Glasfaser für die Gewerbegebiete

Hoffen auf eine hohe Glasfaser- Anschlussquote in den Gewerbegebieten Bissendorf und Mellendorf: Bürgermeister Helge Zychlinski (von links), htp-Vertriebsmitarbeiter Stephan Struck und htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann beim Ortstermin vor dem Rathaus am Donnerstagnachmittag. Foto: A. Wiese

htp investiert auf eigene Faust in Bissendorf und Mellendorf

Wedemark (awi). htp will die Gewerbegebiete in Bissendorf und Mellendorf mit Glasfaser erschließen. Denn für Unternehmen ist ein hochleistungsfähiger Internet-Anschluss mit hohen Bandbreiten wichtig für die meisten Geschäftsprozesse. Digitalisierung, Online-Handel und Home-Office sind nur einige Anwendungen, die einen stabilen Glasfaser-Anschluss voraussetzen. Für die Geschäftskunden nimmt htp richtig Geld in die Hand. Geschäftsführer Thomas Heitmann sprach am Donnerstag von 1,5 bis 2 Millionen Euro.
„htp will die Gewerbegebiete flächendeckend ausbauen. Unseren Unternehmen bietet sich die Chance auf eine hochwertige Infrastruktur, mit der sie für die Zukunft gerüstet sind“, sagt Bürgermeister Helge Zychlinski. Bandbreiten von 250, 600 und 1.000 Mbit/s symmetrisch im Down- und Upload bietet htp an. Berücksichtigung finden auch die hohen Anforderungen von Unternehmen an die Servicequalität: Servicezeiten rund um die Uhr, kurze Reaktions- und Entstörzeiten, eine hohe Verfügbarkeit und feste IP-Adressen. „Mit unserem Breitband-Ausbau stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinde und der hier ansässigen Unternehmen“, sagt htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann.
Die Herausforderung beim Ausbau von Gewerbegebieten ist die Entfernung zwischen und auf den Grundstücken, die die Baukosten in die Höhe treiben. Aus diesem Grund kalkuliert htp mit einem einmaligen Baukostenzuschuss in Höhe von 3.000 Euro von den Gewerbebetrieben – unabhängig von der Betriebsgröße. Kostenfrei wie bei den Privatkunden sei der qualitativ hochwertige Glasfaseranschluss für die Gewerbekunden nicht zu haben, so Heitmann. Doch erst wenn 40 Prozent der Unternehmen pro Gewerbegebiet einen Glasfaser-Anschluss beauftragen, kann htp zu diesen besonderen Konditionen ausbauen. „Das Modell rechnet sich nur, wenn mindestens 40 Prozent der Unternehmen mitmachen“, sagt Thomas Heitmann. Der Baukostenzuschuss liegt weit unter dem normalen Preis einer individuellen Einzelerschließung. htp-Vertriebsmitarbeiter Stephan Struck ist ab nächste Woche in den Gewerbegebieten unterwegs und spricht die Firmeninhaber an.
Bis 30. September müssen sie den Vertrag unterschrieben haben, wenn sie von den günstigen Konditionen profitieren wollen. „Wer sich danach erst entscheidet, zahlt als einmalige Anschlussgebühr nicht mehr 3.000 sondern 6.000 Euro“, gibt Heitmann zu bedenken. Im Mellendorfer Gewerbegebiet am Bahnhof entlang der Industriestraße sind alle Seitenstraßen mit inbegriffen und auch der Mellendorfer Turnverein zählt in diesem Fall als Gewerbebetrieb, hat die Chance, an der Datenautobahn partizipieren zu können. Die Jugendhalle auf der anderen Seite der Celler Straße ist als öffentliches Gebäude sowieso berücksichtigt. In Bissendorf bezieht sich das Angebot auf die Gewerbegebiete I und II, also von Türen -Hensel bis Giesecke-Ruffin.
Sollte der Anschluss der Gewerbegebiete umgesetzt werden können, sei nach Abschluss der laufenden Erschließung in Kooperation mit der Deutschen Glasfaser nahezu eine vollständige Abdeckung der Wedemark erreicht, freuten sich Heitmann und Bürgermeister Helge Zychlinski gemeinsam. Die Gewerbegebiete erschließt htp allerdings auf eigene Rechnung ohne die Deutsche Glasfaser, betonte Heitmann.
„Es ist extrem wichtig, dass unsere Gewerbegebiete nicht nur an die Autoautobahn, sondern auch an die Datenautobahn angebunden sind“, so Helge Zychlinski. Er habe durchaus Verständnis für die von htp kalkulierte Anschlussgebühr von 3.000 Euro. Für htp koste ein Anschluss 10.000 Euro, und auch das nur, wenn quasi alle mitmachen.
Auf Nachfrage des ECHO nahm htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann auch Stellung zu einer aktuellen unerfreulichen Diskussion beim Ausbau des Glasfasernetzes. In Bissendorf-Wietze hatten Vertreter von htp in Gesprächen mit Ortsbürgermeister Daniel Leide und der Sprecherin der Bürgerinitiative für den Glasfaserausbau an der Wietze, Christiane Krefeld, mehrfach betont, aufgrund der besonderen Gegegebenheiten in Bissendorf-Wietze werde es Sonderregelungen für die Hausanschlüsse geben. Auch über die Presse wurde mehrfach kommuniziert, dass an der Wietze statt der üblichen – und im Vertrag stehenden – 20 Meter ab Grundstücksgrenze bis zum Haus hier im Bedarfsfall 30 Meter kostenfrei für den Grundstücksbesitzer sein sollten. Als es jetzt an das Unterschreiben der Verträge ging, war diese Ausnahme jedoch nicht darstellbar. Geschäftsführer Thomas Heitmann sagte am Donnerstag im Beisein von Bürgermeister Helge Zychlinski und Wirtschaftsförderin Antonia Hingler, die auch von der 30-Meter-Regelung wusste, zu, dass es für Bissendorf-Wietze wegen der uneinheitlichen Kommunikation bei Bedarf eine individuelle Reglung geben werde, bei der die ersten 30 Meter von der Straße bis zum Haus kostenfrei für den Antragsteller seien. Dies gelte aber ausschließlich für Bissendorf-Wietze und für kein anderes Gebiet. htp werde sich aber an einmal gemachte Zusagen halten, so Heitmann. Ortsbürgermeister Daniel Leide reagierte auf diese Nachricht mit großer Erleichterung. Er hatte sich zusammen mit der Bürgerinitiative sehr für eine hohe Anschlussquote der Bissendorf-Wietzer an das Glasfasernetz stark gemacht und dabei auch die 30-Meter-Reglung kommuniziert, wie sie ihm von unterschiedlichen htp-Verbindungsleuten zugesagt worden war.
Wenn der bisher laufende Ausbau abgeschlossen ist und auch die Gewerbegebiete angeschlossen sind, gebe es in der gesamten Wedemark noch 312 Adressen, die nicht mit Glasfaser versorgt seien. Dazu gehören unter anderem die Siedlung Auf den Raden in Berkhof und das Dorf Ibsingen. In Ibsingen würde die Anschlussquote der Interessenten 100 Prozent betragen. Dennoch rechnet sich der Glasfaseranschluss dort für htp ohne öffentliche Fördermittel nicht, nicht einmal wenn die Landwirte die Tiefbauarbeiten selber übernehmen würden. Antonia Hingler erklärte jedoch, dass besagte 3s12 Adressen an die Region weitergemeldet seien und hoffentlich mit Beginn der nächsten Förderperiode nächstes Jahr berücksichtigt würden.