schreibtisch, machte Volker Hahn deutlich. Die Gesprächsrunde plädierte für eine Nachweisführung in Bezug auf die Gesamtfläche eines landwirtschaftlichen Betriebes. Die Einzelerfassung pro Schlag sei unnötig, erklärte der Landtagsabgeordnete Deneke-Jöhrens, Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung sowie im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz. „Wenn wir erfassen, was auf den Betrieb geht, dann wird der Landwirt das so verteilen, dass es Sinn macht. Warum sollte er alles auf ein Feld ausbringen, wenn er zehn hat und diese ordnungsgemäß düngen kann?“, erklärte der Abgeordnete. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass es eine betriebsbezogene Erfassung gibt.“ Editha Lorberg machte deutlich, dass sich die Landwirte keinesfalls aus der Verantwortung ziehen wollen. „Man will die Verantwortung übernehmen, man will es auch transparent gestalten, aber man will keine überbordende Bürokratie, die die eigentliche Arbeit der Landwirte behindert und sie drei Tage lang am Schreibtisch festhält, ohne dass es letztendlich einen Sinn bringt“, unterstrich sie die allgemeine Auffassung in der Runde. Es gebe aber auch akzeptable Inhalte in der vorliegenden Novellierung der Düngeverordnung, erklärte Deneke-Jöhrens. So beispielsweise die Vorgabe, den aufzubringenden Dünger innerhalb eines engen Zeitfensters in den Boden einzuarbeiten. Während früher die Gülle mithilfe eines Pralltellers aus den Tanks großflächig herausspritzte, wird diese heutzutage per Gestängeverteiler dem Boden exakt zugeführt. Die Rolle der Biogasanlagen beim Güllekreislauf wurde ebenfalls erörtert. Cord-Peter von der Wroge, Betreiber einer solchen Anlage, gab Einblicke in das Nährstoffmanagement seines Betriebes. „Alles was an Gärsubstrat aus der Biogasanlage rausgeht, wird erfasst und auf seinen Nährstoffgehalt an Stickstoff und Phosphor analysiert. Das melde ich monatlich der Landwirtschaftskammer“, erklärte von der Wroge. Der Landvolkkreisverband werde mit Regionsabgeordneten und Bundestagsabgeordneten Gespräche führen, um Einfluss auf die neue Düngeverordnung zu nehmen, kündigte Holger Hennies während des Gedankenaustauschs in Brelingen an. „Um die Verordnung so einfach zu stricken, dass die Bauern damit auch leben können.“