Grundschul-Neubau vor der Entscheidung

Montessori-Schule lud Politiker gestern zur Informationsveranstaltung ein

Bissendorf-Wietze. Im Rahmen eines umfassenden Informationsnachmittages stellten die Verantwortlichen des Trägervereines des Montessori Projektes Wedemark e.V. Politikern und anderen geladenen Gästen gestern nachmittag den aktuellen Stand des möglichen Neubaus der Grundschule am Wietzestrand in Bissendorf-Wietze vor. Eltern der heutigen und für das kommende Schuljahr angemeldeten Schülern, Gemeinderatsmitglieder, Ortsräte und Vertreter der Presse wurden geladen, um sich vor Ort umfassend über die aktuellen Überlegungen und den Projektstand zu informieren und konstruktiv wie kritisch zu diskutieren.
Die Anja Fichte Stiftung unterstützt die Montessori Grundschule Schule auf Entdeckungsreise bereits seit Beginn des Jahres 2011. Die Schule, die seit 2007 auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule in Bissendorf-Wietze nach dem päda-gogischen Konzept der Maria Montessori Kinder aus der Region unterrichtet, wird in privater Trägerschaft geführt. Mit der Bereitstellung von Teilstipendien ermöglichte die Stiftung zum Beginn des Schuljahres 2011/12 einen wesentlichen zusätzlichen Impuls für den sozialen Gedanken der Schule. Während in anderen Bundesländern Montessori Schulen im Rahmen des staatlichen Schulangebotes vollständig integriert sind, ermöglicht das Land Niedersachsen den Betrieb von Montessori Schulen nur in privater Trägerschaft mit staatlicher Minimalförderung. Einen konsequenten nächsten Schritt möchte die Anja Fichte Stiftung nun mit einer umfassenden Unterstützung der Schule in 2012 gehen. Der Bau eines neuen, ökologisch zeitgemäßen und ökonomisch nachhaltig tragfähigen Schulgebäudes ermögliche nicht nur einen deutlich verbesserten Lern- und Lehralltag für die heute knapp 30 Schüler und die Lehrerinnen, sondern könnte durch barrierefreien Zugang und ergonomisch optimierte Räumlichkeiten insbesondere für das staatlich neu vorgesehene Inklusionsmodell wegweisende Zeichen setzen.
Schulleiterin Stephanie Rifai stellte den interessierten Besuchern den Weg in einen neuen Schulalltag und die daraus resultierenden Chancen anschaulich dar. Die Kinder der Schule hatten sich schon vor Jahreswechsel mit der Frage „Wie würdest du dir eine neue Schule vorstellen“ auseinandergesetzt und kreativen Input geleistet. Mit Unterstützung der Firma Haacke Bau, die auf ausgewiesene Expertisen im ökologischen Gebäudebau zugreifen kann, konnte das Modell eines möglichen Neubaus visualisiert werden. In wochenlanger Detailarbeit haben sich die Mitglieder des Projektteams mit den Anforderungen an das Konzept und den wirtschaftlich tragfähigen und nachhaltigen Betrieb der Schule auseinandergesetzt. Neubau wurde gegen Sanierung abgewogen, Lage und Flächennutzung auf dem bestehenden Grundstück simuliert, ein möglicher Terminplan und ein Migrationsszenario entwickelt. Mit drei klaren Prämissen: Der Betrieb der Schule soll insbesondere durch ein effizientes Energiekonzept wirtschaftlicher werden. Der naturnahe Charakter der Schule und der umfangreiche Waldbestand sollen erhalten bleiben. Die Konzeption der Räumlichkeiten soll einen adäquaten Rahmen für die bestmögliche Umsetzung der Montessori-Pädagogik in einem sozialen Kontext bieten.
Die Verwaltung der Gemeinde Wedemark stehe dem Vorhaben positiv gegenüber und schlage dem Rat in einer aktuellen Beschlussvorlage eine Verpachtung des Grundstücks vor, so die Montessori Schule. Über diese Drucksache solle in der Ratssitzung am 30. Januar entschieden werden. Für die Gemeinde Wedemark sei die Montessori Grundschule eine wertvolle Bereicherung und Attraktivitätssteigerung der Schullandschaft.
Insbesondere erkenne die Verwaltung der Gemeinde die hohe Integrationskraft des Schulsystems an, die Schüler mit einem breiten Leistungsspektrum sowohl individuell als auch im Klassenverband fördere. Dies sei durch das besondere pädagogische Konzept, geringe Klassengrößen und jahrgangsübergreifenden Unterricht möglich. Immer mehr junge Familien suchten für ihre Kinder ein individualisiertes Schulmodell wie man es in anderen deutschen Bundesländern und europäischen Staaten schon seit langem vorfinde.
Nach hoffentlich positivem Entscheid des Rates würde die Anja Fichte Stiftung das Gebäude errichten und der Montessori Schule zur Verfügung stellen, so die Montessori-Schule in einer Pressemitteilung. Sollte am 30. Januar die Gemeinderatsitzung mit einem positiven Votum für die zukünftige Grundstücksnutzung und die vorzulegenden Eckpunkte der vertraglichen Ausgestaltung ausgehen, könnte damit der Startschuss für den Bau kurzfristig gegeben werden – die Beteiligten ständen „in den Startlöchern“.
Der kritischen Auseinandersetzung mit dem neu gegründeten Ortsrat Bissendorf-Wietze begegneten die Vertreter des Trägervereins mit großer Offenheit. Dabei sei sehr deutlich gemacht worden, dass der Trägerverein der Schule in der gemeindepolitischen Diskussion keine Rolle spielen wolle und sich ausschließlich auf seine Aufgabe und Verantwortung als Träger einer Schule fokussiere. Am Sonnabend, 4. Februar, findet in der Montessori-Grundschule ein Tag der offenen Tür statt.