GroKo im Rat zieht an einem Strang

Bürgermeister Helge Zychlinski (von rechts) und die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier (links) mit dem stellvertretenden Gemeindebrandmeister Sebastian Jagau, Negenborns Ortsbrandmeister Georg Kohne, Abbensens neuem stellvertretenden Ortsbrandmeister Jan Hopfenbach und seinem Vorgänger Achim Knorr am Montagabnd im Rat. Foto: A. Wiese

Feuerwehr- und Verwaltungspersonalien sowie Diverses einvernehmlich abgearbeitet

Wedemark (awi). Wie erwartet verlief auch die Ratssitzung am Montagabend im Bissendorfer Bürgerhaus harmonisch. Es gab keine strittigen Themen und ausschließlich Beschlüsse, bei denen CDU und SPD in der großen Koaltion an einem Strang zogen. Da fällt es denn gar nicht auf, wenn Patrick Cordes von der Wählergemeinschaft Wedemark mal gegen die Grundsteuer-Resolution stimmt, sich WWR und Linke enthalten und der AfD-Vertreter sich bei der Erhöhung der Zuschüsse ifür die Frauenberatungsstelle enthält und gegen den Erlass einer Verordnung über die Nummerierung von Grundstücken stimmt. Lediglich Cordes begründete seine Ablehnung der Resolution zur Grundsteuer-Reform mit zu großem bürokratischem Aufwand. Ansonsten ist man beim Stimmverhalten der kleinen Parteien im Wedemärker Rat schon gewohnheitsmäßig auf Mutmaßungen angewiesen. Für WWR-Vertreterin Melanie Engelke wäre der Bebauungsplan Ost (Lönssiedlung) in Resse mal eine Chance gewesen, im Rat ans Mikrophon zu treten und ein Statement abzugeben, auch wenn das Thema unstrittig ist und am Ende die Zustimmung steht, aber es gibt ja immer eine Vorgeschichte und die anderen Parteien machen es ja auch so, zum Beispiel Bissendorf-Wietzes Ortsbürgermeister Daniel Leide beim Bebauungsplan Am Weiher oder sein Amtskollege Achim von Einem beim Bebauungsplan südlich der Ostlandstraße.
Zu Beginn der Ratssitzung standen Feuerwehrpersonalien im Fokus: Achim Knorr wurde nach zwölf engagierten Jahren als stellvertretender Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Abbensen mit Dank und gewichtigem Präsent entlassen, sein Nachfolger Jan Hopfenbach unter Anlaufschwierigkeiten von Bürgermeister Helge Zychlinski vereidgt, Negenborns Ortsbrandmeister Georg Kohne junior für weitere sechs Jahre verpflichtet und Sebastian Jagau, der seit seiner Mahl im März nur kommissarisch im Amt war, als stellvertretender Gemeindebrandmeister offiziell vom Rat bestätigt vom Bürgermeister vereidgt und reichlich mit Vorschusslorbeeren ausgestattet.
Personalien standen auch am Ende der gut zweistündigen Sitzung auf der Tagesordnung: Die Gleichstellungsbeauftragte Silke Steffen-Beck kann sich über eine Höhergruppierung freuen, Oberinspektor Sebastian Flick und Gemeindeverwaltungsrat Jörg Clausing über eine Beförderung. Dazwischen wurden die genannten Bebauungspläne auf den Weg gebracht, der Jahresabschluss 2013 beschlossen, der Erhöhung des Zuschusses für die Frauenberatungsstelle Ophelia in Langenhagen um 16.000 Euro auf 24.000 Euro zugestimmt mit der Bedingung, Beratung künftig auch vor Ort in der Wedemark anzubieten, und die Benutzungs- und Gebührensatzung für die Inanspruchnahme der Obdachlosenunterkünfte iin der Gemeinde Wedemark geändert. Das Job-Center beziehungsweise andere Träger zahlen für die Unterbringung ihrer Klienten dort künftig fünf Euro pro Quadratmeter und 50 Euro Nebenkosten und liegen damit immer noch unter dem Regionsschnitt.
Zum ersten Mal war Mellendorfs Polizeikommissariatsleiter Jochen Sachweh im Wedemärker Rat zu Gast. Unter seinem Vorgänger Klaus Waschkewitz hatten Gemeinde und Polizei eingeführt, dass der Wedemärker Polizeichef den Ratsherren und -damen einmal im Jahr einen statistischen Überblick mit Rück- und Ausblick gibt. Zwar hat Sachweh das Steuer im Mellendorfer Kommissariat erst im Oktober letzten Jahres übernommen, doch mit den Zahlen 2018 ist er vertraut.Sein Fazit: Das Straftatenaufkommen in der Wedemark ist rückläufig, die Aufklärungsquote gestiegen. Insbesondere auch die Zahl der Einbrüche ist gesunken. Die Wedemark ist sicher. Und die Wedemark hat auch kein Drogenproblem, was man angesichts gestiegener BTM-Delikte meinen könnte. Doch die, so Sachweh, rekrutieren aus verstärkten Kontrollen und akribischen Nachermittlungen, insbesondere Handyauswertungen. Und nur ein ganz geringer Prozentsatz der Täter im BTM-Bereich kommt aus der Wedemark. Die meisten sind von außerhalb und werden bei Veranstaltungen wie dem Waves-Open-Air-Festival am Wochenende oder auf der Durchfahrt erwischt. Auf Nachfrage bestätigte Sachweh, dass es sich bei den BTM-Delikten meis-tens um den Besitz von Eigenbedarf handele. Auch beim Waves-Festival habe man nur in einem Fall Grund zu Annahme, dass der Betroffene mit BTM handele.
Insgesamt 3.997 Einsätze hatte das Polizeikommissariat Mellendorf 2018, mit 216 verschiedenen Einsatzkategorien. Davon waren 710 Verkehrsunfälle, 460 Überprüfungen und Personen- und Fahrzeugkontrollen, 150 Einbrüche, 57 Alarmauslösungen, 130 Gefahrenstellen, davon 35 tote Tiere auf der Fahrbahn, 120 Streitigkeiten, 11 Schulwegüberwachungen und 102 Ruhestörungen. Dazu kommen 19 Sportveranstaltungen, überwiegend Eishockey. Auch die 120 Streitigkeiten seien kein Anlass zur Sorge, beruhigte Sachweh die Ratsmitglieder. Die Wedemark ist und bleibe eine Wohlfühlgemeinde. Handlungsbedarf zusammen mit der Gemeinde sieht der Wedemärker Polizeichef jedoch am Himmelfahrstag: Da war es in diesem Jahr am neuralgischen Punkt an der Beekebrücke in der Feldmark zwischen Elze und Meitze zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen.