Großer Spaß für Darsteller und Publikum

vhs-Theatergruppe führte „Lord Arhur Saviles Verbrechen“ auf

Mellendorf. Mit großem Vergnügen, präsentieren wir Ihnen heute ein Kleinod der Weltliteratur.“ kündigte Conférencier Rolf Asmussen von der Theatergruppe der VHS Hannover-Land das Kriminalstück von Oscar Wilde an, und er hatte nicht zu viel versprochen: Dass die Schauspieler selber diebische Freude an der Aufführung hatten, war in jeder der 140 Minuten Spielzeit zu spüren. Nach den „12 Geschworenen“ von Reginald Rose, einer Kriminalkommödie „Prost Mordzeit“ von Tina Segler und der „Seltsamen Gräfin“ von Edgar Wallace hat sich die Truppe von Regisseur Martin Bossert mit „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ an ein Kostümstück gewagt: Es geht um einen Lord im viktorianischen England des ausgehenden 19. Jh., der, um ehrenhaft und unbefleckt die Ehe mit der hübschen Sybil Merton (wunderbar naiv gespielt von Susanne Droste) eingehen zu können, einen Mord begehen muss. Dieser grotesken Handlung, die die Doppelmoral der führenden Gesellschaft aufs Korn nimmt, entsprechen die zum Teil völlig skurrilen Gestalten des Stücks: Da sind die dämonische, kaltblütige Handlinienleserin, Star der gehobenen Kreise, Mrs. Podgers (Caroline Werner) und die deutsche Anarchistin Fräulein Winkelkopf (herrlich komisch auf die Bühne gebracht von Ilona Rogalla), die frivole alte Tante Clementine Beauchamp (Lydia Müller), die ehrenwerte Lady Windermere (Ulla Wimmer), der humorlose, zerstreute Dekan von Paddington (Gerd Fuhse), die böse Schwiegermutter Lady Julia (Ursula Behling) und das ältliche, verliebte Zimmer-mädchen (Felicidad Cohrdes). In den Hauptrollen brillierten Matthias Bergmann als steifer und grenzenlos loyaler Butler Baines und Manuel Beicht als Lord Arthur, der den schillernden Charakter dieses Ehrenmannes mit großer Gestik und großartiger Mimik überzeugend in Szene setzt. Überhaupt gingen alle Darsteller, bis hin zum Blumenmädchen Agathe (Manja Gehrike), völlig in ihren Rollen auf, so dass man vergessen konnte, Laienspieler und keine Profis vor sich zu haben. So kam die Souffleuse Anke Giers kaum einmal zum Einsatz.Trotz der Länge des Stücks, das nach der Pause noch einmal ordentlich an Fahrt aufnahm, blieb es kurzweilig, witzig und dabei spannend bis zum Schluss, und das Publikum quittierte den feinen englischen Humor mit vielen Lachern. So war der langanhaltende Beifall nach der Vorstellung hochverdient. Man hätte der Aufführung ein noch volleres Haus gewünscht. Die gut hundert Zuschauer jedenfalls gingen nach einem mordsvergnüglichen Theaterabend hochzufrieden nach Hause.
Wer nicht dabei war, hat noch die Möglichkeit, sich die Verbrechen des Lord Arthur am 30.3. im Forum der IGS Garbsen oder am 6.4. im Stadttheater Wunstorf, jeweils 19:30 Uhr, anzusehen.