„Glückliche Hühner mit Schnäbeln“

Medienrummel im sonst so beschaulichen Brelingen: Der „grüne“ Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte die überregionale Presse zur Bekanntgabe der Maßnahmen seines Ministeriums für die Öko-Landwirtschaft am Montag auf den Biohof Hemme eingeladen. Foto: A. Wiese
 
So sehen glückliche Hühner aus, befand der Minister im mobilen Stall.
 
So leben glückliche Hühner, mit viel Bewegungsfreiheit und der Möglichkeit, zu scharren und zu picken. Foto: A. Wiese

Landwirtschaftsminister Christian Meyer gab Pressekonferenz auf Biohof Hemme

Brelingen (awi). Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen besuchte der neue „grüne“ Landwirtschaftsminister Christian Meyer die Wedemark – und wieder war der Presserummel riesig. Auf dem Biohof Rotermund-Hemme in Brelingen stellte Meyer erste Maßnahmen des Ministeriums unter grüner Führung für mehr Ökolandbau in Niedersachsen vor. Sein erklärtes Ziel: „Anreize für mehr Bio-Lebensmittel aus Niedersachsen schaffen.“
Silvia und Hermann Hemme staunten über das Journalistenaufgebot auf ihrem Hof im beschaulichen Brelingen. Bioland hatte ihren Betrieb als Ort für die Pressekonferenz des Ministers ausgewählt, weil dieser bäuerlich geführte Familienbetrieb in der Nähe von Hannover mit seinen 2.000 Legehennen und dem mobilen Stall ein passendes Vorzeigeprojekt darstelle, erklärte Bioland-Geschäftsführer Harald Gabriel. Die Auswirkungen des letzten Skandals um Bio-Eier bekämen sie noch immer kräftig zu spüren – im positiven Sinne, erklärte Silvia Rotermund-Hemme: „Wir kommen mit der Eier-Produktion nicht nach, die Leute stürmen unseren Hof, kommen nicht nur aus der Wedemark. Zurzeit kommen wir nicht hinterher mit den Eiern.“ Der mobile Stall, in dem die Hälfte der 2.000 Legehennen auf einer 20.000 Quadratmeter großen Wiese am Ortsausgang von Brelingen in Richtung Wiechendorf lebt, fand die absolute Zustimmung des Ministers. „Das ist umwelt- und tierschutzgerecht und die Hühner können ihre Schnäbel behalten und picken“, freute er sich und wagte sich den Journalisten zuliebe sogar noch mit einem Eimer Körnerfutter unter die Hühnerschar. Die quasi auf Schlittenkufen stehende Stallkonstruktion aus Aluminium wird im Sommer etwa alle sechs bis acht Wochen mit dem Trecker weitergezogen, im Winter sind die Abstände länger. So haben die Hühner immer frisches Grün unter den Füßen. „Wir sehen den Unterschied zu unseren anderen 1.000 Hühnern, die wir am Hof halten. Hühner scharren nun mal viel und wenn man den Auslauf nicht wechseln kann, ist der Boden schnell schwarz.“ Wenn es nach Landwirtschaftsminister Christian Meyer geht, sollten möglichst viele Geflügelhalter auf diese Art der Haltung umstellen. Er präsentierte am Donnerstag ein ganzes Bündel an Maßnahmen, das künftig Anreize für mehr Ökolandbau in Niedersachsen schaffen soll. Bereits vor zwei Wochen wurden die Prämien für die Umstellung von konventionellem auf ökologischen Landbau sowie die Beibehaltung bei bestehenden Ökobetrieben erhöht. Damit rücke Niedersachsen in der Förderung vom Schlusslicht bundesweit auf eine Spitzenposition vor, betonte Chris-tian Meyer in der Pressekonferenz im Bio-Hofladen von Hermann Hemme. Dass die Zahl der Betriebe zwar zu-, die Fläche aber abgenommen habe, schreibt Meyer den steigenden Pachtpreisen zu. „Die Maisanbauer können mehr zahlen und setzen so die Biolandwirte unter Druck. Das