Haidar lernt Friseur bei Heinemanns & friends

Bis Haidar Haare schneiden darf, dauert es noch ein wenig. Aber Shampoonieren darf er bereits und demonstriert das vor Timo Weber (links) und Thomas Heinemann an Kirsten Heinemann. Foto: A. Wiese

Jobcenter sucht weitere Arbeitgeber, die Flüchtlinge ausbilden

Mellendorf (awi). „Haben Sie schon mal daran gedacht, einen Flüchtling als Auszubildenden einzustellen?" Als Kunde, dem Friseurmeister Thomas Heinemann gerade einen aktuellen Haarschnitt verpasste, hat Timo Weber, Teamleiter im Jobcenter, einen Ausbildungsplatz für Haidar Haji Baker aus dem Irak aquiriert. Der 26-Jährige hat zunächst ein zweiwöchiges Praktikum bei Heinemann & friends absolviert und jetzt am 1. August eine reguläre Ausbildung begonnen. „Wir hatten durchaus vor, ein bis zwei Azubis einzustellen, aber erst kamen gar keine Bewerbungen und dann welche, die nicht für uns passten", berichtet Thomas Heinemann. Als Timo Weber ihn ansprach, hatte er daher noch keinen Vertrag abgeschlossen. "Grundsätzlich ja", lautete also seine Antwort. Und dann nahm alles seinen Lauf. Der Träger, der sich für das Jobcenter um die Vermittlung der Geflüchteten in die Ausbildung kümmert, nahm mit Heinemann Kontakt auf und schickte ihm Haidar Haji Baker. Die Chemie zwischen ihm und seinem zukünftigen Chef und dem ganzen Team im Salon Heinemann & friends stimmte vom ersten Tag an. "Er will und das ist entscheidend", sagt Thomas Heinemann, durch dessen Hände in den letzten 46 Jahren wohl an die hundert Auszubildende gegangen sind. Sein Sohn Pierre und seine Schwiegertochter Stefanie würden die Hauptverantwortung für Haidar und die zweite Auszubildende tragen, er sich aber auch sehr aktiv einbringen, weil ihn dieses Projekt interessiere, so Heinemann. Bereits in der Zeit des Praktikums hätten sich die Kunden sehr wohlwollend geäußert, und auch seine Entscheidung, den 26-jährigen Iraker als Auszubildenden einzustellen sei auf positive Resonanz gestoßen. "So offene und tolerante Ausbilder brauchen wir", sagt Ulf-Lasko Werner, Pressesprecher des Jobcenters. Die vom Jobcenter zu vermittelnden Flüchtlinge würden gut vorbereitet. Der externe Träger, mit dem das Jobcenter zusammenarbeitet, schult sie in verschiedenen Gewerken, erkennt Stärken und fördert sie. Haidar, der seit 2015 in Deutschland ist und in der Nordstadt von Hannover wohnt, erfüllt alle Voraussetzungen. Er hat den Integrationskurs B1 abgeschlossen, versteht die deutsche Sprache sehr gut und spricht sie auch bereits gut. Er ist aufgeschlossen und lernwillig. "Und er sieht die Arbeit, er hat einen richtigen Aufräumfimmel", schmunzelt Thomas Heinemann. Ihm gefällt, dass Haidar "ein richtiger Friseur werden will". In seiner Heimat Irak gibt es viele Friseure, doch die können fast nur Herrenschnitte, lernen nicht von der Pike auf". Haidar habe bereits bei einem Friseur in Hannover gearbeitet, der habe ihn jedoch nicht ausbilden wollen. Der junge Iraker wollte aber eine richtige Ausbildung. Im Irak hat er seine Schulausbildung nach zwölf Jahren mit einem Abschluss vollendet, der dem Abitur vergleichbar ist. Kurzfristig hatte er sich für die Ausbildung des Pflegehelfers interessiert, aber dann festgestellt, dass hier in Deutschland darunter etwas ganz anderes verstanden wird als in seiner Heimat und dies nicht seinen Vorstellungen entsprach. Die Ausbildung im Salon Heinemann & friends hingegen schon. Das Jobcenter betreut ihn noch ein halbes Jahr sozusagen "nach", steht bei allen Fragen für Auszubildende und Ausbildungsbetrieb als Ansprechpartner zur Verfügung. Wer jetzt interessiert ist, mit dem Jobcenter Kontakt aufzunehmen, und möglicherweise ebenfalls einem Flüchtling einen Ausbildungsplatz in einem Handwerks- oder Dienstleistungsberuf zur Verfügung stellen möchte, kann mit dem Jobcenter Kontakt aufnehmen unter der E-Mail-Adresse jobcenter-region-hannover.kk@jobcenter-ge.de.