Hannoversche Moorgeest vor dem Aus?

Ludwig Uphues (vorne links) sorgt mit seinen Ausführungen zum Sachstand Hannoversche Moorgeest für nachdenkliche Gesichter. Foto: B. Stache

Ludwig Uphues spricht am Infoabend auf Einladung der GRÜNEN über aktuellen Sachstand

Mellendorf (st). Wie ist der gegenwärtige Stand der Umsetzung und wo liegen die Gründe für die Verzögerungen beim LIFE+ Projekt „Hannoversche Moorgeest", dem für Natur- und Umweltschutz bedeutsamen Vorhaben zur Wiedervernässung des Bissendorfer, Helstorfer, Otternhagener und Schwarzen Moores? Zur Beantwortung dieser Fragen hatte der Ortsverband Wedemark der GRÜNEN den Sprecher des Aktionskreises Hannoversche Moorgeest Ludwig Uphues für eine Gesprächsrunde gewinnen können. „Alle, denen Flora und Fauna der heimischen Moore am Herzen liegen, sind dazu herzlich eingeladen“, hieß es in der Einladung. Am Donnerstagabend begrüßte Angela Klingrad, Vorstandsmitglied der GRÜNEN Wedemark, die Teilnehmer in der Herzblut Sport- und Musikbar in Mellendorf. Zu den Gästen zählten unter anderem der 1. Vorsitzende Naturschutzbund Deutschland Wedemark e.V. Jörg Winterfeldt, Herbert Schrader-Pries, stellvertretendes Mitglied im Vorstand der Flurbereinigung Hannoversche Moorgeest und Grundstückseigentümer mit Flächen im Bissendorfer Moor, sowie Cord-Heinrich Vortmüller, Landwirt aus Schadehop. Ludwig Uphues rief allen noch einmal die Historie in Erinnerung: 1997 habe es die ersten Anfragen zur Wiedervernässung von Mooren in Niedersachsen gegeben. „Wir haben uns 2008 gegründet“, erklärte der Sprecher des Aktionskreises Hannoversche Moorgeest. Ziel sei es gewesen, die Bevölkerung über die geplanten Maßnahmen zur Wiedervernässung der Hannoverschen Moore zu informieren. Bissendorfer, Helstorfer, Otternhagener und Schwarzes Moor seien für diese Naturschutzmaßnahme besonders geeignet, da sie nie industriell bearbeitet wurden. „1400 Hektar Fläche sind erforderlich, um die Maßnahme durchzusetzen“, erklärte Uphues zum aktuellen LIFE+ Projekt „Hannoversche Moorgeest“. 550 Hektar konnten bereits erworben werden, 850 (60 Prozent) fehlen noch. Derzeit stehen wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren an, die sich nach Aussage von Uphues verzögert haben. Erschwert werde das ganze Verfahren durch Grundstückseigentümer, die nicht bereit sind, ihre für das Projekt erforderlichen Grundstücke zu verkaufen, zu gestatten oder zu tauschen. Für Ludwig Uphues wäre es die schlimmste Situation, wenn das von der EU geförderte Projekt „Hannoversche Moorgeest" nicht umgesetzt wird, weil die erforderlichen Grundstücke nicht zur Verfügung gestellt werden. „Wir vom Naturschutz befürchten, dass dieses Verfahren an der Chance, Grundstücke zu tauschen, scheitern könnte. Ich habe große Bedenken, weil wir jetzt schon fast drei Jahre zurück sind in der Planungsphase. Die EU hat sich darüber schon besorgt geäußert.“ Das Moorgeest-Projekt soll bis zum Jahr 2023 abgeschlossen sein. Ludwig Uphues sieht in der bisherigen Verzögerung des Verfahrens ein weiteres Problem bei der konkreten Umsetzung der baulichen Maßnahmen zur Wiedervernässung der vier Moore. „Da müssen 55 Kilometer Dämme gebaut werden, 13,5 Kilometer Fließgewässer angefasst werden. Dazu benötigt man einen großen Maschineneinsatz. Das muss europaweit ausgeschrieben werden. Wie will man das schaffen?“ fragt sich Uphues besorgt. Mittlerweile seien nahezu neun Jahre verstrichen, ohne dass eine einzige Maschine in den Mooren zum Einsatz gekommen sei, um das Projekt zu verwirklichen, stellte er fest. Uphues hofft aber, dass es trotz aller Widrigkeiten doch noch realisiert werden kann. In der Gesprächsrunde wurden die unterschiedlichen Auffassungen über das Verfahren und die Vorgehensweise der damit befassten Behörden zwischen Ludwig Uphues und Herbert Schrader-Pries sowie Cord-Heinrich Vortmüller deutlich, die beide über Grundstücke in den betroffenen Mooren verfügen. So käme ein Gestattungsvertrag für die beiden nicht in Betracht, weil damit ein Grundbucheintrag verbunden sei, der nicht nach 30 Jahren gelöscht würde. Für Schrader-Pries sei auch der Tausch oder Verkauf seines Moor-Grundstücks undenkbar. Die Frage wurde aufgeworfen, warum es keine Pachtverträge in dem Projekt gebe. Am Ende der Gesprächsrunde luden Angela Klingrad und Ludwig Uphues alle Beteiligten zum weiteren Meinungsaustausch ein. „Gemeinsam mit Herrn Uphues möchte ich beim Niedersäschsischen Umweltminister Olaf Lies einen Termin vereinbaren, um die Wichtigkeit dieses Projekts an oberster Stelle vorzubringen“, erklärte Angela Klingrad. „Zu diesem Termin möchten wir unter anderem die Teilnehmergemeinschaft Flurbereinigung des Projekts sowie die Wasser- und Bodenverbände, das Landvolk und Naturschutzverbände einladen.“