müssen wir ändern“, so Meyer. Er will einen Schwerpunkt beim Anbau von Getreide und Kartoffeln, Milch und Eiern, Obst, Gemüse und Topfkräutern in der niedersächsischen Landwirtschaft setzen. Die Landesregierung will Anreize schaffen, damit mehr Biolebensmittel aus heimischer Erzeugung in den Handel gelangen. Anlässlich des Pressegesprächs auf dem Biolandbetrieb von Hermann und Silvia Hemme in Brelingen informierte Landwirtschaftsminister Christian Meyer nicht nur über erste Maßnahmen der Landesregierung für mehr Ökolandbau in Niedersachsen, sondern besichtigte auch den 120 Hektar großen Bio-Betrieb, der für die Haltung eines Teils seiner Bio-Legehennen einen mobilen Stall nutzt. Neben den Hühnern werden auf dem Grünland des Betriebes Mutterkühe gehalten und auf dem Ackerland Getreide, Hackfrüchte und Ölfrüchte angebaut. Zwar steige die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln weiterhin stetig an, die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Niedersachsen stagniere jedoch seit Jahren, gab Meyer an. Der Landwirtschaftsminister erklärte, dass es nicht nur im Interesse der Verbraucher, sondern auch aus Sicht des Natur- und Wasserschutzes sowie anderer Indikatoren der Nachhaltigkeit nicht egal sein könne, dass derzeit weniger als drei Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachsen ökologisch bewirtschaftet würden. Als Maßnahmen, die seit dem Regierungswechsel bereits umgesetzt wurden, nannte Minister Meyer die Bewilligung einer Zuwendung für die Aktionstage Ökolandbau sowie die Förderung einer Reihe von insgesamt rund 20 praxisorientierten Öko-Forschungsvorhaben. Hierzu gehören unter anderem zwei Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung von mobilen Ställen für Legehennen. Für Aktionstage wie Forschungsvorhaben wurden Mittel in Höhe von insgesamt 280.000 Euro zur Verfügung gestellt. Für die nähere Zukunft kündigte der Landwirtschaftsminister unter anderem die Neuberufung eines Niedersächsischen Fachbeirates zur Förderung des ökologischen Landbaus an. Der Beirat habe dann die Aufgabe, die Landesregierung über Fragen der Förderung des ökologischen Landbaus zu beraten und werde sich aus Vertretern der Bioverbände, der Erzeugung, der Verarbeitung, des Handels, der Forschung und der Beratung zusammensetzen. Ferner sollen Qualität und Umfang der Unterrichtsinhalte zum ökologischen Landbau an den Berufsschulen beleuchtet werden. „Denn“ so Landwirtschaftsminister Meyer, „das Interesse für diese tierwohlgerechte und umweltverträgliche Wirtschaftsweise ist nach meiner Auffassung eng mit der Ausbildung in diesem Bereich verknüpft.“ Ein weiteres Vorhaben, das in Kürze auf den Weg gebracht werden soll, zielt auf effektive Maßnahmen zur Verbesserung des Anbaus von Eiweißpflanzen in Niedersachsen, um damit langfristig sowohl im konventionellen wie im ökologischen Bereich den Import von Eiweißpflanzen zu senken. Die Details würden derzeit im Landwirtschaftsministerium erarbeitet. Der Minister berichtete auch von einer Studie, die belege, dass die Deutschen bei Lebensmitteln immer mehr auf Qualität, Frische, Natürlichkeit, Transparenz der Herkunft, Nachhaltigkeit und Tierschutz achteten. Er habe da kein leichtes Erbe übernommen, sagte Meyer, wolle sich aber den Herausforderungen stellen. Wenn mehr niedersächsische Betriebe zur Umstellung auf Ökolandbau motiviert werden könnten, sei man auf einem guten Weg.