Gerhart und Ruth Mardink sind 60 Jahre verheiratet

Ruth und Gerhart Mardink aus Bennemühlen feierten am Donnerstag ihre diamantene Hochzeit. Foto: Privat

Diamantene Hochzeit in Bennemühlen gefeiert

Bennemühlen. Am Donnerstag haben Gerhart (88) und Ruth (90) Mardink aus Elze ihre diamantene Hochzeit gefeiert. Als Ruth Wiebe Gerhart Mardink am 7. Mai 1960 das Ja-Wort gab, kannten sich beide schon acht Jahre. Kennengelernt hatten sie sich im Januar 1952, als sie beide mit der Bahn zur Arbeit nach Langenhagen fuhren: Er als kaufmännischer Lehrling zur NORTA und sie zu ihrer Arbeitsstelle im Haus daneben bei der Klemptnerei Kohlus als Buchhalterin und Kassiererin. Seine Familie wohnte damals in Gailhof und jeden Morgen wanderte gegen 6 Uhr eine kleine Truppe von Gailhof nach Mellendorf zum Zug. Ruth war dann schon in Bennemühlen eingestiegen, denn sie wohnte in Oegenbostel und kam mit dem Rad zur Bahn. Weil beide morgens und abends mit demselben Zug fuhren und ihre Arbeitsstellen nebeneinander lagen, konnten sie sich täglich sehen und miteinander reden. Das reichte ihnen aber nicht, und so besuchten sie sich an den Wochenenden mit dem Fahrrad. Die gemeinsamen Bahnfahrten hörten nach zwei Jahren auf, denn Ruth suchte sich eine neute Arbeit in Hannover, zuletzt beim RKW, dem "Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft", wieder als Buchhalterin, und Gerhart verließ die NORTA, um eine Dolmetscherschule in Hannover zu besuchen. Der Kontakt riss jedoch nicht ab, sondern führte 1958 zur Verlobung, die in der Oegenbosteler Schule gefeiert wurde, wo Ruths Vater als Lehrer tätig war. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit mit Trauung in der Brelinger Kirche, die Gerharts Vater als Pastor im Ruhestand vornahm.
Zwei kleine Räume fand das junge Paar zunächst als Wohnung in Gerharts Elternhaus in Gailhof, aber ohne eigene Küche und eigenes Bad. Das konnte kein Dauerzustand sein. Eine Verbesserung dieser Situation ergab sich, als ein, von Ruths Eltern und Bruder, in Bennemühlen gebautes Haus 1960 bezugsfertig wurde und sie in die obere Wohnung einziehen konnten, in der allerdings noch vieles in Eigenarbeit gemacht werden musste.
Ihr erstes Kraftfahrzeug war ein Messerschmitt-Kabinenroller, mit dem sie unter anderem zur Nordsee und auch einmal zum Bodensee fuhren. Auf der Heimfahrt ging es den Rhein entlang bis Köln und dann weiter durch das Sauerland, insgesamt drei Tage.
Ein Bausparvertrag nebst Erbschaft ermöglichte es ihnen, einige Jahre später ein Grundstück in der Nachbarschaft der Eltern in Bennemühlen zu kaufen und dort ein Haus zu bauen. Gerhart hatte inzwischen eine Arbeitsstelle als Exportkaufmann bei der Kali-Chemie in Hannover gefunden, während Ruth sich nach der Hochzeit ganz ihrer Aufgabe als Hausfrau und Mutter widmete. Nachdem Gerhart Mardink 16 Jahre bei der Kali-Chemie war, erfuhr er, dass die Firma Sennheiser in Wennebostel einen Leiter der Exportabteilung suchte. Er bewarb sich, denn dadurch würden die täglichen Bahnfahrten nach Hannover entfallen. Aber leider war die Stelle schon vergeben. Man brauchte dort jedoch einen Sachbearbeiter für die Personalabteilung, der sich um die Angelegenheiten der Angestellten und Rentner zu kümmern hätte. Ein Wechsel von Export in eine ganz neue Materie? Gerhart traute sich und sagte zu, und diesen Job hat er dann 18 Jahre lang gemacht bis zum Erreichen des Rentenalters.
Beide Ehepartner hatten das Verlangen, mehr über das Evangelium gemäß der biblischen Lehre zu erfahren. Und so schlossen sie sich 1974 zunächst dem „Marburger Kreis“ und später der „Freien Christlichen Gemeinde Mellendorf“ an. Die Gemeinde nahm unter anderemt an Skandinavisch-Deutschen Christentreffen teil, die sowohl im CVJM-Heim Abbensen als auch in Nyborg auf der dänischen Insel Fyn stattfanden. Da bot es sich an, den Wohnwagen mitzunehmen, denn der Campingplatz lag ganz in der Nähe des Tagungslokals.
Die Jahre flogen dahin und aus dem jungen Brautpaar von 1960 ist inzwischen ein Urgroßelterpaar geworden, das dankbar ist, im Alter von 88 und 90 Jahren noch zusammen zu sein und jetzt seine Diamantene Hochzeit zu feiern. Längere Aufenthalte in Krankenhäusern und Operationen blieben ihnen während der vergangenen 60 Jahre erspart. Leider ist Ruth Mardink vor sechs Monaten gestürzt und hat sich dabei einen Lendenwirbel gebrochen. Seitdem ist sie auf eine Gehhilfe angewiesen, aber beide sind dankbar, daß Gerhart noch einigermaßen mobil ist und viele Wege im Umkreis von 20 Kilometer mit dem Auto übernehmen kann.