Handelswege in der Wedemark

Diese Karte gibt einen Überblick über die historischen Handelswege und zeigt unter anderem den Verlauf des Hessenweges und des Bremer Weges.
 
Kartenausschnitt: Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte

Die Historische Arbeitsgemeinschaft berichtet aus der Wedemärker Geschichte

Wedemark. In loser Folge berichtet Reinhard Tegtmeier-Blanck aus Bissendorf im ECHO in Auszügen von der  Homepage der Historischen Arbeitsgemeinschaft Wedemark über ausgewählte historische Themen. Mehr Informationen zu den jeweiligen Themen finden Interessierte auf der Homepage „Historische Arbeitsgemeinschaft Wedemark“. In dieser Ausgabe geht es um Handelswege in der Wedemark:
Im Gemeinderat und der Presse wurde über die Industrieansiedlung am „Neuen Hessenweg“ in Gailhof diskutiert. Dieser Straßennahme leitet sich ab von der alten Handelsstraße „Hessenweg“, der sich nordöstlich von Meitze mit dem „Bremer Weg“ gekreuzt haben soll. Dort wurde 2012 auch ein Gedenkstein gesetzt. Gegenwärtig finden am Neuen Hessenweg Grabungen vor der neuen Bebauung statt, um zu überprüfen, ob sich Überreste aus der Vergangenheit finden.Damit ist das Thema von Straßen im Mittelalter und speziell das der Handelswege angesprochen. Diese waren ein Bestandteil der historischen Fernwege, die wir heute unter dem nicht ganz korrekten Sammelbegriff „Altstraßen“ zusammenfassen, denn Straße kommt von lat.: strata und das heißt gepflasterter Weg, und gepflastert waren diese Wege nicht. Nach Art und Nutzungszweck unterscheiden wir folgende Arten:
- Die Hohen Straßen waren meist auf Wasserscheiden verlaufende bedeutende Haupthandelswege abseits von Siedlungen.
- Die Heerwege oder Heerstraßen wurden zwar auch vom Heer benutzt, bedeuteten aber auch Wege für große Heerscharen.
- Die Hellwege (von holl.: "helwech") waren hohe, lichte Wege. Die Bezeichnung Hellweg gibt es auch in Verbindung mit Salzstraßen.
- Die Königsstraßen (z. B. die Via Regia, eine westöstlich verlaufende Militär- und Handelsstraße: Rheinland-Frankfurt/M-Leipzig-Schlesien)) waren rechtlich dem König zugeordnete Haupthandelsstraßen und standen unter besonderem Friedensschutz.
- Die Hessenwege waren meist von West nach Ost verlaufende Haupthandelswege zwischen den Niederlanden und Deutschland.
Für unseren Raum war der sog. Hessenweg wichtig, der von Hamburg her kom-
mend bei Wedemark in den sog. Bremerweg mündete und nach Süden verlief. Der Bezeichnung Hellweg begegnen wir häufig, so z. B. für einen aus den Niederlanden kommenden, über Osnabrück nach Mitteldeutschland verlaufenden alten Haupthandelsweg.
Für die mittelalterlichen Landverkehrsverbindungen ist der Begriff ,,Straße" irreführend. Die meisten mittelalterlichen Landverbindungen waren unbefestigte Erdwege, die bestenfalls mit Sand oder Geröll aufgeschüttet oder in Feuchtgebieten mit querlaufenden Bohlen geschützt wurden. Auf dem Lande wurden die dem Landesherrn zu leistenden bäuerlichen Hand- und Spanndienste zum Wegebau und zur Reparatur genutzt. Ein höchst unterschiedlich gestaltetes Wegenetz war der Normalfall. Alle Wege blieben außerdem schmal. Gemarkungswege erreichten nur eine Breite von 0,5 bis 2 m, sofern sie nicht als Viehtriften dienten und deshalb leicht 10 m und mehr breit waren. Nahverkehrswege waren zumeist 1,5 bis 3 m breit und nur die öffentlichen Fernwege und Heerstraßen, die Königstraßen, gingen mit 4 bis 9 m darüber hinaus.
Die Achsstände der Räder waren nicht normiert und entsprachen regionalen Handwerkstraditionen. War eine Wagenspur ausgefahren oder unpassierbar, fuhr man neben der bisherigen Spur. So änderten sich die Detailtrassen oft häufig und Alternativrouten waren üblich.
In der Zeit vor der Verbreitung des Chausseebaus (19.Jh.) waren selbst die Poststraßen meist ungepflasterte Heidewege und die wichtige Straße von Gifhorn nach Lüneburg setzte sich lediglich als unbefestigter Sandweg bis Harburg fort. Vor der französischen Besetzung (Anfang 19. Jh.) waren nur die Straßen von Hannover nach Hameln und Göttingen als Chausseen fertiggestellt.
Auf den meist unbefestigten Straßen waren die Frachtkosten erheblich. Auf der Strecke zwischen Bremen und Hamburg beispielsweise fuhren um 1795 jährlich ca. 250, zumeist mit 5 Pferden bespannte Frachtwagen, die durchschnittlich 50 bis 60 Zentner Ladung trans-portierten.
Für die Entfernung Hannover - Göttingen kostete die Fracht für 1 Schiffspund (= 3 Zentner) 1 bis 2 Reichstaler, bis Frankfurt a. M. 6 bis 8 Rtlr, wobei die Preise je nach Witterung und Zustand der Wege ausgehandelt wurden. Um 1812 existierten in Niedersachsen nur rudimentäre Ansätze eines verdichteten Straßennetzes um die Residenzstädte Hannover und Braunschweig. Als wichtige Überlandstraßen gab es lediglich Chausseen von Hannover nach Osnabrück und Göttingen sowie die alte Handelsstraße von Göttingen über Braunschweig nach Lüneburg.
Die Verkehrsdichte auf der wichtigen Verbindung Bremen - Hamburg bedeutete, dass alle ein bis zwei Tage ein Frachtwagen den Weg befuhr! In unserem Bereich waren es weniger.
Die Forschungen zum Verlauf des Hessenwegs und des Bremer Wegs im Hinblick auf Meitze liefern je nach der Zeit unterschiedliche Ergebnisse. Auf der o.g. Karte ergibt sich, dass es sich nicht um eine klassische Kreuzung bei Meitze handelt, sondern von Süden her um eine Abzweigung in nördlicher Richtung nach Bremen oder nach Lüneburg / Hamburg. Der Streckenverlauf von Bremen aus nach Süden im Bereich der Wedemark lautete: Elze - Mellendorf - Scherenbostel - Zollstation Schlage-Ickhorst (etwa dem Verlauf der heutigen L190 folgend). Ein Abzweig von Elze über Meitze war möglich.
Die Strecke von Hamburg/Lüneburg hatte folgenden Verlauf: Winsen – Wieckenberg -Meitze - Gailhof - Bissendorf - Zollstation Schlage-Ickhorst. Hier vereinigten sich diese beiden Handelswege. Nun ging es "gemeinsam" über Langenhagen nach Hannover. Hier hatten die Handelswege die wieder getrennten Hauptrichtungen: der Hessenweg Richtung Korbach, Kassel usw. oder auf dem Hellweg Richtung Minden oder nach Südosten über Magdeburg z.B. Richtung Leipzig. Andere Richtungen, zum Beispiel. nach Westen, nämlich der Hellweg Richtung Minden kamen hinzu.
Wesentliche Informationen enstammen: Schubert, Ernst, Hg., Geschichte Niedersachsens, Zweiter Band, Teil 1, [...]Hannover 1997, S. 1160 ff. Genaueres auf der Homepage.